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Medizin

Interview mit DGHO-Kongresspräsoident Prof. Dr. Markus G. Manz, Zürich

09. Oktober 2020 Der DGHO-Kongresspräsident im Interview: „Es braucht Wissenschaft, damit wir Hoffnung haben können!“

Die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, die ursprünglich vom 9.-12. Oktober in Basel stattfinden sollte, wurde aufgrund der COViD-19-Pandemie auf ein virtuelles Hybridformat vom 9.–11. Oktober 2020 umgestellt. Wir fragten den Kongresspräsidenten Prof. Dr. Markus G. Manz nach den Details.
Prof. Dr. Markus G. Manz
Prof. Dr. Markus
G. Manz
© Universitätsspital Zürich

Herr Professor Manz, wann und wie fiel die Entscheidung, die DGHO-Jahrestagung nicht als Präsenzveranstaltung durchzuführen?

Prof. Manz: Die Entscheidung fiel im Frühsommer. Es wurde klar, dass ein Kongress dieser Größe im Kontext der aktuellen Pandemiesituation aus vielerlei Gründen – nicht zuletzt aus Gründen der öffentlichen Auflagen – kaum realistisch sein würde. Als Ärzte müssen wir zudem auch an die unmittelbaren Konsequenzen einer möglichen Verbreitung von SARS-CoV-2 durch medizinisches Personal denken.

Ein vollständiger Verzicht stand natürlich nicht zur Diskussion. Dieser Kongress ist ein wichtiger Meilenstein im Jahreskalender der Hämatologen und Onkologen. Der Austausch ist essenziell für lebendige und leistungsstarke Fachgesellschaften. Diskutiert wurde, ob man zum Beispiel auch eine reine Fortbildungsveranstaltung gestalten könnte. Aber es war schnell klar, wir wollen und brauchen einen wissenschaftlichen Kongress. Die bisherigen Rückmeldungen und über 500 Wissenschaftseingaben sprechen dafür, dass dies auch die Meinung unserer Mitglieder und Teilnehmenden ist.

Das Motto der Jahrestagung war und ist „Mehr Wissenschaft – Mehr Hoffnung“. Wie kann dieses Motto auch digital umgesetzt werden?

Prof. Manz: Neben dem üblichen wissenschaftlichen Programm jeder Jahrestagung wurde unser Thema „Mehr Wissenschaft – Mehr Hoffnung“ in der ursprünglichen Planung vor allem in zusätzlichen, interaktiven Symposien und Diskussionsforen zur Präzisionsdiagnostik und -therapie umgesetzt. Diese sehr interaktiven Formate sind leider unter den jetzt notwendigen Rahmenbedingungen nur sehr eingeschränkt möglich und mussten in Teilen gestrichen werden.

Wir konnten viele Elemente des ursprünglich geplanten Programms in komprimierter Form übernehmen. Das virtuelle Programm ist mit insgesamt 174 Sitzungen, 996 Sprechern und 515 eingereichten Abstracts aus meiner Sicht nun ein starker „Ersatz“ des ursprünglich Geplanten geworden. Auch der DGHO Pflegekongress wurde in ein virtuelles Format übertragen. Zudem widmen wir wichtige Programmteile der aktuellen Pandemie – und hier wird ja gerade für jeden evident: Es braucht Wissenschaft, damit wir Hoffnung haben können!

Welche Herausforderungen waren bei der Umstellung auf einen virtuellen Kongress zu bewältigen?

Prof. Manz: Wir mussten das Programm komplett neu gestalten und stark verdichten. Und wir mussten uns überlegen, was als Live-Stream und wie viel an voraufgezeichneten, allzeit abrufbaren Vorträgen läuft. Herausgekommen ist eine interessante Hybrid-Veranstaltung: Alle Sessions werden von einer Vorsitzenden oder einem Vorsitzenden vor Ort in Basel per Live-Übertragung moderiert. Die Referentinnen und Referenten und der 2. Vorsitz schalten sich per Videokonferenz dazu und stehen für das Online-Publikum für Fragen im Live Chat zur Verfügung.

Birgt ihrer Ansicht nach eine virtuelle gegenüber einer Präsenzveranstaltung auch Chancen?

Prof. Manz: Analoge Zusammenkünfte werden immer eine Wertigkeit haben, die nicht durch rein virtuelle Zusammenkünfte ersetzbar sind. Deswegen kommunizieren wir ja auch mit unseren Nächsten und Freunden nicht nur über elektronische Medien, sondern freuen uns besonders am direkten, sozialen Austausch. Das gilt im Prinzip auch für den Austausch mit Arbeits- und Wissenschaftsgemeinschaften. Aber wir lernen jetzt auch, dass Informationsaustausch durch die enormen Fortschritte der Kommunikationsmedien sehr gut digital möglich ist. Selbst lebhafte Debatten können häufig funktionieren. Wir sehen auch, dass die Reduktion der Reisezeiten und (Kongress-)Hotelaufenthalte sowohl persönlich als auch ökologisch gesehen ressourcenschonend sein kann.

In der Hämatologie und Onkologie brauchen wir jeden Tag viel realitätsnahen Optimismus, daher bin ich zuversichtlich, dass 2021 wieder mehr persönlicher Austausch stattfinden kann!

Interview: Friederike Klein
 

Quelle: DGHO 2020 virtual


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