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Medizin

08. Juli 2020 Gendermedizin: Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen nach präpubertärer Krebserkrankung

Bis zu den Wechseljahren sind Frauen besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt als Männer. Dafür sorgt das Hormon Östrogen. Bei Menschen, die als Kind eine Krebserkrankung hatten, ist es umgekehrt. Hier haben Frauen ein höheres Risiko an Herz und Kreislauf zu erkranken. Welche molekularen Mechanismen dafür verantwortlich sind, erforscht Dr. Marina Panova-Noeva, Wissenschaftlerin des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild am DZHK Standort RheinMain. Sie hat herausgefunden, dass nach einer Krebserkrankung nur bei Frauen eine erhöhte Neigung zur Blutgerinnung und eine gestörte Gefäßfunktion zusammenwirken – und dieses Zusammenspiel dazu beiträgt, dass Frauenherzen gefährdeter sind.
Krebs im Kindesalter ist ein einschneidendes Ereignis. Immerhin überleben heutzutage 84% aller Kinder diese schweren Erkrankungen. Doch den Krebs in so jungen Jahren zu besiegen, bleibt nicht ohne Konsequenzen für das weitere Leben. Neben dem erhöhten Risiko erneut an einem Tumor zu erkranken, sind diese Menschen auch fast 5 Mal anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als der Rest der Bevölkerung. Davon sind besonders Frauen betroffen. Denn Chemo- und Strahlentherapien in jungen Jahren beeinträchtigen das Hormonsystem. Bei Frauen ist deshalb weniger des Herz- und Gefäß-schützenden Östrogens vorhanden. Dr. Marina Panova-Noeva von der Universitätsmedizin Mainz will genauer verstehen, welche molekularen Vorgänge im Körper zu dem erhöhten Risiko beitragen. Nun hat sie herausgefunden, dass bei Frauen eine erhöhte Neigung zur Blutgerinnung und eine verschlechterte Gefäßfunktion zusammenhängen und damit ein Element der krankmachenden Mechanismen aufgespürt. Bei gesunden Personen und Männern, die als Kind Krebs hatten, konnte die Wissenschaftlerin diesen Zusammenhang nicht nachweisen.

Frühzeitig handeln

Die Neigung des Bluts zu gerinnen und eine gestörte Gefäßfunktion sind anerkannte Warnzeichen für das Risiko später ein thrombotisches Ereignis, zum Beispiel eine Lungenembolie oder Thrombose in den Beinvenen zu bekommen bzw. dafür, dass die Gefäße verkalken (Arteriosklerose) und sich eine koronare Herzkrankheit entwickelt. „Unser untersuchtes Kollektiv war 20 bis 45 Jahre alt, deshalb sehen wir bei diesen Personen noch nicht die Erkrankungen selbst, sondern subklinische Veränderungen wie das erhöhte Blutgerinnungspotenzial oder die verschlechterte Gefäßfunktion“, erklärt DZHK-Wissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild von der Universitätsmedizin Mainz. Mithilfe solcher Marker könne man herausfiltern, wer ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko habe und wer nicht. Denn nicht alle Frauen, die als Kind eine Tumorerkrankung hatten, sind gefährdet. Wie gut es der Gefäßwand geht, kann man zum Beispiel beurteilen, indem man misst, wie steif bzw. elastisch sie ist. „Damit hat man eine kontinuierliche Zielgröße, mit der man den Zustand graduell beurteilen kann“, erklärt Panova-Noeva.

„Werden solche Risikosignale frühzeitig erkannt, kann man sie heutzutage sehr gut behandeln, so dass es nicht zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen muss“, sagt Wild. „Bislang haben wir Menschen, die als Kind Krebs hatten, so behandelt wie Menschen ohne Krebs.“

Denn 5 Jahre nachdem die Krebserkrankung überstanden wurde, werden die Patienten zurzeit als geheilt entlassen und anschließend von ihrem Kinder- bzw. später Hausarzt regulär weiterbetreut. Dabei müssten sie schon in jungen Jahren, und damit viel früher als der Rest der Bevölkerung, wesentlich engmaschiger hinsichtlich des Auftretens von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren untersucht werden.

Quelle: DZHK


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