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Medizin

10. Dezember 2019 Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose

Bei Patienten, die an einer fortgeschrittenen systemischen Mastozytose (advSM) leiden, ist eine erhöhte Knochendichte mit einem aggressiveren Phänotyp und einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Universitätskliniken Mannheim und Heidelberg, die im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida, USA, als Poster vorgestellt wurde (1).
Die systemische Mastozytose (SM) ist eine Erkrankung, die durch die Expansion klonaler Mastzellen gekennzeichnet ist, die ins Knochenmark und verschiedene Organsysteme infiltrieren. Das Ausmaß der Organinfiltration und der dadurch bedingten Organschäden ist allerdings bei der advSM wesentlich ausgeprägter als bei indolenten Formen der Erkrankung (ISM). Während ISM-Patienten meist eine niedrige Mastzelllast und eine nahezu normale Lebenserwartung aufweisen, ist für advSM-Patienten eine hohe Krankheitslast mit multiplen Organschäden charakteristisch, die zu einem schweren, heterogenen Symptombild führen und mit einer schlechten Prognose assoziiert sind.

Weitere Unterschiede zwischen ISM und Osteopenie betreffen den Einfluss der Erkrankung auf den Knochenstoffwechsel. Während bei ISM-Patienten häufig eine Verminderung der Knochendichte (BMD) mit Osteopenie und Osteoporose auftritt, wird bei advSM-Patienten nicht selten eine erhöhte Knochendichte beobachtet, die mit einer Osteosklerose einhergeht. Die genauen Zusammenhänge zwischen einer Veränderung der Knochendichte und den verschiedenen SM-Subtypen ist allerdings bisher unklar.

PD Dr. Mohamad Jawhar, Mannheim, und Kollegen versuchten, dieser Frage weiter auf den Grund zu gehen. Sie evaluierten dazu die BMD bei 61 SM Patienten – davon 48% ISM (n=29) und 52% advSM (n=32), ermittelten die Prävalenz von Osteoporose, BMD-Anstieg und Osteosklerose in beiden Gruppen auf Basis der WHO-Kriterien und versuchten, eine Korrelation zwischen klinischen Parametern und Prognose zu finden (1). Beide Gruppen unterschieden sich deutlich hinsichtlich ihrer Basischarakteristika. Die Patienten mit advSM waren im Verglich zu dem ISM-Patienten deutlich älter (medianes Alter 70 vs. 42 Jahre; p<0,0001), hatten niedrigere Hämoglobinwerte (median 10,9 vs. 14,1 g/dl; p<0,0001), eine  niedrigere Thrombozytenzahl (im Median 114 vs. 263 x 109/l; p<0,0001) und zeigten erwartungsgemäß eine höhere Infiltration von Mastzellen ins Knochenmark (30 vs. 19%).

Osteoporose wurde bei 11/29 (38%) Patienten mit ISM, aber nur bei 2/32 (6%) Patienten mit advSM festgestellt (p=0,004), wobei ISM-Patienten mit Osteoporose eine geringere Infiltration von Mastzellen ins Knochenmark (median 10% vs. 20%; p=0,035) und verminderte Serumtryptasespiegel (median 31 µg/l vs. 58 µg/l; p=0,047) im Vergleich zu ISM-Patienten ohne Osteoporose aufwiesen.

Genau umgekehrt verhielt es sich mit der Erhöhung der Knochendichte, die bei der Mehrzahl der Patienten mit advSM (24/32; 75%), aber nur bei einem einzigen Patienten mit ISM gefunden wurde (p<0,001). Bei jedem zweiten advSM-Patienten wurde eine Osteosklerose detektiert, dagegen bei keinem einzigen Patienten mit ISM.

Nach Ansucht der Autoren ist Osteoporose demnach ein häufiges Merkmal bei ISM, jedoch nicht bei advSM-Patienten, während Osteosklerose ausschließlich auf advSM-Patienten beschränkt zu sein scheint.

Interessanterweise waren advSM-Patienten mit erhöhter BMD im Mittel älter als advSM-Patienten ohne erhöhte BDM (77 vs. 68 Jahre; p=0,0043), wiesen niedrigere Thrombozytenzahlen auf (median 111 vs. 238 × 109/l; p=0,041) und zeigten eine ausgeprägtere Infiltration von Mastzellen ins Knochenmark (50% vs. 10%; p=0,002). Zudem waren bei advSM-Patienten mit erhöhter BMD die Serumtryptase-Spiegel (median 262 vs. 62 µg/l; p = 0,003) ebenso wie die Spiegel der alkalischen Phosphatase (238 vs. 74 U/l; p<0,0001) deutlich erhöht.

Diese ungünstigen klinischen Parameter wirkten sich negativ auf die Prognose der Patienten aus: advSM-Patienten mit erhöhter BMD hatten ein signifikant schlechteres Gesamtüberleben als Patienten ohne erhöhte BMD (median 3,6 Jahre gegenüber nicht erreicht; p=0,031). Eine erhöhte BMD ist demnach bei der advSM mit einem aggressiveren Phänotyp und schlechterem Überleben assoziiert, so die Autoren.

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: ASH 2019

Literatur:

(1) Jawhar M et al. Increased Bone Mineral Density As an Adverse Prognostic Factor in Patients with Systemic Mastocytosis. Poster im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2019, 9. Dezember 2019; Abstract 4185


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