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Medizin

08. Juli 2019 HR+/HER2-negativer BC: Aktuelle und zukünftige Therapieoptionen

Auf einem Satellitensymposium diskutierten Experten die aktuellen und zukünftigen Therapieoptionen beim Hormonrezeptor-positiven (HR+) HER2-negativen (HER2-) fortgeschrittenen Mammakarzinom (MaCa). Hier haben sich die CDK4/6-Inhibitoren etabliert. Neu und in der EU noch nicht zugelassen sind die PI3K-Hemmer, die in der dritten Generation spezifisch einen Subtypus dieser Kinase inhibieren und bei Patienten mit einer PI3K-Mutation gute Daten vorlegen konnten.
Prof. Dr. med. Sherko Kümmel, Essen, präsentierte diesbezüglich die Resultate der Phase-III-Studie SOLAR-1. Darin erhielten postmenopausale Frauen mit fortgeschrittenem HR+/HER2- MaCa, bei denen unter oder nach einem Aromatase-Inhibitor die Erkrankung progredient wurde, entweder Alpelisib plus Fulvestrant oder Fulvestrant plus Placebo. Dabei wurde eine Stratifikation zwischen Probanden mit PI3K-Mutation (n=341) und mit PI3K-Wildtyp vorgenommen (n=231). Rund 40% der Patienten mit fortgeschrittenem HR+/HER2- MaCa weisen diese Mutation auf.

Das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) im Alpelisib-Arm betrug bei den Patienten mit Mutation 11,0 Monate vs. 5,7 Monate (p<0,001); hingegen es sich bei den Patienten mit PI3K-Wildtyp nicht wesentlich unterschied (7,4 vs 5,6 Monate) (1,2). Alpelisib, erklärt Kümmel, gehört zur dritten Generation dieser Substanzklasse, welche die alpha-Isoform der PI3K spezifisch inhibiert. Diese Substanz ist möglicherweise eine gute Zweitlinien-Option.

Als unerwünschte Wirkungen steht, neben Hautreaktionen, vor allem eine durch die Medikation induzierte Hyperglykämie im Vordergrund. Bei rund drei Viertel der Studienteilnehmer mit dieser Nebenwirkung konnte sie jedoch mit Metformin ausreichend kontrolliert werden, so Kümmel.

CDK4/6-Hemmer auch bei prämenopausalen Frauen effektiv

In Bezug auf die CDK4/6-Inhibitoren referierte Prof. Dr. med. Marcus Schmidt, Mainz, die aktuellsten Auswertungen der Phase-III-Studie MONALEESA-7, welche jüngst auf dem ASCO vorgestellt wurden (3). Darin erhielten prä- oder perimenopausale Patientinnen mit fortgeschrittenem HR+/HER2- Brustkrebs einen nicht-steroidalen Aromatase-Hemmer (NSAI) oder Tamoxifen und das GnRH-Analogon Goserelin; zusätzlich bekamen sie Ribociclib (Kisqali®) oder Placebo.

Beim zentralen sekundären Endpunkt, dem Gesamtüberleben (OS) konnte die Zugabe des CDK4/6-Inhibitors, so Schmidt, das mediane Sterberisiko der Patientinnen um 29% reduzieren (p=0,00973). Die Auswertung von MONALEESA-7 nach 42 Monaten protokollierte, dass 70,2% der Frauen im Ribociclib-Arm noch am Leben waren gegenüber 46% in der Gruppe ohne Ribociclib-Medikation (4). Zuvor schon, so Schmidt, konnte in dieser Untersuchung gezeigt werden, dass die Zugabe von Ribociclib das progressionsfreie Überleben (PFS) von 13,0 auf 23,8 Monate signifikant verlängerte (5).

Für die Patientinnen sehr wichtig: War Ribociclib mit an Bord, konnte die Zeit bis zur folgenden Chemotherapie deutlich verlängert werden. Im aktiven Arm benötigten nach 42 Monaten 65,8% keine Chemotherapie gegenüber 49,0% im Kontrollkollektiv.

Reimund Freye

Quelle: Frühstückssymposium: CDK4/6- und PI3K-Inhibition – Implikationen für die Therapiesequenz, im Rahmen der 39. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Berlin, 28. Juni 2019; Veranstalter: Novartis Oncology

Literatur:

(1) André F et al. ESMO 2018; LBA3.
(2) André F et al. N Engl J Med 2019; 380 (20): 1929-40.
(3) Hurvitz et al. Oral presentation at ASCO Annual Meeting 2019; Abstract LBA1008.
(4) Im et al. N Engl J Med 2019 (Epub ahead of print).
(5) Tripathy D et al. Lancet Oncol 2018; 19 (7): 904-15.
 


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