Mittwoch, 12. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Zytiga
Zytiga
Medizin
15. Juli 2020

Fusionsbiopsie bei Verdacht auf Prostatakarzinom: Kritik an IQWiG-Bericht

Können Männer mit einem Verdacht auf Prostatakrebs von einer Fusionsbiopsie im Vergleich zur bisher üblichen Ultraschallbiopsie profitieren? Diese Frage hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach einer Bürgeranfrage im Rahmen des „ThemenCheck Medizin“ durch das Essener Forschungsinstitut für Medizinmanagement und externe Sachverständige untersuchen lassen und am 12. Juni 2020 einen vorläufigen Health-Technology-Assessment-Bericht (HTA) veröffentlicht. Darin sieht das IQWiG keinen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder Schaden bei Anwendung der Fusionsbiopsie. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) nimmt den vorläufigen HTA-Bericht mit Verwunderung zur Kenntnis und hat im Zuge des laufenden Stellungnahmeverfahrens eine schriftliche Eingabe eingereicht.
Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Verglichen wurde der Nutzen einer herkömmlichen transrektalen oder transperinealen Ultraschallbiopsie mit dem Nutzen der Fusionsbiopsie, bei der zunächst eine bildgebende Darstellung der Prostata mittels multiparametrischer Magnetresonanztomografie (mpMRT) vorgenommen wird. Hier folgt die Bewertung der MRT-Bilder und gegebenenfalls eine Biopsie in den verdächtigen Arealen. Die Fusion der MRT-Bilder mit den Echtzeit-Ultraschallbildern ermöglicht ein besonders gezieltes Vorgehen bei der Biopsie.

IQWiG: Kein Nutzen der Fusionsbiopsie

Der HTA-Bericht des IQWiG hat 3 randomisiert kontrollierte Studien berücksichtigt und resümiert, dass sich hinsichtlich der patientenrelevanten Endpunkte „Mortalität“, „schwerwiegende unerwünschte Ereignisse“, „gesundheitsbezogene Lebensqualität“, „Anzahl der Behandlungen“ sowie „Anzahl der Rebiopsien“ keine statistisch signifikanten Unterschiede ergeben. Für den Endpunkt „vermiedene Biopsien“ konstatiert das IQWiG allerdings einen Effekt und einen Vorteil: Bei 28% der Männer wurde aufgrund der vorgelagerten mpMRT keine Biopsie durchgeführt. Dieser Vorteil sei aber nur von einem wirklichen Nutzen für den Patienten, wenn durch die vermiedene Biopsie kein klinisch signifikantes Prostatakarzinom übersehen werde, so die Einschränkung des IQWiG. Für die abschließende Beurteilung des Risikos falsch negativer Befunde seien weitere Untersuchungen im Rahmen qualitativ hochwertiger Studien notwendig, weshalb das Institut auch für den Endpunkt „vermiedene Biopsien“ keinen Hinweis auf einen Nutzen der Fusionsbiopsie feststellt.

DGU: Nutzen für Behandlung

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie widerspricht dieser Bewertung ausdrücklich. Sie hält die Fusionsbiopsie für geeignet, die Diagnostik bei Männern mit einem Verdacht auf Prostatakrebs zu verbessern, vor allem mit Blick auf die Konsequenzen für die Festlegung des anschließenden Behandlungs-Procederes. Auch der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) hat bereits seine Vorbehalte gegenüber dem IQWiG-Bericht öffentlich gemacht und die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Urologen und Radiologen um eine Stellungnahme zur patientenrelevanten Qualität der Fusionsbiopsie ersucht.
„Aus Sicht der DGU ist es eindeutig, dass die MRT-Fusionsbiopsie einen deutlichen patientenrelevanten Nutzen für die bessere Unterscheidung des Tumors in klinisch signifikante und klinisch insignifikante Formen aufweist. Darunter fällt nicht nur die Reduktion der Anzahl von Biopsien bei MRT-Fusionsbiopsien und einer damit einhergehenden höheren Patientenakzeptanz aufgrund einer reduzierten Morbidität, sondern vor allem die nun folgende Konsequenz in der Festlegung des Procedere: Im Fall der Identifikation eines signifikanten Tumors kann eine kurative Therapie eingeleitet werden; im Fall eines insignifikanten Tumors besteht die Möglichkeit, und zwar mit einer besseren Datenbasis als bisher, dem Patienten das Konzept Active Surveillance anzubieten“, sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Maurice Stephan Michel.

Kritik an Studiendesign
 
In ihrer Stellungnahme hat die DGU ihre Einschätzung ausführlich begründet und verweist vor allem auf ihre methodische Kritik zum Studiendesign und die unzureichende Berücksichtigung der existierenden Studienlage. „Wir gehen davon aus, dass die für den 26. August 2020 geplante wissenschaftliche Erörterung zum vorläufigen HTA-Bericht aufgrund unserer Einwände stattfinden wird und die Fachgesellschaft Gelegenheit erhält, ihre Position in der Anhörung darzustellen“, so DGU-Präsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie


Anzeige:
Tukysa
Tukysa
 
Das könnte Sie auch interessieren
Frühlingssonne genießen – Hautkrebs vermeiden: Deutsche Krebshilfe und ADP einfache Tipps gegen Hautkrebs
Fr%C3%BChlingssonne+genie%C3%9Fen+%E2%80%93+Hautkrebs+vermeiden%3A+Deutsche+Krebshilfe+und+ADP+einfache+Tipps+gegen+Hautkrebs
©Thaut Images - stock.adobe.com

Warmes, sonniges Frühlingswetter: „Balsam für die Seele“ nach entbehrungsreichen Winterwochen im Pandemie-Lockdown. Neben wohltuender Wärme und sichtbarem Licht gehören allerdings auch unsichtbare ultraviolette (UV-) Strahlen zum Spektrum der Sonne. Viele Menschen unterschätzen gerade im Frühjahr die Gefahren der schon jetzt intensiven Sonnenbestrahlung. Die Deutsche Krebshilfe und die...

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
70+Prozent+der+Deutschen+f%C3%BCrchten+Tumor%2C+Engagement+f%C3%BCr+Gesundheit+w%C3%A4chst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
Pr%C3%A4vention%3A+%E2%80%9EK%C3%B6rperliche+Aktivit%C3%A4t+so+wichtig+wie+ein+Krebsmedikament%E2%80%9C
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Fusionsbiopsie bei Verdacht auf Prostatakarzinom: Kritik an IQWiG-Bericht"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.