Dienstag, 13. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Medizin
19. November 2020

Einsparpotential von Biosimilars wird nicht ausgeschöpft

Biosimilare Heparine wie z.B. Enoxaparin BECAT® sind seit einigen Jahren auf dem deutschen Markt eingeführt und preisgünstiger als das Original (1).
Dennoch bleibt der Marktanteil der Biosimilare hinter den Erwartungen zurück. Bleibt das Einsparpotential von Biosimilaren ungenutzt? Im Rahmen eines Expertenmeetings diskutierten Vertreter aus Kassenärztlicher Vereinigung, gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen,
Apothekenverbänden, dem Hausärzteverband und der Firma ROVI die Frage, worauf die teilweise großen regionalen Unterschiede (2) im Einsatz von biosimilaren Heparinen wie Enoxaparin BECAT® in der Arzneimittelversorgung zurückzuführen sind.
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
„Durch die Zulassung ist der Nachweis der Äquivalenz von Enoxaparin BECAT® zum Referenzprodukt Clexane® in allen als primär und sekundär eingestuften Parametern erfolgt und auch die allgemeinen Sicherheits- und Verträglichkeitsprofile beider Arzneimittel erwiesen sich als ähnlich“, führte Prof. Dr. Theodor Dingermann, emeritierter Professor für pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt, aus. „Der Nutzen von Biosimilaren liegt klar darin, Wirtschaftlichkeitsreserven im Gesundheitssystem zu heben“, sagte Prof. Dingermann. Darüber hinaus seien Biosimilare auch Treiber für Innovationen. Wie Marktanalysen zeigen, wird ein ärztlich verordnetes Enoxaparin-Biosimilar wie Enoxaparin-BECAT® auf Apothekenebene häufig gegen den Originator ausgetauscht (3).

Verordnungsautonomie hohes Gut für Ärzte

Dr. Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Bremen, kritisierte dieses Vorgehen und erklärte, dass die Verordnungsautonomie ein hohes Gut für Ärzte bedeutet. Der Arzt entscheidet sich für ein bestimmtes Präparat oder einen bestimmten Hersteller, wobei er natürlich bei der Verordnung auch Gesetzesvorgaben, wirtschaftliche Gründe und oder Quoten-Vorgaben der KVen berücksichtigt. Die Regressangst kann für Vertragsärzte ein existenzielles Problem darstellen. Dies betrifft besonders teure Biopharmazeutika und macht einen Austausch eines verordneten günstigeren Biosimilars gegen den Originator in der Apotheke bei den Ärzten äußerst unbeliebt.

Einsparpotential

Laut Dr. Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbands Schleswig- Holstein e.V., können Regresse auch auf Apotheker zukommen, denn sie können bei einem nicht mit dem Arzt abgestimmten Austausch auf „Null“ retaxiert werden und somit ihren Ertrag und Wareneinsatz verlieren. Dr. Friedrich sagte: „Es gibt keine Gründe für die Austauschbarkeit von klaren Verordnungen von Biosimilars in der Apotheke, aber Gründe für die Medikamentenwahl durch den Arzt“. Stellt der Arzt eine unklare Wirkstoffverordnung aus, muss der Apotheker Rücksprache halten. Allerdings befürworten manche Krankenkassen eine Austauschbarkeit auch von Biopharmazeutika in der Apotheke und erhoffen sich dadurch in Zukunft ein enormes Einsparpotential.

Verordnungszahlen für Enoxaparine im Zuge der Pandemie nicht angestiegen

Apothekerin Dr. Edda Würdemann, ehemalige Leiterin des Arzneimittelreferats der Techniker Krankenkasse in Hamburg, unterstrich in der Diskussion die Verwunderung von Prof. Dingermann, dass die Verordnungszahlen für Enoxaparine im Zuge der Pandemie nicht angestiegen sind, obwohl Fachgesellschaften wie die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) (4) und die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) (5) empfehlen, dass bei Patienten mit gesicherter SARS-CoV-2-Infektion die Indikation zur medikamentösen Thromboseprophylaxe mit niedermolekularen Heparinen fortlaufend geprüft und großzügig gestellt werden sollte – unabhängig davon, ob der Patient stationär oder ambulant geführt wird.

Substanzieller Beitrag zur Kostendämpfung

Dr. Würdemann hinterfragte die Gründe und vermutete, möglicherweise sei die Notwendigkeit einer medikamentösen Thromboseprophylaxe mit niedermolekularen Heparinen bei Risikopatienten noch nicht flächendeckend zu niedergelassenen Ärzten durchgedrungen. Die Experten waren sich einig, dass hochwertig produzierte Biosimilars einen substanziellen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen darstellen, dass ihr Potenzial jedoch nach wie vor nicht genügend ausgereizt wird.

Quelle: Rovi

Literatur:

(1) Lauertaxe Stand 15.10.2020
(2) IQVIA data, Juni 2020
(3) Insight Health data, Stand Juli 2020
(4) Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. (GTH). http://gth-online.org/wpcontent/
uploads/2020/04/Aktualisierte-GTH-Empfehlungen-COVID-19-1.pdf. Zugriff 16.10.2020
(5) Deutsche Gesellschaft für Angiologie -Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA). https://www.dgagefaessmedizin.
de/fileadmin/content/PDFs/Stellungnahmen/DGA-Stellungnahme_zu_COVID-19-Infektion_und_VTE-Risiko_.pdf. Zugriff
16.10.2020


Anzeige:
Kyprolis
Das könnte Sie auch interessieren
Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums
Helfen+und+sich+helfen+lassen+-+neues+Informationsblatt+vom+Krebsinformationsdienst+des+Deutschen+Krebsfoschungszentrums
Alexander Raths / Fotolia.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Das gilt auch für Partner, Familienangehörige und Freunde von Krebspatienten. Neben der Sorge und dem Impuls, den anderen zu unterstützen, fühlen sich viele in dieser Situation zunächst unsicher und überfordert. Die Angst, im Miteinander etwas falsch zu machen, ist groß. Zur Unterstützung von Angehörigen und Freunden hat der...

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
Seltene+Krebsarten+%E2%80%93+Stiefkind+der+Krebsforschung%3F
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Einsparpotential von Biosimilars wird nicht ausgeschöpft"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.