Samstag, 28. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Myelofibrose
Myelofibrose
 
Medizin

16. Januar 2017 Harnblasenkrebs: Ultra-langsames Enzym erhöht Rückfallrisiko

Ein signifikant höheres Rückfallrisiko sowie eine kürzere rückfallfreie Zeit: Ein Forscherteam um Dr. Silvia Selinski vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) hat erstmals die Rolle einer ultra-langsamen Genvariante des Entgiftungsenzyms N-Acetyltransferase (NAT2) bei Patienten mit Harnblasenkrebs untersucht. Die Wissenschaftler konnten u.a. zeigen, dass Patienten mit ultra-langsamen NAT2-Genotyp ein fast doppelt so hohes Rückfallrisiko haben wie nicht-betroffene Personen.
Anzeige:
Darzalex
 
Tabakrauch, Farben und Lacke: Das Entgiftungsenzym N-Acetyltransferase 2, kurz NAT2, inaktiviert krebserzeugende aromatische Amine. Diesen chemischen Stoffen sind wir heutzutage meist beim Rauchen von Zigaretten ausgesetzt – früher aber auch am Arbeitsplatz. Das wichtige Enzym NAT2 ist vorwiegend in der Leber aktiv.

Allerdings sind verschiedene Polymorphismen des NAT2-Gens bekannt, welche die Enzymaktivität beeinflussen und damit das Krebsrisiko begünstigen können – das wichtigste Beispiel ist der Harnblasenkrebs. Ist die Aktivität des Enzyms verlangsamt, können krebserzeugende Stoffe nur in geringerem Maße unschädlich gemacht werden. Als Folge entstehen mehr krebserzeugende Stoffwechselprodukte, die das Gewebe schädigen können. Aufgrund der Stoffwechselgeschwindigkeit wird generell in langsame und schnelle Acetylierer unterschieden. In rund der Hälfte der europäischen Bevölkerung sind die langsamen NAT2-Genvarianten zu finden.

Ein Forscherteam um die IfADo-Wissenschaftlerin Dr. Silvia Selinski hat nun erstmals eine Untergruppe der langsamen Acetylierer in einer Studie zum Verlauf von Harnblasenkrebserkrankungen untersucht – den ultra-langsamen NAT2-Genotyp (NAT2*6A/*6A). Dieser liegt bei rund 8% der Europäer und bei rund 10% der Harnblasenkrebspatienten vor. Dieser ultra-langsame Genotyp weist im Vergleich zu den anderen langsamen Genotypen eine um rund ein Drittel geringere Stoffwechselaktivität auf.

Konkret ging es um die Fragestellung, ob und wie sich langsame und ultra-langsame NAT2-Genotypen auf das Rückfallrisiko und die Dauer der rückfallfreien Zeit auswirken. Dazu wurde der Krankheitsverlauf von 756 Patienten mit Harnblasenkrebs aus urologischen Kliniken in Neuss, Lutherstadt Wittenberg und Dortmund untersucht. Die Forscher haben sich dabei nur auf die 586 Patienten mit dem deutlich häufigeren (rund 80% aller Harnblasenkarzinome) oberflächlichen Harnblasenkrebs konzentriert.

Die Befunde wurden jetzt im renommierten Journal European Urology publiziert: Der untersuchte ultra-langsame NAT2-Genotyp zeigte im Vergleich mit langsamen und schnellen Acetylierern ein signifikant höheres Rückfallrisiko sowie eine kürzere rückfallfreie Zeit. Das Rückfallrisiko der ultra-langsamen Acetylierer war fast doppelt so hoch wie das der schnellen Acetylierer (1,9-faches Risiko). Noch höher war das Rückfallrisiko bei Rauchern (2,4-faches Risiko). Rückfälle traten im Schnitt nach etwa acht Monaten und damit knapp drei Monate früher auf. Dieses Wissen ist für die individuelle Therapie von Patienten mit ultra-langsamer NAT2-Genvariante interessant, beispielsweise bei der Anpassung von Untersuchungsintervallen nach überstandener Tumorerkrankung. Folgestudien müssen u.a. klären, ob es neben NAT2 weitere Faktoren für Risikopatienten mit Harnblasenkrebs gibt.

Quelle: Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Literatur:

Selinski S, Gerullis H, Otto T et al.
Ultra-slow N-Acetyltransferase 2 Is Associated with Recurrence-free Time in Bladder Cancer Patients.
European Urology. DOI: 10.1016/j.eururo.2016.12.007
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28040354


Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Harnblasenkrebs: Ultra-langsames Enzym erhöht Rückfallrisiko"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab