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Medizin
01. April 2021

Hohes Thrombose-Risiko bei Patienten mit Krebs unter Immuntherapie

Forscher konnten in einer nun veröffentlichten Studie im Top-Journal „Blood“ erste Daten zu Häufigkeit, klinischen Konsequenzen und möglichen Risikofaktoren für thrombotische Komplikationen bei Immuntherapie an Krebspatienten liefern. Das zentrale Ergebnis: Im Verlauf der Therapie entwickeln etwa 13% der Patienten eine venöse Thromboembolie und etwa 2% eine Thrombose im arteriellen Gefäßsystem.
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Patienten mit Krebserkrankungen haben generell ein erhöhtes Risiko für Thrombosen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Dieses Risiko wird einerseits durch Patienten-spezifische Faktoren und die Tumorerkrankung selbst beeinflusst, andererseits können aber auch die Krebstherapie, also etwa chirurgische Eingriffe, eine Strahlentherapie oder spezielle chemotherapeutische Medikamente, zu einer Erhöhung dieses Risikos führen.
 

Kein signifikantes Risiko für Thromboembolien

In den vergangenen Jahren werden zunehmend Immuncheckpoint-Inhibitoren zur Therapie verschiedenster Krebserkrankungen eingesetzt. Diese Medikamente führen über eine Aktivierung des Immunsystems gegen den Tumor zu einer Verbesserung der Prognose bei Betroffenen mit malignen Melanomen, Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Tumorarten. „Patienten, die mit Immuncheckpoint-Inhibitoren therapiert werden, sind oft bereits vortherapiert und haben meist fortgeschrittene Krebserkrankungen. Wir hätten ein signifikantes Risiko für Thromboembolien erwartet, aber in den groß angelegten Therapiestudien der Immuncheckpoint-Inhibitoren wurde darüber bisher nicht berichtet“, so Studienleiter Cihan Ay, der wie Florian Moik auch mit dem Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH Wien assoziiert ist.
 

Thrombose-Raten mit Therapieabbrüchen assoziiert

Um diese Wissenslücke zu schließen, wurde eine Kohortenstudie initiiert, in der Daten zu venösen und arteriellen Thromboembolien bei Patienten gesammelt wurden, die zwischen 2015 und 2018 an der MedUni Wien/AKH Wien mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor behandelt wurden. Insgesamt waren 672 Patienten inkludiert, die im Mittel über 8,5 Monate eine solche Therapie erhalten hatten. Das Ergebnis: „Die kumulierte Häufigkeit für venöse Thromboembolien betrug 12,9% und für arterielle Thrombosen 1,8%. Dieses Risiko scheint unabhängig von der zugrundeliegenden Krebserkrankung und dem verwendeten Immuncheckpoint Inhibitor zu sein, nachdem in diesen Subgruppen ähnliche Thrombose-Raten beobachtet wurden“, erklärt Florian Moik. Das Auftreten venöser Thromboembolien war mit einer schlechteren Prognose sowie kürzerer Zeit bis zur Tumor-Progression assoziiert. Zudem führten sie häufig zu Therapieverzögerungen oder sogar -abbrüchen, und zogen ein signifikantes Risiko für Rezidiv-Thrombosen und Blutungen während der Antikoagulations-Behandlung nach sich.
 

Zusammenhang nicht geklärt

„Die Ergebnisse unterstreichen die ungünstige Auswirkung von venösen und arteriellen Thromboembolien auf den klinischen Verlauf von Patienten mit Krebs“, fasst Studienautor Moik zusammen. „Ob das hohe beobachtete Thromboserisiko kausal mit der Immuncheck-point-Inhibitor Therapie zusammenhängt, oder das zugrundeliegende Basisrisiko dieser Patientengruppe widerspiegelt, lässt sich im Rahmen dieser Studie nicht beantworten.“ Unabhängig davon sei es aber wichtig, Bewusstsein für diese Komplikationen zu schaffen, besonders in Hinblick auf die hohe Effektivität dieser neuen Krebstherapie. „Diese Arbeit dient daher als Basis für künftige Studien, um Patienten zu identifizieren, die von einer Thromboseprophylaxe insbesondere zur Verhinderung venöser Thromboembolien profitieren könnten.“

Quelle: MedUni Wien


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