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Medizin

13. September 2017 Hochrisiko-Brustkrebspatientinnen: nach 5-jähriger ausschließlicher Hormontherapie kaum Fernrezidive

Neue Ergebnisse der deutschen Brustkrebsstudie PlanB (1) zeigen: Bei Patientinnen mit niedrigen „Recurrence Score®“-Ergebnissen, die ausschließlich eine Hormontherapie erhielten, war die Rate an Fernrezidiven nach 60 Monaten medianem Follow-up sehr niedrig (fernmetastasenfreies Überleben – DDFS). Das fernmetastasenfreie Überleben lag bei Patientinnen mit nodal-positivem Krebs (bis zu drei befallene Lymphknoten) mit 97,9f% ähnlich hoch wie mit 97,7% bei Patientinnen mit nodal-negativem Hochrisiko-Krebs. Die neuen Studiendaten aus PlanB, einer der derzeit größten Studien zu adjuvanter Brustkrebstherapie in Europa, wurden auf dem jährlichen Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid vorgestellt. In der Studie war der „Recurrence Score“-Wert der stärkste unabhängige Prädiktor für fernmetastasenfreies Überleben in der multivariaten Analyse (p<0,001). Der Wert hatte die größte Bedeutung für die Prognose und übertraf alle anderen Faktoren, unter anderem die klassischen Kriterien wie Tumorgröße und Grading.
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„Diese neuen Studienergebnisse zeigen, wie sehr uns die biologischen Informationen nutzen, die uns der Oncotype DX-Test liefert. Wir können damit die Frauen unter den Brustkrebspatientinnen mit 0-3 befallenen Lymphknoten identifizieren, denen aufgrund des geringen Risikos die Toxizität und die Nebenwirkungen einer Chemotherapie erspart werden können – ohne dabei das klinische Ergebnis negativ zu beeinflussen“, sagte Dr. Oleg Gluz, Scientific Coordinator der Westdeutschen Studiengruppe (WSG), die die Studie durchführte. „Dies ist besonders wichtig für Patientinnen, denen anhand traditioneller klinischer Parameter ein mittleres bis hohes Rückfallrisiko zugeschrieben würde. Diese Ergebnisse bestätigen die Daten vorangegangener retrospektiver Studien mit dem Oncotype DX sowie der prospektiven TAILORx-Studie.“

Die 5-Jahres-Ergebnisse der PlanB-Studie zum krankheitsfreien Überleben (DFS) und zum Gesamtüberleben (OS) wurden kürzlich in Breast Cancer Research and Treatment veröffentlicht. Die Fernrezidiv-Daten, die auf dem ESMO 2017 vorgestellt wurden, waren in dieser Publikation nicht enthalten.

PlanB wurde von der Westdeutschen Studiengruppe (WSG) an 93 Brustkrebszentren in ganz Deutschland durchgeführt und schloss über 3.100 Patientinnen ein – auch solche mit nodal-positivem Krebs, die anhand klassischer Kriterien Kandidaten für eine Chemotherapie gewesen wären. In der Studie wurden die „Recurrence Score“-Ergebnisse genutzt, um diejenigen Patientinnen zu identifizieren, denen trotz des hohen klinischen Risikos eine adjuvante Chemotherapie erspart werden konnte.

Oncotype DX bei Frauen unter 40: ausgezeichnete Überlebensraten bei niedrigen „Recurrence Score“-Ergebnissen – wichtige Rolle von Gentests für die Behandlung jüngerer Brustkrebspatientinnen

Brustkrebs in jungen Jahren wird häufig assoziiert mit schlechten Prognosen, aggressiverer Therapie, Langzeittoxizität und besonderen psychosozialen Beeinträchtigungen (2). In der Studie wurden dem bevölkerungsbasierten SEER-Register des amerikanischen National Cancer Institutes „Recurrence Score“-Ergebnisse zur Verfügung gestellt und den jeweiligen Brustkrebsfällen zugeordnet. Die Untersuchung (3) betrachtete das brustkrebsspezifische Überleben (BCSS) von über 1.700 Patientinnen im Alter von unter 40 Jahren, die bei nodal-negativem hormonrezeptorpositivem Brustkrebs basierend auf ihrem „Recurrence Score“-Ergebnis behandelt wurden. Das National Cancer Institute ist die führende Institution für Krebsstatistiken in den USA.

Dabei wurde ein ausgezeichnetes 5-Jahres-BCSS (100%) bei jenen 821 Patientinnen festgestellt, die „Recurrence Score“-Ergebnisse von weniger als 18 aufwiesen. Ein Großteil dieser Patientinnen (83%) erhielt keine Chemotherapie. Bei Patientinnen mit „Recurrence Score“-Ergebnissen von bis zu 25 konnte ebenfalls ein positives 5-Jahres-BCSS verzeichnet werden. Eine nicht zu vernachlässigende Minderheit (11%) der jungen Frauen mit hohen „Recurrence Score“-Ergebnissen zeigte trotz Chemotherapie schlechte klinische Ergebnisse.

„Diese Untersuchung liefert uns wichtige Informationen über eine relativ kleine Patientinnengruppe, die durch den Brustkrebs aber besonders hart getroffen wird. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht alle jungen Brustkrebspatientinnen eine aggressive Tumorbiologie und schlechte Prognosen aufweisen“, sagt Steven Shak, M.D., Chief Scientific Officer bei Genomic Health. „Gentests sollten ein wichtiger Teil der Behandlungsstrategie sein, um Therapieentscheidungen für jüngere Brustkrebspatientinnen zu verbessern.“

Die verschiedenen Genexpressionstests sind nicht austauschbar

Eine Zusammenfassung verschiedener Direktvergleiche (4), die auf dem ESMO 2017 vorgestellt wurde, bestätigt: Die in der klinischen Anwendung für frühen Brustkrebs am häufigsten genutzten Genexpressionstests (Oncotype DX, MammaPrint®, EndoPredict®, Prosigna® und Breast Cancer IndexSM) teilen die Patientinnen unterschiedlichen Risikogruppen zu. Die Tests sind also nicht austauschbar. Dieses Ergebnis sollte vor dem möglichen Einsatz adjuvanter Chemotherapien berücksichtigt werden.

Quelle: Genomic Health

Literatur:

(1) Gluz O, et al. LBA 11, vorgestellt auf dem ESMO 2017
(2) Paluch-Shimon S, et al. Breast. 2016;26:87-99
(3) Shak S, et al. 1451P, vorgestellt auf dem ESMO 2017
(4) Varga S, et al., 187P, vorgestellt auf dem ESMO 2017


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