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Medizin
06. August 2015

Erstlinientherapie beim fortgeschrittenem NSCLC: Nab-Paclitaxel - das innovative und effektivere Taxan

Die Therapie des fortgeschrittenen NSCLC (Non-Small Cell Lung Cancer) ist effektiver und verträglicher geworden: Nab-Paclitaxel (Abraxane®), die einzige albuminbasierte Nanotechnologieformulierung von Paclitaxel, überzeugt in Kombination mit Carboplatin durch höhere Ansprechraten (Abb. 1) bei reduzierter Toxizität im Vergleich zu konventionellem Paclitaxel plus Carboplatin (1, 2). Zusätzlich profitieren Arzt und Patient im Therapiealltag von der lösungsmittelfreien Verabreichung des nab-Paclitaxels: „Da keine lösungsmittelbedingten Toxizitäten auftreten, wird eine Prämedikation hinfällig und die Infusionszeit verkürzt sich auf 30 Minuten“, erklärte Prof. Wolfgang Schütte, Halle (Saale), auf einem Pressegespräch der Celgene GmbH. Gemeinsam mit Dr. Walburga Engel-Riedel, Köln kam er zu dem Fazit, dass nab-Paclitaxel plus Carboplatin eine effektive und verträgliche Therapiealternative in der Erstlinienbehandlung des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms bei erwachsenen Patienten, bei denen keine potentiell kurative Operation und/oder Strahlentherapie möglich ist, darstellt.

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Die patentgeschützte nab™ (nanoparticle albumin-bound)-Technologie ermöglicht es, schlecht wasserlösliche Krebsmedikamente durch die Bindung an Albumin-Nanopartikel in Lösung zu bringen und so den Einsatz von Lösungsmitteln zu vermeiden. Die Albumin-Nanopartikel reichern sich zudem gezielter in Tumorzellen an (3). Im Vergleich zu herkömmlich verabreichten Zytostatika kann so eine höhere Effektivität der Therapie ohne lösungsmittelbedingte Nebenwirkungen erzielt werden (2, 4, 5). Bereits bewährt hat sich das lösungsmittelfreie nab-Paclitaxel bei Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom* und in Kombination mit Gemcitabin bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom**. Die in Kombination mit Carboplatin (3-wöchentlich, AUC 6 mg *min/ml) empfohlene Behandlungsdosis von ABRAXANE® beim NSCLC beträgt 100 mg/m2, verabreicht als wöchentliche intravenöse Infusion über 30 Minuten (1).

Abb. 1: Gesamtansprechrate ORR

Abb. 1: Gesamtansprechrate ORR


Signifikant verlängertes Gesamtüberleben bei Patienten ab 60 Jahren

Die NSCLC-Zulassung von nab-Paclitaxel in Kombination mit Carboplatin basiert auf den Daten der multizentrischen, randomisierten Phase-III Studie von Socinski et al. (2). Insgesamt wurden 1.052 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC der Stadien lllb und lV in die Studie eingeschlossen. Die Behandlung erfolgte nach einer 1:1 Randomisierung entweder mit einer Kombinationstherapie bestehend aus nab-Paclitaxel (100 mg/m2) und Carboplatin oder mit einer Kombinationstherapie bestehend aus konventionellem Paclitaxel (200 mg/m2) und Carboplatin.

Primärer Endpunkt war die Gesamtansprechrate (ORR). Sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS), das Gesamtüberleben (OS) sowie die Sicherheit der Therapie. Es zeigte sich eine signifikant höhere Gesamtansprechrate (ORR) der Patienten im nab-Paclitaxel plus Carboplatin-Arm im Vergleich zu Patienten im konventionellen Paclitaxel plus Carboplatin-Arm (33% vs. 25%; response rate ratio, 1.313; 95% CI, 1,082 to 1,593; p = 0,005, Abb. 1). Auch die alleinige Betrachtung der Patienten mit Plattenepithelkarzinom ergab eine signifikant höhere ORR unter nab-Paclitaxel plus Carboplatin (41% vs. 24%; response rate ratio, 1,680; 95%-KI, 1,271–2,221; p < 0,001). Bei den sekundären Studienendpunkten war nab-Paclitaxel dem konventionellen Paclitaxel mindestens gleichwertig [2]. Die Subgruppenanalyse der über 70-Jährigen Patientengruppe zeigte im nab-Paclitaxel plus Carboplatin-Arm ein signifikant verlängertes OS im Vergleich zum konventionellen Paclitaxel plus Carboplatin-Arm (OS: 19,9 vs. 10,4 Monate; HR = 0,58; p = 0,009) (6). Hier verwies Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II, Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau, Halle (Saale) auf die beeindruckende Hazard Ratio. Langer et al. zeigten in einer weiteren Auswertung, dass der OS-Vorteil der älteren Patienten im Studienarm mit nab-Paclitaxel plus Carboplatin auch dann bestehen blieb, wenn die Altersgruppe der Patienten ≥ 60 Jahre (n = 546) betrachtet wurde (13,8 vs. 11,0 Monate unter konventionellem Paclitaxel + Carboplatin; HR = 0,76; p = 0,009) (7).

Signifikant weniger taxantypische Nebenwirkungen

Die Ergebnisse der Zulassungsstudie bestätigen die gute Verträglichkeit des nab-Paclitaxels: Die therapiebedingten Grad ≥ 3 Nebenwirkungen sensorische Neuropathie (p<0,001), Neutropenie (p>0,001), Arthralgien (p=0,008) und Myalgien (p=0,011) traten im nab-Paclitaxel-Arm jeweils signifikant seltener auf. Zudem erholten sich die Patienten schneller von den durch nab-Paclitaxel induzierten sensorischen Neuropathien. Im Mittel fand nach 38 Tagen eine Milderung der schweren sensorischen Neuropathien von Grad ≥ 3 auf Grad 1 statt. Unter konventionellem Paclitaxel dauerte es im Mittel 104 Tage, bis sich die Patienten erholt hatten (2). „Diese Ergebnisse sind auch für die nachfolgende Zweitlinien-Behandlung wichtig, in der sehr häufig Docetaxel eingesetzt wird. Bei einer entsprechenden neuropathischen Vorschädigung durch die Erstlinien-Behandlung wäre der Einsatz des Docetaxels in zweiter Linie limitiert. Es ist daher essentiell, im Hinblick auf die dem Patienten verbleibenden Therapieoptionen die Toxizität in der ersten Linie so gering wie möglich zu halten“, plädierte Schütte.

Nab-Paclitaxel als neues Standardtaxan

Die seit der Zulassung im Februar gesammelten Praxiserfahrungen bestätigen die Studiendaten wie Dr. med. Walburga Engel-Riedel, Oberärztin der onkologischen Ambulanz des Lungenkrebszentrums der Lungenklinik Merheim, Kliniken der Stadt Köln, anhand von Patienten-Beispielen eindrucksvoll darstellte. Platinhaltige Verbindungen in Kombination mit einem Taxan zählen zum Standard in der Chemotherapie des fortgeschrittenen NSCLC (8), die Anwendung im klinischen Alltag sei jedoch durch die oft irreversiblen Neuropathien und allergischen Reaktionen, die vermutlich durch den Lösungsvermittler Cremophor mitbedingt seien, erschwert, so die Expertin. „Unsere ersten Therapieerfolge mit dem lösungsmittelfreien nab-Paclitaxel plus Carboplatin haben dazu geführt, dass Patienten in unserer Abteilung, die für Taxane und Carboplatin prinzipiell in Frage kommen, nun als Standard-Chemotherapie ein nab-Paclitaxel basiertes Regime erhalten. Eine Prämedikation ist nicht erforderlich, die Therapie spricht gut an und wird gut toleriert“, resümierte Engel-Riedel.

*Abraxane®-Monotherapie ist indiziert für die Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms bei erwachsenen Patienten, bei denen die Erstlinientherapie der metastasierten Erkrankung fehlgeschlagen ist und für die eine standardmäßige Anthracyclin- enthaltende Therapie nicht angezeigt ist.

**Abraxane® ist in Kombination mit Gemcitabin indiziert für  die Erstlinienbehandlung  von erwachsenen Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Pankreas.

Quelle: Celgene

Literatur:

(1) Fachinformation ABRAXANE®; Stand: Februar 2015.
(2) Socinski MA et al. J Clin Oncol 2012; 30: 2055-2062.
(3) Hawkins M et al. AACR-NCI-EORTC 2003, Abstract #A3
(4) Von Hoff DD et al. N Engl J Med 2013;369:1691–1703.
(5) Gradishar WJ et al. J Clin Oncol 2005 ; 23 : 7794-7803.
(6) Socinski MA et al. Ann Oncol 2013, 24:314-321
(7) Langer CJ et al. Brit J Cancer 2015; 1–10; doi: 10.1038/bjc.2015.181
(8) DGHO-Leitlinie Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC); Stand April 2015,
www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc


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