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Medizin
09. Dezember 2015

Hodgkin-Lymphom: 5-Jahres-Überleben mit Brentuximab vedotin

Auf dem ASH wurden am 6. Dezember 2015 in einer Posterpräsentation eindrucksvolle 5-Jahres-Überlebensdaten einer pivotalen Phase-II-Studie mit Brentuximab vedotin bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Hodgkin-Lymphom (rrHL) vorgestellt (1), welche die guten Ergebnisse des 3-Jahres-Follow-up (2) erneut bestätigen: Selbst nach 5 Jahren zeigen diese stark vorbehandelten Patienten mit Brentuximab Vedotin anhaltende Remissionen. Bei den Patienten mit Komplettremission (CR) wurde das mediane Gesamtüberleben (OS) noch nicht erreicht, sie können als geheilt gelten.

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Patienten mit rrHL erhalten dem gegenwärtigen Standard gemäß eine Salvage-Therapie gefolgt von Hochdosischemotherapie und autologer Stammzelltransplantation. Circa die Hälfte der Patienten rezidiviert danach jedoch erneut – mit einem medianen Gesamtüberleben von bislang maximal 27,6 Monaten (3). Das klassische Hodgkin-Lymphom ist durch das Vorliegen CD30-positiver Reed-Sternberg-Zellen charakterisiert.

Die Phase-II-Studie (NCT00848926) (1) evaluierte das gegen CD30 gerichtete Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab vedotin bei rrHL-Patienten nach autologer Stammzelltransplantation. Primärer Endpunkt war die objektive Ansprechrate (ORR). Sekundäre Endpunkte waren Komplettansprechen (CR), Dauer des Ansprechens, progressionsfreies Überleben, Gesamtüberleben und Verträglichkeit.

Die schwer vorbehandelten Patienten (n=102) im Alter von median 31 Jahren (davon 48 Männer) erhielten 1,8 mg/kg Brentuximab vedotin alle 3 Wochen als 30-minütige Infusion (median 9 Zyklen, Intervall: 1-16). Patienten, die eine CR erreichten, hatten median 13,5 Zyklen erhalten.

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse vom Grad 3 (bei ≥5%) waren Neutropenie (20%), periphere Neuropathie (8%),Thrombozythämie (8%) und Anämie (6%). 56 Patienten hatten eine periphere Neuropathie < Grad 3; bei 15 der Patienten blieb die Neuropathie bestehen (11 Patienten mit Grad 1 und 4 Patienten mit Grad 2), bei 88% klangen die Symptome vollständig ab oder besserten sich im Follow-up.

Die mediane Beobachtungszeit lag bei 35,1 Monaten. Die geschätzte 5-Jahres-Überlebensrate belief sich auf 41%, mt einem medianen Gesamtüberleben von 40,5 Monaten. Die ORR betrug 72%, mit einer Komplettremissionsrate von 33%. 34 Patienten erreichten eine Komplettremission (medianes Gesamtüberleben noch nicht erreicht), 39 Patienten eine partielle Remission mit 39,4 Monaten, 28 Patienten eine Krankheitsstabilisierung mit 18,3 Monaten. Progressionsfrei überlebten sie 9,3 Monate (medianes PFS in der CR-Gruppe noch nicht erreicht).

Nach Beendigung der Studie befanden sich im Follow-up (mediane Beobachtungszeit 69,5 Monate) noch 13 Patienten (38%) in Komplettremission, von denen 6 eine konsolidierende allogene Stammzelltransplantation erhielten. 9 Patienten haben nach der letzten Brentuximab vedotin-Infusion innerhalb der Studie keine weitere Therapie mehr erhalten. Die Mehrheit der Patienten mit CR hatte das Komplettansprechen bis zum Ende des 7. Behandlungszyklus erreicht.

Mit den 5-Jahres-Überlebensdaten konnte gezeigt werden, dass Brentuximab vedotin als Einzelsubstanz bei diesen stark vorbehandelten Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Hodgkin-Lymphom langanhaltende Remissionen und Langzeit-Überleben induzieren kann. Ganz besonders profitieren Patienten, die eine CR erreichen, da die Follow-up-Daten von über 60 Monaten zeigen, dass sie als geheilt gelten können.

Abb.: Dauerhaftes Ansprechen auf Brentuximab vedotin bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom

Lupe
Abb.: Dauerhaftes Ansprechen bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom


Nun wird mit der amerikanischen ECHELON-1-Studie (4) eine randomisierte Phase-III-Studie aufgelegt, die Brentuximab vedotin plus AVD vs. ABVD als Erstlinientherapie bei Patienten mit klassischem fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom evaluiert. Mit der gleichen Zielsetzung wird in einer von der German Hodgkin Study Group (GHSG) initiierten Studie (5) (n=100, 70 bereits eingeschlossen) das hierzulande gebräuchliche eskalierte BEACOPP-Schema mit Austausch von Bleomycin durch Brentuximab vedotin geprüft. Diese Studien werden zeigen, ob sich der klinische Benefit in der Hochdosischemotherapie bei weniger stark vorbehandelten Patienten durch den Austausch des toxischeren Bleomycins durch Brentuximab vedotin weiter steigern lässt.

ab

Literatur:

(1) Chen R, Gopal A, Smith SE et al. presented at ASH December 6, 2015, Orlando, Florida.
(2) Gopal AK et al. Blood. 2015 Feb 19; 125(8): 1236-1243.
(3) Fanale MA et al. Blood 122: Abstract 4386; 2013
(4) https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01712490
(5) https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01569204


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