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Medizin

04. November 2020 ESMO 2020: Innovationstreiber in der Onkologie

Auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) wurden über 30 Abstracts mit Fokus auf komplexe und bislang schwer zu behandelnde Tumorerkrankungen vorgestellt. Für diese entwickelt Merck Wirkstoffe, die sich 3 Therapiestrategien zuordnen lassen: der Immuntherapie, der gezielten Blockade onkogener Signalwege und der Hemmung zellulärer DNA-Reparaturmechanismen. Letztere führt zum Untergang von Krebszellen als Folge von DNA-Schäden, die nicht mehr beseitigt werden können (DDRi, DNA-Damage-Response-Inhibition). Aktuelle Daten zu den am weitesten fortgeschrittenen Studienprogrammen belegen das Potenzial des Portfolios.
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Neues Behandlungsparadigma beim Urothelkarzinom

Professor Dr. Tom Powles, London, stellte die soeben im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse zur Phase-III-Studie JAVELIN BLADDER 100 vor (1). 700 Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die nach einer Chemotherapie keinen Progress entwickelten, erhielten entweder eine Erhaltungstherapie mit dem PD-L1-Inhibitor Avelumab (plus Best Supportive Care, BSC) oder Best Supportive Care. Wie Powles ausführte, zeigte sich ein positiver Effekt in den meisten vordefinierten Subgruppen, der nicht mit Nachteilen bei patientenberichteten Endpunkten einherging.

Gezielter Angriff auf onkogene Signalwege: Cetuximab und Tepotinib

Cetuximab hat beim metastasierten Kolorektalkarzinom und bei Plattenepithelkarzinomen im Kopf- und Halsbereich (SCCHN) bereits seit längerem einen festen Stellenwert. Nun wird der EGFR-Antikörper in weiteren Konstellationen geprüft. Als Beispiel nannte Edvardsen die Phase-II-Studie CAVE (Cetuximab-Avelumab) Colon, in der Cetuximab in Kombination mit Avelumab bei vorbehandelten Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom vom RAS-Wildtyp als Rechallenge-Strategie untersucht wird.
Ein weiterer Wirkstoff für eine gezielte Therapie ist Tepotinib. Der orale Tyrosinkinase-Inhibitor hemmt hochselektiv Signalwege, die über den MET-Rezeptor vermittelt werden. In der Phase-II-Studie VISION wird Tepotinib beim nicht kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit METex14-Skipping geprüft (2).

Die Zukunft der Präzisionsmedizin: Bintrafusp alfa und DDRi

Als erster Vertreter einer neuen Klasse von Immunonkologika wird Bintrafusp alfa geprüft. Das bifunktionale Fusionsprotein zielt auf die beiden Signalwege TGF-β und PD-L1 ab und hat beispielsweise bei Patienten mit NSCLC und malignen biliären Tumoren Wirksamkeit erkennen lassen. Darüber hinaus wird Bintrafusp alfa in einer Dreifachkombination beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom untersucht.
Substanzen gegen die DNA-Damage-Response (DDRi) bilden schließlich eine weitere vielversprechende Säule im Merck Entwicklungsprogramm. Dort umfasst das Portfolio 5 Kandidaten, die allein oder in Kombination mit anderen DDRi, mit Bestrahlung, Immun- oder Chemotherapien bei verschiedenen soliden Tumoren geprüft werden.

Quelle: Merck

Literatur:

(1) Powles T et al. New Engl J Med 2020;383;1218-1230. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2002788.
(2) Virtual Congress of the European Society for Medical Oncology 2020; Poster #1283P, 1286P, 1347P.


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