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Medizin

24. Oktober 2019 Fortgeschrittenes Prostatakarzinom: Erweiterte Möglichkeiten der Sequenztherapie

Die Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms wird durch moderne Androgenrezeptor-Inhibitoren wie Apalutamid solchermaßen ergänzt, dass die Sequenztherapie effektiv verlängert wird, wie Prof. Dr. med. Kurt Miller, Berlin, auf dem aktuellen DGU-Kongress in Hamburg hervorhob. Zusammen mit anderen Hormontherapeutika wie Abirateron kann nunmehr eine den Progress aufschiebende Behandlung bereits im nicht-metastasierten Stadium bei Hochrisiko-Patienten begonnen werden.
Ein hohes Risiko, erklärte Miller, ist u.a. dann gegeben, wenn eine kurze PSA-Verdoppelungszeit (PDADT) vorliegt. So wurden in die SPARTAN-Studie Männer mit nicht metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC) eingeschlossen, die eine PDADT von höchstens 10 Monaten aufwiesen. Sie erhielten entweder Apalutamid (Erleada®) + Androgendeprivationstherapie (ADT) oder Placebo + ADT.

Primärer Endpunkt war das Metastasenfreie Überleben (MFS), welches unter Verum 41 Monate gegenüber 16 Monaten unter Placebo betrug, womit die Wahrscheinlichkeit für eine Metastasierung oder Tod um 70% reduziert werden konnte (p<0,0001) (1, 2).

Insgesamt lässt sich mit Apalutamid + ADT eine MFS von median über 3 Jahren gewährleisten. „Das sind 2 Jahre mehr als unter Placebo“, betont Miller.

Zuerst Abirateron geben, dann erst Enzalutamid

Miller führte weiter aus, dass damit die Möglichkeiten einer effizienten Sequenztherapie erheblich erweitert sind. Denn nach einer Metastasierung kann mit einem Hormontherapeutikum wie Abirateron (Zytiga®) erfolgreich weiterbehandelt werden. Dabei sind neuere Daten zu beachten, welche spezifische Sequenzen in der metastasierten Situation untersuchten.

So verglich eine erste prospektive Phase-II-Studie mit Cross-over-Design, so Miller, die verschiedenen Sequenzen: zuerst Abirateron/P, gefolgt von Enzalutamid oder umgekehrt (Enzalutamid > Abirateron/P). Dabei konnte für die Erstgabe von Abirateron/P ein signifikant besseres PSA50-Ansprechen bei 31% dokumentiert werden als bei einer Erstbehandlung mit Enzalutamid (4%; p<0,001) Auch der sekundäre Endpunkt, das PSA-progressionsfreie Überleben (PSA-PFS) war signifikant länger bei Therapiestart mit Abirateron/P (median 2,7 vs. 1,3 Monate; p<0,001;) (3).

Für die Lebensqualität des Patienten ist in jedem Fall das Nebenwirkungsprofil von Relevanz, wie der niedergelassene Urologe PD Dr. med. Henrik Suttmann, Hamburg, weiß. In der SPARTAN-Studie konnte Apalutamid weitestgehend Placebo-Niveau bescheinigt werden. Lediglich Fatigue und vor allem Hautausschlag, Diarrhoe und Gewichtsverlust sind bei dem neuen Medikament zu beachten.

Und für Abirateron machte Suttmann unter anderem die Daten einer prospektiven Real-World-Studie geltend, nach denen Abirateron/P von mCRPC-Patienten sehr adhärent angewendet wird: Die Abbruchrate nach drei und sechs Monaten war sowohl mit als auch ohne gezielte Adhärenz-Maßnahmen gering (nach 6 Monaten 14,4% und 11,4%) (4). Der fehlende Einfluss der Adhärenz-Maßnahmen ist nach Ansicht von Suttmann vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Therapietreue ohnehin sehr gut war.

Reimund Freye

Quelle: Fachpressekonferenz: ERLEADA® und ZYTIGA® in der Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms – State-of-the-Art 2019, im Rahmen des 71. Kongresses der DGU (Deutschen Gesellschaft für Urologie), Hamburg, 20. Sept. 2019; Veranstalter Janssen

Literatur:

(1) Smith MR, et al. N Engl J Med, 2018; 378(15): 1408-18.
(2) Fachinformation Erleada®, Stand Januar 2019
(3) Khalaf D, et al. J Clin Oncol. 36(no. 15_suppl; abstr 5015 & Poster). ASCO Annual Meeting 2018.
(4) Suttmann H, et al. 71. Kongress der DGU 2019 (Oral Presentation). Abrufbar unter: https://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/Images/Kongress2019/Fr_Sa_DGU2019_140819-endWEB.pdf.


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