Sonntag, 11. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
Medizin
28. Juni 2016

Forschung: Blockade der Proteinkinase Nek1 zur Krebsbehandlung?

Ein Forscherteam vom Fachbereich Biologie der TU Darmstadt hat ein Enzym identifiziert, das die DNA-Replikation von deren Reparatur trennt. Diese Entdeckung könnte bei der Behandlung von Tumoren eine große Rolle spielen. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun in der renommierten Fachzeitschrift Molecular Cell.
Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 
In einer Zelle laufen mehrere essentielle Prozesse parallel in gesonderten Kompartimenten ab. Das wichtigste Gut der Zelle, die DNA, ist im Zellkern verpackt, und eine Armada von Proteinen ist für die Organisation, die Replikation und den Schutz der DNA verantwortlich. Viele dieser Proteine haben mehrere Aufgaben und besitzen beispielsweise Funktionen an der Replikationsgabel und bei der Reparatur von DNA-Schäden. Die jeweiligen Mechanismen für die einzelnen Funktionen dieser Proteine sind weitestgehend verstanden, allerdings ist die Koordination und die Regulation zwischen den verschiedenen Prozessen bislang nur unzureichend erforscht.

Biologinnen und Biologen der TU Darmstadt um Prof. Dr. Markus Löbrich und Dr. Julian Spies haben zusammen mit ihren Kollegen von der University of California in Davis eine Proteinkinase namens Nek1 identifiziert, welche die Reparatur von DNA-Doppelstrangbrüchen fördert und diese Reparatur zeitlich von der Replikation trennt. Nek1 schaltet erst nach abgeschlossener Replikation das Motorprotein Rad54 an, um die Reparatur zu vervollständigen. Während der Replikation besitzt Rad54 nämlich zusätzliche Funktionen an der Replikationsgabel und eine vorzeitige Aktivierung von Rad54 führt zu einer erheblichen Störung bei Prozessen der Replikation, berichten die Darmstädter Forscher in der renommierten Fachzeitschrift Molecular Cell.

Anwendungsgebiet Krebsbehandlung

Diese Entdeckung besitzt ein hohes Anwendungspotential für die Entwicklung von neuartigen Chemotherapeutika. Fände man Inhibitoren, welche die Funktion von Nek1 blockieren, so würde das zu einem Verlust der Reparaturfunktion führen. Insbesondere Tumorzellen würden an einem solchen Funktionsverlust von Nek1 leiden, da in ihnen während ihres unkontrollierten Wachstums besonders viele DNA-Schäden entstehen. Eine Inhibition von Nek1 würde in solchen Zellen folglich eine Anhäufung von unreparierten DNA-Schäden mit sich bringen, was zum Absterben der Tumorzellen führen könnte, wie die Darmstädter Wissenschaftler vermuten. In den kommenden Jahren will das Forscherteam diese Annahmen weiterführend untersuchen.

Quelle: Technische Universität Darmstadt

Literatur:

Spies et al., Nek1 Regulates Rad54 to Orchestrate Homologous Recombination and Replication Fork Stability, Molecular Cell (2016)
http://dx.doi.org/10.1016/j.molcel.2016.04.032


Stichwörter
Das könnte Sie auch interessieren
Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten
Gesundheitsversorgung+auf+dem+Land+%E2%80%93+weite+Wege%2C+lange+Wartezeiten
Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine repräsentative Umfrage* vom Dezember 2017 hat gezeigt: Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist aus Sicht vieler Befragter Defizite auf. Bemängelt wurden lange Wartezeiten auf Arzttermine, weite Wege und weniger Informationsmöglichkeiten. Auch für Krebspatienten und ihre Angehörigen kann diese Situation belastend sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ersetzt keinen Arzttermin, er bietet aber Antworten auf...

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests
Bis+zu+40+Prozent+mehr+Leberkarzinome+entdecken+%E2%80%93+dank+Ultraschallverfahren+mit+kombinierten+Bluttests
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

In Deutschland erkranken jährlich circa 9000 Menschen an Leberkrebs – und die Häufigkeit der Erkrankung nimmt deutlich zu. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt. Ein gängiges Verfahren zur Diagnose dieser Erkrankung ist die Ultraschalluntersuchung: Mithilfe der modernen Sonografie lässt sich gutartiges Gewebe sehr exakt von bösartigem unterscheiden. Wenn die Ultraschalldiagnostik mit speziellen Bluttests kombiniert wird,...

Hautkrebsreport: Nur jeder Sechste geht zur Früherkennung
Hautkrebsreport%3A+Nur+jeder+Sechste+geht+zur+Fr%C3%BCherkennung
© Alexander Raths / fotolia.com

Hautkrebs ist mit 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich um ein sogenanntes malignes Melanom, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Allein in Rheinland-Pfalz waren im Jahr 2017 9.907 gesetzlich Krankenversicherte vom schwarzen Hautkrebs betroffen. Die häufigsten Erkrankungsfälle wurden in Hessen, Niedersachsen und Thüringen registriert. Das zeigt der aktuelle Hautkrebsreport der...

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren
Brustkrebs%3A+Forscher+wollen+krankheitsausl%C3%B6sende+Gene+identifizieren
© Photographee.eu / fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Experten vermuten, dass viele der jungen Betroffenen erblich vorbelastet sind: Sie sind Trägerinnen eines oder mehrerer schädlich veränderter Gene, die den Tumor entstehen lassen. Die bereits bekannten Hochrisikogene wie etwa BRCA1 oder BRCA2 sind allerdings nur für höchstens ein Viertel der Fälle bei jungen Frauen verantwortlich. Ein Hamburger Forscherteam macht sich nun...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Forschung: Blockade der Proteinkinase Nek1 zur Krebsbehandlung?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.