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18. Juni 2021
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I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen

Die internationale Querschnitts-Befragung I-WISh richtete sich als cross-sektionale Umfrage sowohl an Patienten, die unter der seltenen Autoimmunerkrankung Immunthrombozytopenie (ITP) leiden, als auch an deren behandelnde Ärzte. Bei der virtuellen EHA-Jahrestagung 2021 wurden Ergebnisse der Studie hinsichtlich der bevorzugten Behandlungsoptionen auf Seiten von Patienten und Ärzten in verschiedenen Ländern vorgestellt. Darüber hinaus beleuchtete die präsentierte Analyse die Frage, ob die Fallzahlen an ITP-Patienten pro behandelndem Arzt Einfluss auf dessen Therapieentscheidungen haben (1).
Bisher hatten Daten der I-WISh-Studie die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Ärzten und Patienten im Hinblick auf das Management der Erkrankung, die körperlichen und psychischen Belastungen von ITP-Patienten sowie den Einfluss der ITP auf die Lebensqualität aufgezeigt. Die nun beim EHA-Kongress vorgestellte Analyse könnte das Verständnis der geographischen Unterschiede bei den Therapievorlieben von Ärzten und Patienten verbessern. Damit und mit mehr Informationen zur Frage nach dem Einfluss der Fallzahlen an ITP-Patienten pro Arzt auf die Therapieentscheidungen ließen sich möglicherweise Bereiche identifizieren, wo eine vermehrte Diskussion und Schulung vorteilhaft sein könnte, erklärte Dr. Nichola Cooper, London, UK.

1.507 Patienten aus 13 Ländern und 472 Ärzte, die ITP-Patienten behandelten, hatten an der Querschnitts-Befragung I-WISh zwischen Dezember 2017 und August 2018 teilgenommen. Das durchschnittliche Alter der Patienten lag bei 47 Jahren und 65% waren Frauen. Im Mittel lag die Fallzahl an aktuell behandelten ITP-Patienten pro behandelndem Arzt bei 34; darunter 18 neu diagnostizierte Patienten in den vergangenen 12 Monaten. Ärzte mit niedriger Fallzahl (≤ 10 Patienten) behandelten durchschnittlich 7 ITP-Patienten, Ärzte mit mittelhohen Fallzahlen (11–29 Patienten) 19 und Ärzte mit hohen Fallzahlen (≥ 30 Patienten) 70 ITP-Patienten.

90% der 1.507 Patienten bevorzugten eine orale Therapie gegenüber einer subkutanen oder intravenösen Injektion, und zwar am liebsten nur 1x täglich (83%). In fast allen Ländern lag die Bevorzugung oraler Therapien bei > 85%, außer in Frankreich (80%), in der Türkei (77%) und in Deutschland (70%). Auch die behandelnden Ärzte bevorzugten als Therapie der ersten Wahl eine orale Therapie (77%).

Zur Frage, welche Therapie am besten geeignet sei, eine andauernde Remission zu erreichen, gab es geographisch recht unterschiedliche Einschätzungen: Ärzte in Kanada, Kolumbien und in den USA sahen dafür die Splenektomie als am besten geeignet an, während in China und Indien Ärzte hierfür auf Kortikosteroide setzten. In den meisten Ländern hielten Ärzte allerdings Thrombopoetin-Rezeptoragonisten (TPO-RA, z.B. Eltrombopag (Revolade®)) für die beste Therapie, um anhaltende Remission der ITP zu erzielen, so in Ägypten, der Türkei, dem Vereinigten Königreich, Spanien, Italien, Frankreich, Japan und Deutschland.

Je mehr Patienten mit persistierender, chronischer oder rezidivierender ITP ein Arzt behandelte, umso eher war eine orale Medikation seine Therapie der Wahl. Mit zunehmender Patientenzahl bevorzugten Ärzte außerdem TPO-RAs, wenn es um das Behandlungsziel einer nachhaltigen Remission ging. So verschob sich die Bevorzugung von TPO-RAs von 19% bei niedriger Fallzahl auf 43% bei hoher Fallzahl, während die Präferenz von Kortikosteroiden entsprechend von 38% auf 13% zurückging. Wenn es um das Erreichen langanhaltender Remissionen ging, sahen Ärzte TPO-RAs etwa gleichberechtigt neben der Splenektomie und Kortikosteroiden. Insgesamt waren TPO-RAs die bevorzugte Therapieoption der Ärzte, insbesondere bei solchen mit hoher Fallzahl, wie Cooper darlegte.

Eine mögliche Limitation der Studie ist laut Cooper zum einen der Wortlaut der Fragestellungen, die z.B. bestimmte Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme bei oral verabreichten Substanzen nicht berücksichtigen. Zudem seien die Fallzahlen in verschiedenen beteiligten Ländern unterschiedlich. Die Daten wurden außerdem vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie generiert; somit könnten sich die Einschätzungen seitdem verändert haben. Dennoch sei eine Bestätigung der Daten in weiteren Untersuchungen gerechtfertigt, so Coopers Fazit.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: Virtuelle Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) vom 9.-17. Juni 2021

Literatur:

(1) Cooper N et al. Geographic distribution of patient and physician ITP treatment preferences and effect of physician caseload on treatment practices: results from the ITP World Impact Survey (I-Wish). EHA 2021, Abstract EP1150 und e-Poster.


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