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Medizin
27. Januar 2021

Glioblastom: Rezidive mit neuer MRT-Bildgebungsmethode frühzeitig entdecken

Sauerstoffmangel und spezielle Veränderungen in der Mikrogefäßstruktur sind bisher nicht detektierte und sehr frühzeitige Anzeichen für das Wiederauftreten eines operativ entfernten Hirntumors. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie eines österreichisch-deutschen Teams unter Leitung der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems. Dabei konnten erste Anzeichen einer Rückkehr des Glioblastoms bereits mehr als sechs Monate vor der Diagnose mit klassischen Methoden erkannt werden. Grundlage der jetzt in Clinical Cancer Research veröffentlichten Studie war die retrospektive Analyse von speziellen Magnetresonanztomografiedaten von 56 Betroffenen.
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Glioblastome sind bösartige Hirntumoren, die diffus ins umgebende Gewebe einwachsen. Diese Eigenheit erschwert eine vollkommene chirurgische Entfernung der Tumore, und so gehören zu ihrer Behandlung zusätzliche Maßnahmen wie Chemo- oder Strahlentherapie. Dennoch kehren die Tumore in den allermeisten Fällen innerhalb kurzer Zeit wieder. Eine möglichst frühzeitige Diagnose dieses Wiederauftretens ist schwierig, doch von entscheidender Bedeutung für die Lebensdauer der Betroffenen. Nun überrascht das Ergebnis einer aktuell veröffentlichten Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems (KL Krems), die Grundlage einer früheren Diagnostik und personalisierten Therapie werden könnte.

190 Tage früher: Hinweise auf Rezidiv feststellbar

Tatsächlich gelang es dem Team um Prof. Andreas Stadlbauer, Forscher am Zentralinstitut für medizinische Radiologie-Diagnostik des Universitätsklinikum St. Pölten (KL Krems), sehr frühe und eindeutige Hinweise auf das Rezidiv zu identifizieren. „Wir konnten bereits 190 Tage vor der konventionellen MRT-Diagnose eine Veränderung der Gefäßstruktur dort im Hirngewebe feststellen, wo sich später ein wiederkehrender Hirntumor manifestierte“, erläutert er das markanteste Ergebnis der Studie. Technisch möglich wurde diese Entdeckung durch die Messung von Biomarkern für bestimmte physiologische Werte im Hirngewebe mittels Magnetresonanztomografie (MRT). Dazu Prof. Stadlbauer: „Wir haben uns frühere MRT-Scans von Patientinnen und Patienten angeschaut, bei denen bekannt war, dass später das Glioblastom wieder auftrat. An jenen Hirnregionen, wo dies beobachtet wurde, haben wir die Veränderung der physiologischen Biomarker über einen Zeitraum von einem Jahr vor Rezidivbildung erfasst und dabei charakteristische Muster erkennen können.“

Abnahme der Gefäßdichte

Zu diesen Mustern gehörte, dass die Gefäßdichte im Gewebe – und damit die Durchblutung – bereits 190 Tage vor der radiologischen Diagnose abnahm. Damit einher ging auch eine zunehmende Hypoxie, die ebenfalls mittels MRT messbar war. 120 Tage vor der radiologischen Diagnose führte das zur Neubildung kleinster Gefäßstrukturen, und die Gefäßdichte nahm nun zu. Das führte einen Monat später wieder zu einer Zunahme der Sauerstoffversorgung. „Wir konnten hier 2 unterschiedliche Phasen in der Manifestation eines wiederkehrenden Glioblastoms identifizieren”, erläutert Prof. Stadlbauer die Beobachtungen. „Infiltrierende Tumorzellen, die in der Vorbehandlung nicht abgetötet wurden, rekrutieren bestehende Mikroblutgefäße zur Sicherung ihre eigene Versorgung, schwächen und zerstören diese aber dadurch. Das beobachteten wir als Abnahme der Gefäßdichte. Die damit einhergehende Abnahme der Sauerstoffversorgung und verursachte Gewebshypoxie regte die Neubildung von Mikrogefäßen an, was – mit einer Verzögerung von 30 Tagen – zur Wiederherstellung der Blutversorgung und zu einer besseren Sauerstoff- und Nährstoffversorgung führte, die wiederum für das aggressive Tumorwachstum entscheidend ist.“

Grundlage für die Entwicklung einer auf MRT basierenden frühzeitigen Diagnosemethode

Insgesamt liefern die erstmals in Patientinnen und Patienten gemachten Beobachtungen eine solide Grundlage für die Entwicklung einer auf MRT basierenden frühzeitigen Diagnosemethode für wiederkehrende Glioblastome. Für Prof. Stadlbauer eine reizvolle Aufgabe, die aber noch umfangreicher Arbeiten bedarf. „Denn“, so erläutert er, „dies war eine retrospektive Studie, bei der ausschließlich MRT-Bilder von Betroffenen mit wiederaufgetretenen Tumoren ausgewertet wurden.“ Im Zuge der Entwicklung belastbarer Diagnosemethoden sollten die gewonnenen Erkenntnisse nun in einer prospektiven Studie getestet werden, bei der das Wiederauftreten anhand der gemachten Beobachtungen vorhergesagt werden soll. Einmal mehr zeigt die KL Krems mit dieser Arbeit ihr Engagement für Forschung, die einen wahren Mehrwert für Patientinnen und Patienten schafft.

Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften


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