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Medizin
30. Juni 2014

ESMO-WCGI 2014: Konsens-Modell unterteilt Kolorektalkarzinom in 4 Subtypen

Das Kolorektalkarzinom ist ein heterogener Tumor; unterschiedliche Gruppen diskutieren aktuell neue molekulare Subtypen. Um häufiger auftretende Gemeinsamkeiten bestimmen und einfacher in die Klinik übertragen zu können, wurde vom Colorectal Cancer Subtyping Consortium (CRCSC) der Versuch unternommen, über systematische Vergleiche, open-data-sharing und Meta-Analysen ein Konsens-Subtyping-Modell zu erstellen. Dr. Rodrigo Dienstmann, Vall d'Hebron University Hospital Barcelona, präsentierte erneut die bereits auf dem ASCO 2014 vorgestellten Analyse-Ergebnisse*. Neben molekularen Veränderungen spielen Geschlecht des Patienten und die Lokalisation des Tumors offenbar eine größere Rolle als bisher angenommen.

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Das aus 6 Gruppen bestehende CRCSC analysierte mehr als 30 Patientenkohorten (überwiegend CRC Stadium II und III), die Ergebnisse wurden zentral von einem unabhängigen Team eingeordnet. Trotz Unterschieden in Methoden und Kohorten ergab die Subtyp-Konkordanz-Analyse vier übereinstimmende molekulare Subtypen (Consensus Molecular Subtype, CMS1-4).

CRCSC-Subgruppen-Einteilung:

CMS1 (13%):  Mikrosatelliteninstabilität (MSI), Immune-pathway-Aktivierung/Expression, rechtsseitige Tumoren, Patient älter bei Diagnose (>69 Jahre), weiblich, Hypermutation, BRAF mutiert, intermediäres Überleben

CMS2 (41%): hohe Chromosomeninstabilität (CIN), MSI-stabile Tumoren (MSS), starke WNT/MYC pathway-Aktivierung, linksseitige Tumoren, TP53 mutiert, EGFR Amplifikation/Überexpression, besseres Überleben

CMS3 (8%): geringe CIN, moderate WNT/MYC pathway-Aktivierung, KRAS mutiert, PIK3CA mutiert, IGFBP2 Überexpression, intermediäres Überleben

CMS4 (20%): CIN/MSI heterogen, mesenchymal/TGF-beta-Aktivierung, Patient jünger bei Diagnose, NOTCH3/VEGFR2 Überexpression, schlechteres Überleben

Für die restlichen Proben gab es keinen Konsens ("unclassified"), teilweise sei dies erklärbar damit, dass es sich um einen zusätzlichen Misch-Subtyp mit variabler epithelial-mesenchymaler Aktivierung handeln könnte, doch hier werden weitere Untersuchungen vorgenommen. Dienstmann betonte, dass die Gruppe der "unclassified" keine eigene Klasse seien. "Dies ist das erste Beispiel eines großangelegten Vergleichs mit der bisher größten Sammlung von CRC-Proben, mit dem sich wiederkehrende Signale bei 4 biologisch unterschiedlichen Subtypen ausmachen ließen - mit unterschiedlichen klinischen, molekularen und Signalweg-Eigenschaften." Eine Verfeinerung der Subtypen findet aktuell statt.

"Ein Kolorektalkarzinom tritt etwas häufiger linksseitig auf (46%) als rechtsseitig (39%), seltener rektal (15%), und offenbar liegt der unterschiedlichen Lokalisation auch eine unterschiedliche Tumorbiologie zugrunde. Ähnlich verhält es sich mit dem Alter und Geschlecht des Patienten. Ziel dieser Subgruppeneinteilung soll letztlich sein, die Prognose des Patienten und das Ansprechen auf Medikamente unterschiedlicher Wirkmechanismen im Voraus bestimmen zu können", schloss Dienstmann.

ab

Literaturhinweis:
Dienstmann R et al.
Colorectal Cancer Subtyping Consortium (CRCSC) identifies consensus of molecular subtypes,
Ann Oncol (2014) 25 (suppl 2): ii115.
doi: 10.1093/annonc/mdu193.25

*ASCO 2014, # 3511, http://meeting.ascopubs.org/cgi/content/short/32/15_suppl/3511?rss=1

Quelle: ESMO-WCGI, Session XIX: Hot topics in colon cancer, mündliche Präsentation von Rodrigo Dienstmann, #0-0025, 28.6.14


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