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Medizin
07. März 2019

Europäisches Netzwerk für Biosischerheit deckt Verunreinigungen in Kliniken auf

Ein vom europäischen Netzwerk für Biosicherheit (EBN) beauftragter Bericht hat Licht auf Verunreinigungen in EU-Krankenhäuser geworfen, die das Leben von Pflegekräften, Apothekern, Krankenhauspersonal, Betreuern und Patienten gefährden. Der Bericht wird heute (7. März 2019) im Europäischen Parlament in Brüssel bei einem Runden Tisch zum Schutz vor gefährlichen Medikamenten im Gesundheitswesen vorgestellt, an dem Mitglieder des Europäischen Parlaments, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Berufsverbände, Vertreter der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission teilnehmen.
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In dem Bericht werden schwere Mängel bezüglich der Sauberkeit und Arbeitsbedingungen in ambulanten Onkologiezentren aufgedeckt, wo vor allem Pflegekräfte gefährliche toxische Medikamente zur Krebsbehandlung verarbeiten: 18% der Befragten gaben an, dass keine Vorgaben zur Reinigung solcher Bereiche existieren, bei 45% der Befragten erfolgt keine routinemäßige Überwachung der Kontamination und 42% der Mitarbeitenden werden nicht regelmäßig medizinisch untersucht. Diese grundlegenden Maßnahmen sind von entscheidender Bedeutung, um Mitarbeitende im Gesundheitswesen, Betreuer und Patienten vor gefährlichen Medikamenten zu schützen, durch die sie Krebs, insbesondere Leukämie, bekommen können und die andere bösartige Erkrankungen, Geburtsfehler und Fehlgeburten verursachen können.

Exposition gegenüber zytotoxischen Medikamenten mit höheren Fehlgeburtenraten assoziiert

Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter Krankenhausapothekern und onkologischen Pflegekräften, in der es um die Exposition gegenüber zytotoxischen Medikamenten ging. Diese Mittel sind zwar wichtig für die Krebsbehandlung, können aber auch Krebs auslösen und sind sehr gefährlich für Mitarbeiter, Patienten und ihre Familien. Wer zytotoxischen Medikamenten ausgesetzt ist, kann akute Haut- und Augenreizungen sowie Übelkeit, Kopfschmerzen und Benommenheit bekommen. Eine Exposition ist auch mit Schwangerschaftskomplikationen wie höheren Fehlgeburtenraten, angeborenen Fehlbildungen, niedrigem Geburtsgewicht und Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht worden. Studien zeigen, dass die Exposition gegenüber zytotoxischen Medikamenten die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt bei Krankenschwestern verdoppelt und die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung bei Krankenhausmitarbeitenden verdreifacht.

Weitere Ergebnisse aus dem Bericht
  • In 23% der ambulanten Onkologiezentren gab es keine Schulungspläne für Mitarbeitende, die gefährliche Medikamente handhaben.
  • Regelmäßige medizinische Untersuchungen wurden nur in 58% der Zentren durchgeführt.
  • Eine regelmäßige Überwachung der Oberflächenkontamination wurde nur in 55% der ambulanten Onkologiezentren durchgeführt.
  • 14% der Zubereitungen gefährlicher Medikamente und 59% des Anstechens der Medikamentenbeutel erfolgen nicht in den Apotheken; das bedeutet, dass viele Pflegekräfte auf den Stationen dem Risiko von verschütteten Substanzen und Leckagen ausgesetzt sind.
Durchführung in 14 europäischen Ländern

Der Bericht mit dem Titel „Beobachtungen zu aktuellen Praktiken im Bereich Biosicherheit in der europäischen Onkologie“ wurde von dem European Biosafety Network (EBN) in Auftrag gegeben. Dieses europäische Netzwerk aus Pflegekräften und Gewerkschaftlern aus dem Gesundheitswesen setzt sich für die Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitenden und Patienten ein. Die Umfrage wurde von der internationalen Marktforschungsagentur Ipsos MORI in 14 Ländern aus ganz Europa durchgeführt (Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Dänemark, Lettland, Estland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Belgien, Irland, Polen, Deutschland und Schweden).

Mängel auch in Krankenhausapotheken

Der Bericht deckt auch Mängel in Krankenhausapotheken auf, wo viele gefährliche Medikamente für die Behandlungen zubereitet und gelagert werden. In 11% der befragten Apotheken gab es keine Dekontaminationsvorschriften für Bereiche, in denen gefährliche Medikamente verarbeitet werden, und in fast der Hälfte wurden die Oberflächen nicht auf Kontamination überwacht. Außerdem stellte sich heraus, dass der Einsatz von Medizinprodukten wie Spritzen, Nadeln und Dornen noch weit verbreitet ist, obwohl moderne Produkte wie geschlossene Medikamententransfersysteme (CSTD) vorhanden sind und empfohlen werden, weil sie eine Exposition viel besser vermeiden können.

Empfehlungen
  • Einsatz von Risikoanalysen verstärken und aktive Erfassung von Vorfällen mit gefährlichen Medikamenten fördern,
  • regelmäßige Überwachung der Oberflächenkontamination sollte universell, häufiger und umfassender sein,
  • dafür sorgen, dass in allen Apotheken und onkologischen Pflegestationen Dekontaminations- und Reinigungsverfahren etabliert sind,
  • medizinische Überwachung und regelmäßige Untersuchungen der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen verstärken,
  • sicherstellen, dass die Zubereitung gefährlicher Medikamente und das Anstechen der Medikamentenbeutel in der Krankenhausapotheke und nicht auf den Stationen erfolgt,
  • gewährleisten, dass die Sterilräume zur Zubereitung gefährlicher Medikamente entweder mit einer biologischen Sicherheitswerkbank (BSC) oder mit einem aseptischen Isolator (AI) ausgestattet sind und dass vorrangig geschlossene Medikamententransfersysteme (CSTD) zur Vorbereitung gefährlicher Medikamente genutzt werden, damit die Zubereitung und Verwaltung von gefährlichen Medikamenten in einem geschlossenen System erfolgt,
  • gefährliche Arzneimittel sollten in die EU-Richtlinie 2004/37/EG zum Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Karzinogene oder Mutagene bei der Arbeit aufgenommen werden; außerdem sollte es obligatorische europäische Richtlinien und eine europäische Liste der gefährlichen Medikamente geben.

Quelle: European Biosafety Network


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