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Medizin
28. April 2021

HCC: MAIC-Vergleich zwischen Cabozantinib und Ramucirumab

Die Daten des matching-adjustierten indirekten Vergleichs (MAIC) von Cabozantinib (Cabometyx®) versus Ramucirumab bei der Zweitlinienbehandlung (2L-Behandlung) von Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom (HCC) und vorheriger systemischer Behandlung ausschließlich mit Sorafenib in Advances in Therapy liegen vor (1). Der MAIC-Vergleich stellt die erste vollständig veröffentlichte Analyse einer vergleichenden Betrachtung der Wirksamkeit und Sicherheit dieser beiden 2L-Behandlungen von HCC dar. Beim MAIC-Vergleich wurden die Daten der Phase-III-Studien CELESTIAL (Cabozantinib) und REACH-2 (Ramucirumab) untersucht, um Schätzwerte zur Wirksamkeit und Sicherheit zu erhalten. Dazu wurden individuelle Patientendaten der CELESTIAL-Studie und Populationsdaten der REACH-2-Studie verwendet (1).
Zum Abgleich mit REACH-2 wurde die CELESTIAL-Population auf Patienten mit ausschließlicher 2L-Behandlung mit Cabozantinib nach vorangegangener Behandlung mit Sorafenib begrenzt, die zudem einen α-Fetoprotein-Wert(AFP-Wert) ≥ 400 ng/ml aufwiesen (1). Etwa 50% der HCC-Tumore sezernieren AFP, wobei erhöhte AFP-Werte im Plasma mit einer schlechten Prognose in Verbindung gebracht werden (2, 3). Nach  Abgleich und  Anpassung der Daten wurden die Grundmerkmale zwischen den einzelnen Patientengruppen vereinheitlicht, so dass in die Analyse 105 Patienten aus der CELESTIAL-Studie und 292 Patienten aus der REACH-2-Studie aufgenommen  wurden (1). Mittels gewichteter Kaplan-Meier(KM)-Kurven und parametrischer Modellierung wurden die matching-adjustierten Populationen aus der CELESTIAL- und der REACH-2-Studie hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS), des  progressionsfreien Überlebens (PFS) sowie der Raten von unter der Behandlung auftretenden unerwünschten Ereignissen (TEAEs) und Behandlungsabbrüchen aufgrund von TEAEs verglichen (1).
 
Leitliniengerechte Systemtherapie des HCC: Verschiebung zuvor etablierter Therapielinien
© SciePro - stock.adobe.com

Beim hepatozellulären Karzinom (HCC) gibt es viele Neuerungen bezüglich Bildgebung und Therapie, die sich in der soeben aktualisierten S3-Leitlinie wiederfinden (1). JOURNAL ONKOLOGIE hat über den daraus resultierenden aktuellen Therapiealgorithmus sowie über die aktuelle Studienlage und künftige Kombinationen mit PD Dr. Thorsten Oliver Götze, dem Medical Director des Instituts für Klinische Krebsforschung...
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Cabozantinib verlängert PFS

Laut  Ergebnis des  MAIC-Vergleichs verlängert Cabozantinib das mediane PFS signifikant um 2,7  Monate im Vergleich zu Ramucirumab bei Patienten mit HCC und einem AFP-Wert ≥400ng/ml nach vorheriger Behandlung mit Sorafenib. Die gewichteten KM-Schätzwerte betrugen (bei 95%-KI 5,5(4,6-7,4) bzw.2,8 (2,7-4,1) Monate (p=0,016) (1). Für das mediane OS  betrugen  die KM-Schätzwerte der matching-adjustierten Populationen (Cabozantinib und Ramucirumab) 10,6 (9,5-17,3) Monate im Vergleich zu 8,7 (7,3-10,8) Monaten (p=0,104) (1).

Abbruchraten vergleichbar

Unter Ramucirumab kam es seltener zu Diarrhoe (alle Grade), Hypertonie (alle Grade und Grad 3/4), erhöhten Aspartataminotransferase-Werten (Grad 3/4) und Fatigue (Grad  3/4) als unter Cabozantinib, während unter Cabozantinib weniger Fälle einer behandlungsbedingten Proteinurie (alle Grade) auftraten. Die Abbruchraten aufgrund von TEAEs waren in beiden Gruppen vergleichbar (1). Für die jeweiligen Placebogruppen gab es keine signifikanten Unterschiede beim medianen OS bzw. PFS, was auf eine erfolgreiche Reduktion effektmodifizierender Unterschiede zwischen den Populationen der CELESTIAL- und REACH-2-Studie durch Matching und Adjustierung hinweist. Die Ergebnisse der Erstanalyse wurden durch eine Validierung mit Wiederholung der Erstanalyse, aber ohne Berücksichtigung des AFP-Werts bei den Matching-Kriterien gestützt (1).

Beurteilung der Wirksamkeit

„Da keine randomisierte und kontrollierte Studie für einen direkten Vergleich dieser Zweitlinienbehandlungen vorliegt, kann dieser MAIC-Vergleich eine Beurteilung der Wirksamkeit von Cabozantinib und Ramucirumab ermöglichen,“ so Prof. Jörg Trojan, führender MAIC-Beteiligter vom Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt am Main. „Die Analyse liefert belastbare Aussagen zur Unterstützung von Ärzten bei der klinischenEntscheidungsfindung  bei  Patienten mit HCC, einer  Krebsart, zu der bisher nur wenige lebensverlängernde Behandlungsoptionen bestehen.“ Vorläufige MAIC-Ergebnisse wurden im November 2020 während des Kongresses der American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD) präsentiert (4). Obwohl MAIC-Vergleiche keinen Ersatz für randomisierte klinische Studien darstellen, ist das Verfahren  ein anerkanntes Mittel zur Durchführung indirekter Vergleiche klinischer Studien mit heterogenen Patientenpopulationen, aber vergleichbaren Designs und Endpunkten. MAIC-Vergleiche unterstützen somit bei der klinischen Entscheidungsfindung ohne direkte Studienerkenntnisse (1, 5, 6). Des Weiteren können die Ergebnisse für Ärzte von Interesse sein, um individuelle Therapieentscheidungen mit bestimmten Behandlungsschemata und Verabreichungsmethoden, wie z.B. tägliche orale (Cabozantinib) vs.14-tägige intravenöse-Applikation (Ramucirumab) ,für Patienten zu treffen (1). „Eine MAIC-Analyse stellt generell einen validierten Ansatz für den Behandlungsvergleich anstelle des direkten Studienvergleichs dar, wobei speziell bei diesem MAIC-Vergleich gezeigt werden konnte, dass  Cabozantinib nach Adjustierung der Populationsmerkmale im Vergleich zu Ramucirumab einen signifikant längeren progressionsfreien Verlauf ermöglicht“, so Josefine Römmler-Zehrer, Medical Affairs Director DACH.

Quelle: Ipsen

Literatur:

(1) Trojan J et al. Comparative Efficacy of Cabozantinib and Ramucirumab After Sorafenib for Patients with Hepatocellular Carcinoma and Alphafetoprotein ≥ 400 ng/mL: A Matching-Adjusted Indirect Comparison. Adv Ther. 2021; https://doi.org/10.1007/s12325-021-01700-2.
(2) European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. J Hepatol. 2018; 69(1):182-236.https://doi.org/10.1016/j.jhep.2018.03.019.
(3) Bai D-S et al. The prognostic correlation of AFP level at diagnosis with pathological grade, progression, and survival of patients with hepatocellular carcinoma. SciRep.2017;7(1):12870. https://doi.org/10.1038/s41598-017-12834-1.
(4) Trojan J et al. Comparative efficacy of cabozantinib and ramucirumab after sorafenib for patients with advanced hepatocellular carcinoma and AFP≥400 ng/mL. Hepatology 2020 72:1 SUPPL(691A-692A).
(5) Thom H et al. Matching Adjusted Indirect Comparisons To Assess Comparative Effectiveness Of Therapies: Usage In Scientific Literature And Health Technology Appraisals.ValueHealth.2016; 19(3):A100–A101.https://doi.org/10.1016/j.jval.2016.03.1723
(6) PhillippoDMetal. MethodsforPopulation-AdjustedIndirectComparisonsinHealthTechnologyAppraisal.MedDecisMaking2018;38(2):200–1.https://doi.org/10.1177/0272989X17725740.


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