Donnerstag, 3. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Vargatef
Vargatef
Medizin

21. Oktober 2020 HER2-positives Mammakarzinom: Therapieoptionen mit T-DXd

Wie viele andere Kongresse auch fand die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) vom 9.-11. Oktober 2020 rein virtuell statt. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums, dem virtuellen OnkoTalk, diskutierten Experten über den Stellenwert von bewährten und neuen Therapieoptionen beim HER2-positiven, metastasierten Mammakarzinom. Im Fokus der Veranstaltung „HER2+ Mammakarzinom – mehr Wissen(schaft) neue Hoffnung ... und woraus sich diese Hoffnung generiert“ stand insbesondere die Frage, wie wichtig Zuversicht im Rahmen der Therapie ist – sowohl für Ärzte als auch für Patientinnen.
Von Prof. Dr. med. Marc Thill, Frankfurt am Main, wurde die ärztliche Sicht vorgestellt. Renate Haidinger, Vorstand von Brustkrebs Deutschland e.V., Hohenbrunn, vermittelte den Blick der betroffenen Patientinnen auf neue Therapieoptionen. Beide Referenten, sowie Chair des OnkoTalks Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke, Essen, waren sich einig, dass Zuversicht einen wesentlichen Motivator im Therapieprozess darstellt – aber sie motiviert beispielsweise auch Ärzte und Patienten zur Durchführung von bzw. Teilnahme an klinischen Studien. Neue Therapieoptionen wie zum Beispiel das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) zur Behandlung des HER2-positiven, metastasierten Mammakarzinoms spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Was macht Ärzte zuversichtlich? – Die Sicht der Behandler

Als heutiger Standard in der Erstlinientherapie des HER2-positiven, metastasierten Mammakarzinoms gilt die Kombination von Pertuzumab, Trastuzumab und Docetaxel, die zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens um etwa 5 Jahre geführt hat (1, 2). In der Second-line-Therapie hat sich mittlerweile T-DM1 (Trastuzumab-Emtansin) etabliert, mit einem Überlebens-Benefit von etwa 2,5 Jahren (1, 2). In der Drittlinientherapie stellt sich die Situation allerdings etwas „unübersichtlicher“ dar: Hier kommen unterschiedliche Kombinationen mit Trastuzumab zum Einsatz, die das Gesamtüberleben um ca. 14 Monate verbessern (1, 2). Mit steigender Therapielinie sinkt jedoch der jeweils zu erzielende Überlebensvorteil deutlich. Ursachen hierfür sind akquirierte Mutationen, sekundäre Resistenzen oder bei einer triple-positiven Erkrankung auch endokrine Resistenzen.

Aufgrund dieser Medical Needs sind neue medikamentöse Therapiemöglichkeiten für höhere Therapielinien dringend erforderlich. Eine innovative Option stellen sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate dar (ADC, antibody drug conjugate). Diese kombinieren die Spezifität eines Antikörpers mit der Zytotoxizität einer Chemotherapie. Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) stellt ein solches ADC dar, bei dem der humanisierte, monoklonale Anti-HER2-Antikörper und ein Chemotherapeutikum (Topoisomerase-I-Hemmer, „Payload“ genannt) chemisch über einen tetrapeptidbasierten, spaltbaren
Linker verbunden sind. Trastuzumab Deruxtecan zeigte in der Studie DESTINY-Breast01 bei Patientinnen mit HER2-positivem, metastasiertem und vorbehandeltem Mammakarzinom eine bestätigte Gesamtansprechrate (ORR) von 60,9% (3). Die Patientinnen in der Studie waren intensiv vorbehandelt und stellten damit eben jenes Kollektiv dar, bei dem heute wegen fehlender effektiver Optionen in der Dritt- und Folgelinie ein ausgeprägter Medical Need besteht.

Aber auch für die Therapie von Patientinnen mit Hirnmetastasen gibt es neue Ansätze. Zum Beispiel wurde in der HER2CLIMB-Studie der Rezeptortyrosinkinaseinhibitor Tucatinib bei vorbehandelten Patientinnen untersucht (in Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin). Es zeigte sich
ein Überlebensvorteil von 23,4% (1-Jahres-Gesamtüberleben) (4). Ein weiterer Ansatz zur Therapieoptimierung stellt die Erhöhung der Antikörper-abhängigen zellulären Zytotoxizität (ADCC) mittels Antikörper-Engineering dar. Ein Beispiel hierfür ist die Substanz Margetuximab, die in der SOPHIAStudie bei Patientinnen mit mindestens 2 Vortherapien im Vergleich zu Trastuzumab eine 24%ige Risikoreduktion für Krankheitsprogression zeigte (5).
Inwieweit sind diese Therapien aber auch bei einer nur geringen oder heterogenen HER2-Expression wirksam? Hier konnte eine Studie mit Trastuzumab Deruxtecan bei Brustkrebs-Patientinnen mit einer niedrigen HER2-Expression positive Daten liefern: Bei einer nur einfach oder zweifach positiven HER2-Immunhistochemie (IHC 2+ oder 1+) zeigte sich ein deutliches Ansprechen (über 80% der Patientinnen hatten zuvor mindestens 5 andere Therapieregime erhalten) (6).

Was macht Hoffnung für Patienten? – Die Sicht der Betroffenen

Wenn bei Patientinnen bei initialer Diagnosestellung eines Mammakarzinoms bereits Metastasen vorliegen, stellt dies für die Betroffenen eine besondere Belastung dar. Häufig bleiben Patientinnen nach der Mitteilung des Befundes verständnislos zurück, obwohl gerade in dieser Situation Zuversicht und Durchhaltevermögen geradezu überlebenswichtig sind. Und bereits zu diesem Zeitpunkt ist es für Frauen wichtig zu wissen, dass es verschiedene therapeutische Optionen gibt – vor allem auch dann, wenn möglicherweise die erste Behandlung versagt. Anders – und zumeist noch schwieriger – stellt sich die Situation von Frauen dar, die erst im späteren Krankheitsverlauf Metastasen entwickeln, also in ihrer Wahrnehmung einen „Rückfall“ erleiden. Bis dahin angeeignete Bewältigungsstrategien funktionieren dann oft nicht mehr, und es drängt sich die Frage in den Vordergrund, welche Behandlungsoptionen noch übrig sind. Die Patientin möchte sich darauf verlassen können, dass alle Therapieoptionen besprochen werden (Shared Decision Making), ggf. aber auch nur Dinge kommuniziert werden, die sie wissen möchte.

Gute Neuigkeiten für Ärzte und Patienten – die DESTINY-Studien

Das ADC Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) wird in der Indikation Mammakarzinom aktuell in dem umfangreichen Studienprogramm „DESTINY-Breast“ untersucht. In DESTINY-Breast01 zeigte sich eine beeindruckende Ansprechrate von 60,9% bei HER2-positiven, metastasierten Patientinnen, die im Median zuvor 6 andere Therapieregime erhalten hatten und deren Erkrankung dennoch progredient verlaufen war (3). In der Studie wurde zudem ein progressionsfreies Überleben von 16,4 Monaten dokumentiert (3). Aktuell rekrutiert die Phase-III-Studie DESTINY-Breast02 an 11 Zentren in Deutschland HER2-positive Brustkrebspatientinnen mit Metastasen nach einer T-DM1-Behandlung (7). Aber auch bei Mammakarzinom-Patientinnen mit niedriger HER2-Expression und Patienten mit anderen HER2-exprimierenden Karzinomen wie Magen- oder Nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom wird T-DXd aktuell untersucht.

Quelle: Daiichi-Sankyo / Astra Zeneca

Literatur:

(1) Verma S, et al., Oncologist 2013;18:1153-66
(2) www.ago-online.de
(3) Modi S, et al., N Engl J Med 2020;382:610-21
(4) Nu L, et al., ASCO 2020, Oral Abstract Session, Abstract # 1005
(5) Rugo HS, et al., SABCS 2019, GS1-02
(6) Modi S, et al., J Clin Oncol 2020;38:1887-96
(7) www.clinicaltrials.gov, NCT03523585

 


Anzeige:
Piqray

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HER2-positives Mammakarzinom: Therapieoptionen mit T-DXd"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab