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Medizin
17. Juni 2016

Fortgeschrittene gastrointestinale Tumoren: Palliative Zweitlinientherapie mit Ramucirumab

Die Zulassung des VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-Rezeptor-2-Antikörpers CYRAMZA® (Ramucirumab) hat die Optionen für die palliative Zweitlinientherapie von Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs sowie von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) im Praxisalltag deutlich erweitert. So lautete das Fazit eines Best-practice-Workshops am Klinikum rechts der Isar in München.
Die Therapieziele bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom und mCRC sind im Wesentlichen palliativ: Erreicht werden sollen eine Verlängerung der Überlebenszeit bei nach Möglichkeit unverändert erhaltener Lebensqualität. Dies erläuterte Priv.-Doz. Dr. Sylvie Lorenzen, Oberärztin der III. Medizinischen Klinik des Klinikums rechts der Isar, München, im Rahmen eines Klinikworkshops.

Vorteil der Kombinationstherapie mit Ramucirumab

Mit Ramucirumab steht für vorbehandelte Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs eine neue Behandlungsoption zur Verfügung. In der Phase-III-Studie RAINBOW wurde bei Patienten, deren Adenokarzinom des Magens oder des gastro-ösophagealen Übergangs nach einer Platin- oder Fluoropyrimidin-haltigen Erstlinientherapie fortgeschritten oder refraktär war, unter Ramucirumab plus Paclitaxel eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens (OS; 9,6 versus 7,4 Monate; Hazard Ratio [HR] 0,81; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,68-0,96; p=0,017) und des progressionsfreien Überlebens (PFS; 4,4 versus 2,9 Monate; HR 0,64; 95%-KI 0,54–0,75; p<0,0001) im Vergleich zu Placebo plus Paclitaxel erreicht (1).
 
„Die Kombinationstherapie mit Ramucirumab hat sich in der RAINBOW-Studie als vergleichsweise gut verträglich erwiesen. Das spielt im palliativen Setting, in dem die Lebensqualität der Patienten im Mittelpunkt steht, eine zentrale Rolle“, machte Lorenzen deutlich. Unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 und 4 traten in der Phase-III-Studie im Ramucirumab-Arm häufiger auf als unter Placebo, darunter Neutropenie (41% versus 19%) und Leukopenie (17% versus 7%), die jedoch nicht mit einer Zunahme febriler Neutropenien oder Infektionen einhergingen (1).

RAINBOW: Analyse zur Lebensqualität

In der RAINBOW-Studie wurde die gesundheitsbezogene Lebensqualität aus Patientensicht beim Start der Therapie und anschließend alle sechs Wochen mithilfe standardisierter Fragebögen erhoben. Zu Beginn der Erfassung unterschieden sich die für die Lebensqualität dokumentierten Werte in den beiden Behandlungsarmen nicht voneinander. Für den Ramucirumab plus  Paclitaxel-Arm konnte in 14 der 15 Skalen des EORTC QLQ-C30 (European Organisation for Research and Treatment of Cancer Quality-of-Life Questionnaire) eine vergleichbar oder sogar längere Zeit bis zur Verschlechterung der einzelnen Domänen der Lebensqualität nachgewiesen werden. Eine Verschlechterung wurde definiert als das erste Auftreten einer Erhöhung um ≥10 Punkte in den neun Symptom-Subskalen oder einer Veränderung um ˂10 Punkte der fünf Funktions-Subskalen auf der 100-Punkte-Skala des EORTC QLQ-C30. Die Daten zeigen, dass eine Zweitlinien-Kombinationstherapie mit Ramucirumab plus Paclitaxel einen Überlebensvorteil erzielen und die Lebensqualität der Patienten dabei erhalten werden kann (2).

Metastasiertes Kolorektalkarzinom: Neue Therapieoption mit Ramucirumab

Ramucirumab ist seit Januar 2016 EU-weit in Kombination mit FOLFIRI (5-Fluorouracil, Folinsäure, Irinotecan) zur Behandlung des mCRC zugelassen (3). In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie RAISE wurde für Patienten mit mCRC, bei denen eine Erstlinientherapie mit Bevacizumab, Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin versagt hatte, unter Ramucirumab plus FOLFIRI (5-Fluorouracil, Folinsäure, Irinotecan) ein signifikant längeres medianes OS im Vergleich zu Placebo plus FOLFIRI erreicht (13,3 versus 11,7 Monate). Das entsprach einer Risikoreduktion um 16% zugunsten des Ramucirumab-Arms (HR 0,84; 95%-KI 0,73-0,98; p=0,0219). Auch für das PFS konnte eine signifikante Verlängerung gezeigt werden: Im Ramucirumab-Arm überlebten die Patienten im Median 5,7 Monate, im Placebo-Arm 4,5 Monate (HR 0,79; 95%-KI 0,70-0,90; p<0,0005) (4).

„Die Ergebnisse aus den klinischen Studien decken sich gut mit unseren Praxiserfahrungen in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom oder mCRC“, fasste Lorenzen abschließend zusammen. „Beide Ramucirumab-haltigen Behandlungsregime stellen somit eine wichtige Erweiterung der Therapieoptionen für die palliative Zweitlinientherapie in diesen beiden Indikationen dar.“

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Wilke H et al., Lancet Oncol 2014; 15: 1224–1235
(2) Al-Batran SE et al., Ann Oncol 2016; 27(4): 673–679
(3) Fachinformation CYRAMZA®. Stand: Januar 2016
(4) Tabernero J et al., Lancet Oncol 2015; 16: 499–508


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