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Medizin
08. März 2017

Everolimus als Begleittherapie bei TSC-assoziierter Epilepsie

Bis vor kurzem konnten nur die Symptome der seltenen Systemerkrankung Tuberöse Sklerose (TSC) behandelt werden. Inzwischen steht für Patienten mit drei TSC-assoziierten Erkrankungen – dem Subependymalen Riesenzellastrozytom (SEGA), dem renalen Angiomyolipom (AML) und seit Januar 2017 den refraktären epileptischen Anfällen auch eine ursächliche medikamentöse Therapie zur Verfügung: der mTor-Inhibitor Everolimus.
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„Die Tuberöse Sklerose (Tuberous Sclerosis Complex, TSC) gehört mit einer Inzidenz von ca. 1:6.000 und einer geschätzten Prävalenz von weltweit ein bis zwei Millionen betroffener Patienten zu den sehr seltenen Multisystemerkrankungen“, erläuterte Dr. Adelheid Wiemer-Kruel, Leiterin des TSC-Zentrums am Epilepsiezentrum, Kork. Die Ursache sind zu 85% Mutationen in einem der Tumorsuppressor-Gene TSC1 oder TSC2. Sie führen dazu, dass der Proteinkomplex seine inhibitorische Wirkung auf die Serin/Threonin-Kinase mTOR verliert. Die konstitutive Aktivierung der mTOR-gesteuerten Signalwege führt dann zu unkontrolliertem Zellwachstum und zur Ausbildung von Fehlbildungen und Tumoren in nahezu allen Organen, vor allem in Gehirn, Niere, Herz, Lunge und Haut (1). „85% der Patienten entwickeln meist schon im Laufe des ersten Lebensjahres eine Epilepsie“, so Dr. Wiemer-Kruel. Da die Anfälle in > 1/3 der Fälle mit den herkömmlichen Antiepileptika nicht kontrollierbar sind und in eine besonders vulnerable Entwicklungsphase des Gehirns fallen, ist der Bedarf an wirksamen Therapien groß. Geht es doch darum, kognitive Entwicklungs- und Verhaltensstörungen bzw. Autismus zu vermindern, die bislang bei immerhin ≥ 60% der Kinder auftreten (2,3).

Seit Januar 2017 steht für Patienten ab zwei Jahren mit refraktären partiellen epileptischen Anfällen mit und ohne Generalisierung der mTOR-Inhibitor Everolimus (Votubia®) als Begleittherapie zur Verfügung. Dass hier ein therapeutischer Erfolg möglich ist, belegen die Ergebnisse der dreiarmigen, randomisierten, doppelblinden Plazebo kontrollierten Phase-III-Studie EXIST-3. Bei Patienten ab zwei Jahren mit TSC und behandlungsresistenten epileptischen Anfällen, die zusätzlich ein bis drei antiepileptische Medikamente erhielten, konnte unter Everolimus in niedriger und hoher Plasmakonzentration (3-7 ng/ml bzw. 9-15 ng/ml) die Krampfanfallinzidenz statistisch signifikant um 50% (28,2% bzw. 40,0% versus Plazebo 15,1%; p<0,0001), sowie die Anfallshäufigkeit gegenüber dem Studienbeginn ebenfalls verringert (-29,3% bzw. -39,6% vs. -14,9% p<0,0001) werden (4).

Ute Ayazoor

Quelle: Pressekonferenz „TSC-assoziierte Epilepsie – Zulassungerweiterung von Everolimus ermöglicht holistischen Therapieansatz“, 24.2.2017, Frankfurt; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Yales JRW, Europ J Hum Gen 2006;14:1065-1073
(2) Crino PB et al., NEJM 2006; 13:1345-1356
(3) Curatolo P Lancet 2008;372:657-668
(4) French JA et al., Lancet 2016; 388:2153-2163


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