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Medizin
03. Dezember 2015

GEP-NET: Früher Beginn der Antitumortherapie mit Somatostatin-Analoga wie Lanreotid assoziiert mit verlängertem PFS und Überleben

In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass Somatostatin-Analoga (SSA) wie Lanreotid (Somatuline Autogel®) bei gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren (GEP-NET) nicht nur symptomlindernd, sondern auch antiproliferativ wirken. Aufgrund ihrer Wirksamkeit und guten Verträglichkeit gelten sie bei inoperablen GEP-NET daher als Therapiestandard in der Erstlinie. Diskutiert wird derzeit, ob SSA frühzeitig bei Patienten mit noch stabiler Tumorerkrankung eingesetzt werden sollen, oder ob eine abwartende Strategie im Sinne eines „Watchful Waiting“ zu rechtfertigen ist. Neue Studiendaten, die Experten auf einem Satelliten-Symposium im Rahmen der Jahrestagung der DGHO vorstellten, sprechen dafür, dass der frühe Einsatz von SSA zur Verlängerung des progressionsfreien Überlebens führt und positiv mit einer Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) bei GEP-NET assoziiert ist.

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Dr. Anja Rinke, Marburg, wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass es bisher keine prospektiven Studiendaten mit SSA in der Antitumortherapie gibt, die eine Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS) bei Patienten mit GEP-NET zeigen. Jedoch wies eine auf dem letzten ASCO-Kongress vorgestellte Analyse des Dana Farber Cancer Institute von 440 mit SSA behandelten GEP-NET-Patienten auf eine signifikante Korrelation zwischen PFS und OS hin. So lebten beispielsweise Patienten, bei denen die Krankheit nach sechs Monaten noch immer stabil war, im Median 7,52 Jahre, während Patienten mit einem Progress innerhalb der ersten sechs Monate ein medianes OS von nur 3,62 Jahren erreichten (p=0,0009). „Diese Assoziation blieb jeweils auch signifikant, wenn man Patienten verglich, die nach 12, 18 oder 24 Monaten noch stabil oder progredient waren“, unterstrich Rinke. Nach Ansicht der Referentin weist dieser Sachverhalt darauf hin, dass sich die in der prospektiven CLARINET®-Studie gezeigte Verlängerung des PFS auch günstig auf das Gesamtüberleben auswirken könnte.

Möglichst früher Einsatz von SSA befürwortet

Offen ist bisher die Frage, wann SSA bei inoperablen GEP-NET am besten zum Einsatz kommen sollten. So besteht bei stabiler, asymptomatischer Erkrankung auch die Option eines „Watchful Waiting“, um den Patienten ein möglichst wenig einschränkendes Leben zu ermöglichen. Die anwesenden Experten waren sich jedoch weitgehend einig, dass aufgrund der guten Verträglichkeit und der nachgewiesenen Antitumorwirkung der SSA diese schon frühzeitig nach Absprache mit dem Patienten eingesetzt werden sollten. „Grund hierfür ist, dass wir, wenn die Erkrankung erst einmal progredient ist, keine therapeutischen Optionen mehr haben, um den Tumor erneut zu verkleinern“, so Prof. Dr. Markus Raderer, Wien. „Zudem sind SSA bei noch stabiler Erkrankung am effektivsten, wo sie die Progression signifikant verzögern und damit wohl auch zu einem längeren Überleben führen können.“

GEP-NET-Therapie

Die SSA bilden alleine oder in Verbindung mit der Chirurgie eine wesentliche Stütze der GEP-NET-Therapie, so Prof. Dr. Matthias Weber, Mainz. Wurden sie zunächst ausschließlich zur Linderung der Symptome hormonell aktiver Tumoren eingesetzt, sind SSA heute aufgrund ihrer Kontrolle des Tumorwachstums auch Erstlinienstandard bei der Bekämpfung inoperabler GEP-NET. „Während die PROMID-Studie diesen Effekt für Octreoid bei gut differenzierten G1-Tumoren des Mitteldarms belegt, zeigt die CLARINET®-Studie, dass Lanreotid darüber hinaus auch bei NET des Pankreas und einem Teil der schlechter differenzierten G2-Tumoren wirksam ist“, erläuterte Weber. Raderer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die mit einer bestimmten Substanz erzielten Studienergebnisse nicht automatisch auf die gesamte Substanzklasse zu übertragen seien.

Lanreotid (Somatuline Autogel®) verlängert signifikant das PFS

CLARINET®, eine Phase-III-Studie, schloss 204 Patienten mit fortgeschrittenen oder metastasierten inoperablen GEP-NET ein, wobei 95% der Patienten zu diesem Zeitpunkt nach den RECIST-Kriterien keine Tumorprogression aufwiesen. Im Verhältnis 1:1 randomisiert, erhielten die Patienten über einen definierten Zeitraum von 96 Wochen alle 28 Tage entweder Lanreotid (Somatuline Autogel® 120 mg) oder Placebo. „Hierbei war das SSA beim primären Studienendpunkt ‘Progressionsfreien Überleben‘ (PFS) dem Placebo bereits nach 24 Wochen signifikant überlegen“, erläuterte Raderer. Während das mediane PFS im Verum-Arm nach 24 Monaten noch nicht erreicht wurde, betrug es unter Placebo 18 Monate. Die Behandlung mit Lanreotid verringerte das Risiko für Tumorprogression oder Tod im Vergleich zu Placebo um 53% (HR=0,47, p<0,001). Die Vorteile für Lanreotid im PFS waren dabei unabhängig von der Tumorlokalisation (Pankreas oder Mitteldarm), dem Differenzierungsgrad (G1 oder G2 mit Ki-67 ≤10%) oder dem Metastasenvolumen in der Leber (<25 % oder >25%). Wie Raderer ausführte, entsprachen „die in der CLARINET®-Studie erfassten Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit dem bekannt günstigen Profil von Lanreotid.“

Klinischer Nutzen auch nach erfolgter Tumorprogression

Den klinischen Nutzen bestätigte auch die nicht verblindete Verlängerungsstudie OLE-Studie  (Open-Label-Extension-Study), die im direkten Anschluss an die 96-wöchige CLARINET®-Studie durchgeführt wurde. In OLE wurden Patienten weiterbehandelt, die nach 96 Wochen unter Lanreotid weiter stabil waren ebenso wie progrediente Patienten aus beiden Armen der CLARINET®-Studie. Hierbei erreichten Patienten mit stabiler Erkrankung, die von Beginn an mit Lanreotid behandelt waren, ein medianes PFS von 32,8 Monaten. Bei Patienten, die in der CLARINET®-Studie unter Placebo progredient wurden, betrug das mediane PFS 14 Monate. „Somit zeigt diese Verlängerungsstudie letztlich auf, dass Lanreotid bei stabiler Erkrankung am wirksamsten ist, aber auch Patienten mit einer Tumorprogression davon noch im Hinblick auf das PFS profitieren können“, resümierte Raderer.

Quelle: Ipsen Pharma


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