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Medizin
29. März 2016

Haben Bicalutamid und Co. beim mCRPC ausgedient?

Die Rolle der maximalen Androgenblockade beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) wird wegen fehlender Wirksamkeitsbelege derzeit kritisch diskutiert (1). Eine mögliche Alternative kann die Therapie mit dem modernen Androgenrezeptor-Signalweginhibitor Enzalutamid (Xtandi™) sein. Daten, die bei einer Veranstaltung im Rahmen der EAU-Jahrestagung 2016 unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Manfred Wirth, Dresden, vorgestellt wurden, zeigen für mCRPC-Patienten unter Enzalutamid versus Bicalutamid einen fast zehnmonatigen Vorteil beim progressionsfreien Überleben (2).

 

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Kommt es bei Patienten mit einem Prostatakarzinom trotz Androgendepriviationstherapie (ADT; Serumtestosteronwerte < 50 ng/dl) zu einem biochemischen oder radiographischen Progress, liegt ein kastrationsresistentes PCa (CRPC) bzw. metastasiertes CRPC (mCRPC) vor (3). Im Sinne einer maximalen Androgenblockade werden Patienten in dieser Therapiesituation zunächst häufig mit Bicalutamid, Flutamid, Ketoconazol etc. behandelt. Für die von Prof. Dr. Alexandre de la Taille, Paris, Frankreich, als „historische Hormonmanipulation“ bezeichneten Wirkstoffe liegen trotz des verbreiteten Einsatzes keine Daten vor, die einen Überlebensvorteil für die Patienten zeigen. Dem entsprechend werden diese Substanzen im PCa-Konsensuspapier St. Gallen 2015 für Patienten mit einem mCRPC als verzichtbar angesehen (1).

Signifikante Vorteile: Enzalutamid vs. Bicalutamid

Zusätzliche Daten, die den Verzicht auf Bicalutamid beim mCRPC unterstützen, sind die von de la Taille präsentierten Ergebnisse der TERRAIN-Studie: In dieser Untersuchung wurden Enzalutamid und Bicalutamid bei mild bzw. asymptomatischen chemotherapienaiven mCRPC-Patienten verglichen (jeweils unter Weiterführung der ADT). Es zeigten sich signifikante Vorteile für Enzalutamid: Der Gewinn beim progressionsfreien Überleben betrug 9,9 Monate (15,7 vs. 5,8 Monate, p<0,0001) (2). Die mediane Zeit bis zum PSA-Progress war unter Enzalutamid um 13,6 Monate länger als unter Bicalutamid (19,4 vs. 5,8 Monate, p<0,0001) (2).

Leitlinienkonforme Therapie mit Enzalutamid

Zur Entscheidungsfindung bei der First-Line-Therapie eines mCRPC kann unabhängig von einer vorangegangenen maximalen Androgenblockade die aktuelle EAU-Guideline herangezogen werden. Dabei sind moderne Androgenrezeptor-Signalweginhibitoren wie Enzalutamid vorgesehen bei mCRPC-Patienten mit gutem Performance-Status (0/1), die keine oder nur milde Symptome sowie keine viszeralen Metastasen aufweisen (3). Dies steht im Einklang mit den Ergebnissen der von Prof. Dr. Peter Mulders, Nijmegen, Niederlande, präsentierten Phase-III-Studie PREVAIL. Im Vergleich zu Placebo profitierten die Patienten von Enzalutamid u. a. mit einem signifikant längeren Überleben und einer signifikant längeren Zeit bis zur Chemotherapie – bei guter Verträglichkeit (4,5).

Androgenrezeptor-Signalweginhibitor

Enzalutamid ist ein Androgenrezeptor-Signalweginhibitor, der einmal täglich oral eingenommen wird. Er hemmt mehrere Schritte des Androgenrezeptor-Signalwegs, reduziert so das Wachstum der Karzinomzellen und induziert das Absterben maligner Zellen (Apoptose) (6).

Quelle: Symposium „Understandig the many faces of mCRPC“, im Rahmen der Jahrestagung der European Association of Urology 2016, 13. März 2016, München. Veranstalter: Astellas

Literatur:

(1) Gillessen S et al., Annals of Oncology 2015;26:1589-1604
(2) Heidenreich A et al., V-40.1, 67. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., 23.9-26.9., Hamburg
(3) Mottet N et al., Guidelines on Prostate Cancer; European Association of Urology 2014
(4) Stenzl A et al., V-40.2, 67. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., 23.9-26.9., Hamburg
(5) Beer TM, et al. N Engl J Med 2014, 371(5):424-332
(6) Scher HI et al., Lancet 2010;375(9724):1437-1446


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