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Medizin

05. August 2020 Glioblastom: Highlights der 71. Jahrestagung der DGNC

Die 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) fand in diesem Jahr erstmals virtuell statt. Wie bereits im letzten Jahr gab es eine eigene Session zu TTFields (Tumortherapiefelder, Optune®) im Rahmen des Hauptprogramms, was den Stellenwert der Therapie für die Behandlung von Erwachsenen mit einem malignen Glioblastom unterstreicht. Kongresshighlights aus dem Bereich Glioblastom umfassten unter anderem aktuelle Entwicklungen in der Therapie und in der bildgebenden Diagnostik. PD Dr. med. Marco Stein, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Neurochirurgie am Universitätsklinikum Gießen, engagierte sich dabei als Vorsitzender und Referent bei der diesjährigen Jahrestagung der DGNC. Im Rahmen eines Interviews anlässlich der 71. Jahrestagung stellte er die wichtigsten Beiträge zur Diagnose und Therapie des malignen Glioblastoms vor und gab auch Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten zur Anwendung von TTFields.
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„Die Jahrestagung der DGNC ist unerlässlich für den wissenschaftlichen nationalen Austausch im Bereich Neuroonkologie. Daher freut es mich sehr, dass diese Veranstaltung trotz der COVID-19-Pandemie stattfinden konnte“, bemerkte Stein. Für den Experten spiegelt die Option des virtuellen Kongresses darüber hinaus das hohe Innovationspotenzial dieser Fachdisziplin wider. Dass die Qualität der Veranstaltungen aus seiner Sicht weiterhin auf hohem Niveau war, zeigt zudem, dass die Umstellung auf die neuen digitalen Formate sehr erfolgreich war.

Pseudoprogressionen früher erkennen

Eine Arbeit, die auf dem Kongress vorgestellt wurde, befasste sich mit der frühen Erkennung der Pseudoprogression beim Glioblastom. Dieser Begriff bezeichnet dabei ein transientes Magnetresonanztomographie(MRT)-Muster, das die Tumorprogression nachahmt, aber nicht unbedingt mit einer klinischen Verschlechterung einhergeht (1). „Im MRT wird sozusagen ein Tumorwachstum suggeriert, obwohl es sich nicht um wirkliches Wachstum handelt. Die Pseudoprogression ist nämlich vielmehr eine Folge der Strahlen- bzw. Chemotherapie“, so Stein. Bislang ist es nur schwer möglich, eine Pseudoprogression frühzeitig von einer echten Progression zu unterscheiden. Um dies zu ermöglichen, machten Stein und seine Kollegen von der MR-Perfusionsbildgebung Gebrauch, mit der der lokale Blutfluss sowie das lokale Blutvolumen im Gehirn gemessen werden können. Mit dieser Methode konnten sie tatsächlich in einem frühen Stadium nach Strahlentherapie erkennen, ob eine erhöhte Durchblutung als Folge einer Neovaskularisierung stattfand, was auf eine echte Progression hinwies, oder ob es sich lediglich um eine Pseudoprogression handelte.

Aktuelle Trends in der Therapie des Glioblastoms

Molekulare Analysen von Tumorgewebe für die Therapie des Glioblastoms haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie ebnen den Weg für eine immer stärker personalisierte Therapie des Glioblastoms. „Zwar haben viele der bereits identifizierten molekularen Biomarker noch keine therapeutische Relevanz, jedoch bin ich sehr zuversichtlich, dass sich das in näherer Zukunft noch ändern wird“, erklärte Stein. Ein weiterer Trend, der insbesondere für die Sicherheit der Resektion von Tumorgewebe wichtig ist, sind die technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Dazu zählen unter anderem Resektionsmarker wie z.B. 5-Aminolävulinsäure (5-ALA), aber auch Weiterentwicklungen des intraoperativen Monitorings, bei der die Motorik und Sensibilität während einer Resektion überwacht werden können.

Forschungsansätze zur Anwendung von TTFields

Die Behandlung des malignen Glioblastoms mit TTFields erfolgt bislang in der Regel zusammen mit einer Erhaltungstherapie mit dem Zytostatikum Temozolomid. Aktuell werden Kombinationen von TTFields mit anderen Chemotherapeutika untersucht. Im Interview ging Stein auf ein laufendes Projekt ein, in der die synergistischen Effekte von TTFields mit dem Wirkstoff Eribulin untersucht werden. Eribulin ist seit 2011 in der Europäischen Union für die Behandlung von Brustkrebs zugelassen (2). Seine Wirkung beruht auf einer Hemmung der Mikrotubuli-Dynamik in den Tumorzellen. Die Überlegung ist, dass die Kombination beider Therapieformen die Tumorprogression noch deutlicher hemmen können.  

Kostenerstattung von TTFields: ein positives Signal

Kürzlich wurde TTFields für die Therapie des malignen Glioblastoms vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen (3). Für den Experten liegen die Vorteile für Patienten und Ärzte auf der Hand: „Für die Behandler bedeutet dieser Entschluss, dass diese neue Therapiemodalität nun allen ihren Patienten zur Verfügung steht. Insgesamt wird durch die verabschiedete Richtlinie in Zukunft die Verschreibung von Optune® deutlich einfacher werden.“ Zudem bestätigt dieser Entschluss die Ergebnissicherheit der Phase-III-Studie EF-14, die Daten zur Wirksamkeit, Sicherheit und Lebensqualität von TTFields für die Therapie des Glioblastoms lieferte. „Aufgrund der bestehenden Datenlage ist die Entscheidung des G-BA zur Kostenerstattung nur begrüßenswert“, konstatierte der Experte.

Am Ende seines Interviews fasste Stein seine Eindrücke vom virtuellen DGNC Kongress 2020 zusammen: „Nach wie vor ist der fachliche Austausch im Rahmen der Jahrestagung eine wichtige Säule der gemeinsamen Arbeit in der Neuroonkologie. Trotz des neuen digitalen Formats ist die Qualität der Veranstaltung durchweg als sehr gut anzusehen.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie

Literatur:

(1) Balaña C et al. Cancer Med. 2017 Dec;6(12):2858–2866.
(2) Fachinformation HALAVEN®, Stand: Mai 2020.
(3) https://www.g-ba.de/downloads/39-261-4216/2020-03-20_MVV-RL_TTF-Glioblastom_BAnz.pdf (letzter Abruf: 20. Juli 2020).


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