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Medizin

23. Oktober 2019 Geteilte Nutzenbewertung für Olaparib Filmtabletten beim BRCAm fortgeschrittenen Ovarialkarzinom und gBRCAm HER2-negativen fortgeschrittenen Mammakarzinom

Für Olaparib Filmtabletten beim BRCAm fortgeschrittenen Ovarialkarzinom und gBRCAm HER2-negativen fortgeschrittenen Mammakarzinom liegt eine geteilte Nutzenbewertung vor. Das IQWiG sieht keinen Zusatznutzen für Olaparib Filmtabletten in der Erstlinien-Erhaltungstherapie des BRCA1/2-mutierten Ovarialkarzinoms – klinisch relevante Daten wurden weitgehend nicht berücksichtigt. Für Olaparib Filmtabletten beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten HER2-negativen Mammakarzinomii mit BRCA-Keimbahnmutationen sieht das IQWiG einen beträchtlichen Zusatznutzen.
Ergebnisse partiell nicht berücksichtigt

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2 Berichte zur Nutzenbewertung von Lynparza® (Olaparib Filmtabletten) (1) für die neuen Anwendungsgebiete veröffentlicht: Für Olaparib als Erhaltungstherapie nach abgeschlossener Erstlinien-Chemotherapie beim fortgeschrittenen BRCAm Ovarialkarzinom sieht das IQWiG keinen Zusatznutzen im Vergleich zum beobachtenden Abwarten. Dieses Anwendungsgebiet schließt erwachsene Patientinnen mit einem fortgeschrittenen high-grade epithelialen Ovarial-, Eileiter- oder primären Peritonealkarzinom und einer BRCA1/2-Mutation (in der Keimbahn und/oder somatisch) nach Ansprechen (vollständig oder partiell) auf eine Platin-basierte Erstlinien-Chemotherapie ein. Das IQWiG lässt in seiner Bewertung einen Teil der klinisch bedeutsamen Ergebnisse der SOLO1-Studie (2) unberücksichtigt. In der Zulassungsstudie bewirkte die Therapie mit Olaparib eine Risikoreduktion für Krankheitsprogression oder Tod um 70% im Vergleich zu Placebo (2). Für ein weiteres Anwendungsgebiet von Olaparib bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-negativem Brustkrebs und BRCA-Keimbahnmutationenii (gBRCA) sieht das IQWiG basierend auf den Ergebnissen der Zulassungsstudie OlympiAD (3) einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zur Chemotherapie. Das Institut zieht dabei Vorteile im Gesamtüberleben für eine Subgruppe der Patienten sowie Vorteile in den Sicherheitsendpunkten für die Gesamtpopulation heran. Die finale Entscheidung über den Zusatznutzen für beide Indikationen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wird voraussichtlich Mitte Januar 2020 erfolgen.

Zweithäufigste tödlich verlaufende Krebserkrankung

Etwa 7.000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich an Eierstockkrebs. Das Ovarialkarzinom ist nach dem Mammakarzinom die zweithäufigste tödlich verlaufende Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane (4). Zielgerichtete Therapien, z.B. mit PARP-Inhibitoren wie Olaparib, sind in den späteren Therapielinien beim Ovarialkarzinom bereits als Standard in der Versorgung etabliert. Der hohe Stellenwert von Olaparib in der Therapie des Ovarialkarzinoms spiegelt sich auch in der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 6. Dezember 2018 wider: In der Indikation der Erhaltungstherapie des Platin-sensitiven Ovarialkarzinomrezidivsiii entschied der G-BA, dass ein geringer Zusatznutzen beim Einsatz von Olaparib besteht.

Verlängerung des PFS

Seit dem 12. Juni ist Olaparib als derzeit einziger PARP-Inhibitor auch für die Erhaltungstherapie nach einer abgeschlossenen Erstlinien-Chemotherapie beim fortgeschrittenen BRCA1/2-mutierten Ovarialkarzinom zugelassen. „Die Olaparib-Erhaltungstherapie ist bereits jetzt ein wichtiger Bestandteil der Primärtherapie beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom – zumindest bei den Patientinnen mit BRCA-Mutationen, wahrscheinlich auch bei anderen Subgruppen mit sogenannten „high-grade“-Tumoren. Mit Olaparib in Kombination mit vorangegangener Operation und Erstlinien-Chemotherapie kann das progressionsfreie Überleben signifikant verlängert und damit auch die Chancen für ein Langzeitüberleben und möglicherweise Kuration der Patientinnen erhöht werden“, so Prof. Andreas du Bois, Essen.

Im Zuge der Indikationserweiterung erfolgte nun die Nutzenbewertung des IQWiG auf Basis der Phase-III-Studie SOLO1: In der SOLO1-Studie waren zum Zeitpunkt 3 Jahre 60% der Patientinnen, die Olaparib Filmtabletten erhielten, noch ohne Progressionsereignis (Rezidiv bzw. Tod) im Vergleich zu 27% unter Placebo (2). Im klinischen Alltag ist dies von hoher Bedeutung, da die Mehrheit der Patientinnen unter bisheriger Standardtherapie trotz des initialen Therapieerfolgs innerhalb von 3 Jahren ein Rezidiv erleiden (5).
AstraZeneca legte im Nutzendossier zusätzliche Daten für Patientinnen vor, die nach Abschluss der Primärtherapie ein vollständiges Ansprechen aufwiesen und somit als tumorfrei galten. Bei diesen Patientinnen konnte das Risiko für ein Rezidiv oder Tod unter Olaparib um 65% im Vergleich zu Placebo gesenkt werden. Auch diese Daten werden vom IQWiG nicht berücksichtigt, obwohl Rezidive in den zurückliegenden Verfahren bei Therapien mit kurativem Therapieansatz als patientenrelevant eingestuft wurden. Insgesamt sieht das IQWiG für Olaparib Filmtabletten in dieser Indikation keinen Zusatznutzen. Diese Bewertung ist für AstraZeneca nicht nachvollziehbar. „Es ist bedauerlich, dass ein solcher Therapiefortschritt in einer Krankheitssituation mit hohem medizinischem Bedarf im Rahmen der Nutzenbewertung nicht abgebildet wird“, betont Dr. med. Lars Mühlenhoff, AstraZeneca.
„Bei der Bewertung der Erhaltungstherapie nach abgeschlossener Platin-basierter Erstlinien-Chemotherapie mit Olaparib Filmtabletten, die laut Klinikern zu einem Paradigmenwechsel bei der Behandlung des fortgeschrittenen BRCAm Ovarialkarzinoms geführt hat, wendet das IQWiG erneut seine übliche Methodik an und zieht klinisch relevante Endpunkte wie Progressionsfreies Überleben oder Zeit bis zur nachfolgenden Therapie nicht zur Bewertung heran“, so Dr. Julia Büchner, AstraZeneca. „Für das fortgeschrittene Ovarialkarzinom wird das kurative Therapieziel noch nicht anerkannt, wodurch die überwältigenden Ergebnisse zu den Rezidiv-Endpunkten unberücksichtigt bleiben“, fügt Büchner hinzu.

Beträchtlicher Zusatznutzen beim gBRCA-mutierten Mammakarzinom anerkannt

In einer weiteren Nutzenbewertung von Olaparib in der Indikation des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, HER2-negativen gBRCA-mutierten Mammakarzinoms sieht das IQWiG einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zur Chemotherapie. Neben den patientenrelevanten Sicherheitsergebnissen zog das IQWiG den Überlebensvorteil in einer Subgruppe zur Bewertung heran. Für Patienten ohne vorherige Chemotherapie des metastasierten Brustkrebs zeigt sich im Gesamtüberleben ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Olaparib im Vergleich mit einer Chemotherapie nach Wahl der Ärztin oder des Arztes (Capecitabin oder Vinorelbin oder Eribulin): Das Gesamtüberleben im Vergleich zur zweckmäßigen Therapie konnte im Olaparib-Arm um 7,9 Monate verlängert werden (22,6 vs. 14,7 Monate). In Hinblick auf die Sicherheitsergebnisse konnte unter anderem das Risiko für das Auftreten schwerer unerwünschter Ereignisse bei Patienten der Gesamtpopulation, die Olaparib Filmtabletten erhielten, um 55% im Vergleich zu Patienten des Kontrollarms reduziert werden. Olaparib stellt somit eine zielgerichtete und chemotherapiefreie Option in der palliativen Behandlungssituation des fortgeschrittenen gBRCA-mutierten, HER2-negativen Mammakarzinoms dar.
Die veröffentlichten Bewertungen des IQWiG sind Empfehlungen, auf dessen Grundlage der G-BA den Zusatznutzen von Olaparib Filmtabletten in beiden Indikationen bewerten wird. AstraZeneca konzentriert sich nun auf den Prozess der Stellungnahme. Der Beschluss des G-BA wird voraussichtlich Mitte Januar 2020 unter der Berücksichtigung der eingegangenen Stellungnahmen – unter anderem von medizinischen Fachgesellschaften – gefasst.

Quelle: AstraZeneca /MSD

Literatur:

(1) Fachinformation Lynparza® 100 mg/150 mg Filmtabletten. Stand Oktober 2019.
(2) Moore K, Colombo N, Scambia G, et al. Maintenance olaparib in patients with newly diagnosed advanced ovarian cancer. N Engl J Med. 2018; 379 (26): 2495-2505.
(3) Robson M et al. N Engl J Med 2017; 377 (6): 523-533.
(4) S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren. Stand: Januar 2019. Verfügbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Ovarialkarzinom/Version_3__2018_/LL_Ovarialkarzinom_Langversion_3.0.pdf (letzter Zugriff 14.10.2019).
(5) Ledermann JA, Raja FA, Fotopoulou C, Gonzalez-Martin A, Colombo N, Sessa C, et al. Newly diagnosed and relapsed epithelial ovarian carcinoma: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2013; 24 Suppl 6: vi24-32.


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