Donnerstag, 3. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 
Medizin

23. März 2020 Gynäkologische Tumoren: Resümee zu 5 Jahren PARP-Inhibition

In den letzten Jahren hat die personalisierte Medizin vermehrt Einsatz beim Ovarial- und Mammakarzinom gefunden. Der zielgerichtete Wirkmechanismus der PARP-Inhibition spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der PARP-Inhibitor Olaparib wird im Bereich der gynäkologischen Tumoren eingesetzt und ist mittlerweile in der Behandlung des Ovarialkarzinoms etabliert. „Der Einsatz von PARP-Inhibitoren als Erhaltungstherapie beim Rezidiv und im Anschluss an die Primärtherapie bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Ovarialkarzinom und einer BRCA-Mutation nach Ansprechen auf eine Platin-haltige Chemotherapie ist ein Muss!“, so das Fazit von Prof. Barbara Schmalfeldt, Hamburg. Auch beim fortgeschrittenen HER2-negativen gBRCA-mutierten Mammakarzinom werden Olaparib Filmtabletten seit April vergangenen Jahres eingesetzt. „Durch die Zulassung können wir unseren Patientinnen in der metastasierten Situation unter bestimmten Voraussetzungen eine weitere zielgerichtete Therapieoption anbieten – sowohl beim triple-negativen als auch beim Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom“, erläuterte Prof. Bahriye Aktas, Leipzig. Derzeit wird Olaparib in weiteren klinischen Studien geprüft.
Vor rund 5 Jahren wurde Olaparib in der Hartkapselformulierung als erster PARP-Inhibitor als Erhaltungsmonotherapie von Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines BRCA-mutierten (Keimbahn und/oder somatisch) high-grade serösen epithelialen Ovarial-, Eileiter- oder primären Peritonealkarzinoms, die vollständig oder partiell auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen, zugelassen (1). Für den Einsatz war demnach zunächst der Nachweis von BRCA1/2-Mutationen erforderlich – seit Zulassung der Olaparib Filmtabletten im Mai 2018 ist der Einsatz auch ohne Einschränkungen hinsichtlich des BRCA-Mutationsstatus möglich (2). Dennoch bleibt das Wissen um den BRCA-Status für Patientinnen weiterhin von hoher Bedeutung. „Wir müssen alle Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom testen – bei Erstdiagnose und, falls da noch nicht erfolgt, auch in der Rezidiv-Situation. Um der Patientin die bestmögliche Therapie anbieten zu können, müssen wir den Tumor ganzheitlich verstehen. Neben der Bestimmung des histologischen Subtyps und der Ausbreitung spielt dabei der BRCA-Status für die Qualität der Therapie eine entscheidende Rolle. Die Testung sollte möglichst bereits bei Diagnosestellung vom behandelnden Arzt initiiert werden“, betonte Prof. Andreas du Bois, Essen.

SOLO1-Studie zeigt Wirksamkeit auch bei Ovarialkarzinom

Aufgrund der positiven Daten für die Erhaltungstherapie beim rezidivierten Ovarialkarzinom wurde Olaparib auch beim primär fortgeschrittenen Ovarialkarzinom untersucht. Die Ergebnisse der SOLO1-Studie zeigen: Nach 3 Jahren waren 60% der Patientinnen, die Olaparib Filmtabletten erhielten, noch rezidivfrei im Vergleich zu 27% unter Placebo (HR=0,30; 95%-KI (0,23-0,41); p < 0,001) (3). „Olaparib reduziert das Risiko für ein Rezidiv oder Tod im Vergleich zu Placebo um 70% bei Mutationsträgerinnen. Das ist ein sensationelles Ergebnis bei Patientinnen mit primär fortgeschrittenem Ovarialkarzinom“, so Schmalfeldt. Auf Basis der SOLO1-Studie wurden Olaparib Filmtabletten zur Erhaltungsmonotherapie bei Patienten mit einem BRCA-mutierten (Keimbahn und/oder somatisch) fortgeschrittenen (FIGO Stadien III-IV) high-grade epithelialen Ovarial-, Eileiter- oder primären Peritonealkarzinom, die nach einer abgeschlossenen Platin-basierten Erstlinien-Chemotherapie ein Ansprechen (vollständig oder partiell) haben, zugelassen (2).

So früh wie möglich auf BRCA-Mutationen testen

Beim Mammakarzinom steht eine Vielzahl an zielgerichteten Substanzen zur Verfügung. Wobei die Möglichkeiten beim HER2-negativen, lokal fortgeschrittenen bzw. metastasierten Mammakarzinom limitiert sind. Die PARP-Inhibition durch Olaparib Filmtabletten ist ein zielgerichteter Ansatz, der im Rahmen dieser Indikation für die Behandlung von Patientinnen mit BRCA1/2-Keimbahnmutationen seit April 2019 zugelassen ist.* In der Zulassungsstudie OlympiAD verlängerten Olaparib Filmtabletten im Vergleich zur Chemotherapie das mediane progressionsfreie Überleben statistisch signifikant (7,0 vs. 4,2 Monate) und verbesserte die Lebensqualität im Vergleich zur Chemotherapie deutlich (4). Prof. Nadia Harbeck, München, weist neben der prädiktiven BRCA-Testung auf die Notwendigkeit der therapierelevanten Diagnostik hin: „Wir müssen heute umdenken – bei der BRCA-Testung darf nicht nur automatisch an die Familienanamnese gedacht werden. Bei einem positiven BRCA-Befund in der Keimbahn bietet Olaparib den Patientinnen eine chemotherapie-freie Therapieoption.“
Weitere Einsatzmöglichkeiten von Olaparib Filmtabletten werden derzeit geprüft: Daten der Phase-III-Studien PAOLA-15 (in Kombination mit Bevacizumab), POLO6 (Pankreaskarzinom) und PROfound7 (Prostatakarzinom) wurden bereits zur Zulassung eingereicht.

* Die Patienten sollten zuvor mit einem Anthrazyklin und einem Taxan im (neo)adjuvanten oder metastasierten Setting behandelt worden
sein, es sei denn, sie waren für diese Behandlungen nicht geeignet. Patienten mit Hormonrezeptor (HR)-positivem Mammakarzinom
sollten außerdem eine Krankheitsprogression während oder nach einer vorherigen endokrinen Therapie aufweisen oder für eine endokrine
Therapie nicht geeignet sein.

 

Quelle: AstraZeneca / MSD

Literatur:

(1) Fachinformation Lynparza® 50 mg Hartkapseln. Stand Oktober 2019.
(2) Fachinformation Lynparza® 100 mg/- 150mg Filmtabletten. Stand Oktober 2019.
(3) Moore K et al. N Engl J Med 2018; 379: 2495-505.
(4) Robson M et al. N Engl J Med 2017; 377: 523-533.


Anzeige:
Xospata
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Gynäkologische Tumoren: Resümee zu 5 Jahren PARP-Inhibition "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab