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Medizin
19. Juni 2013

EHA 2013: Myelofibrose - Ruxolitinib scheint die Knochenmarkfibrose positiv zu beeinflussen

Der orale JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) hat in zwei großen Phase-III-Studien gezeigt, dass er bei der Myelofibrose gegenüber Placebo ebenso wie gegenüber der besten sonst verfügbaren Therapie Splenomegalie, Symptome und Überleben verbessern kann - was bisher nur mithilfe einer Stammzelltransplantation möglich war. Beim Kongress der European Hematology Association (EHA) in Stockholm wurden neue, retrospektiv gewonnene Ergebnisse aus einer Phase-I/II-Studie gezeigt, wonach unter Ruxolitinib offenbar auch die Knochenmarkfibrose reversibel ist.

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In der Studie am M.D. Anderson Cancer Center in Houston waren vor Beginn der Ruxolitinib-Behandlung sowie nach einer Behandlungsdauer von 24 Monaten (68 Patienten) bzw. 48 Monaten (18 Patienten) Knochenmarkbiopsien genommen und anhand der WHO-Kriterien ausgewertet worden. Das Gleiche geschah mit einer Kohorte deutscher Patienten mit Myelofibrose, die die beste verfügbare Therapie erhielten, darunter Hydroxyurea, Interferon alpha oder eine Reihe von sequenziellen Therapien.

Während sich die Fibrose in dem Kontrollkollektiv nach zwei Jahren bei 62% und nach vier Jahren bei 75% der Patienten verschlechtert und nur bei 6% bzw. 2% verbessert hatte, schnitten die mit Ruxolitinib behandelten Patienten deutlich besser ab, so Hans Michael Kvasnicka, Frankfurt: Bei 15% von ihnen war nach 24 und bei 22% nach 48 Monaten eine Verbesserung zu erkennen, bei 57% bzw. 56% eine Stabilisierung und nur bei 37% bzw. 25% eine Verschlechterung. Das Risiko für eine Verschlechterung war unter dem JAK1/2-Inhibitor nach zwei Jahren um 60% (Odds Ratio 0,40; 95%-Konfidenzintervall 0,18-0,87) und nach vier Jahren um 89% (OR 0,11; 95%-KI 0,03–0,43) signifikant reduziert. Möglicherweise beeinflusst das die Prognose der Patienten: In einer Überlebensanalyse war bei denen, deren Fibrose sich unter Ruxolitinib stabilisiert oder verbessert hatte, das Mortalitätsrisiko gegenüber denen, die sich verschlechtert hatten, um rund 40% reduziert (Hazard Ratio 0,604); der Unterschied war nicht signifikant (95%-KI 0,151-2,415), aber das ist vermutlich den niedrigen Patientenzahlen geschuldet.

Diese explorative Analyse ist nicht beweisend, aber sie legt die Vermutung nahe, so Kvasnicka, dass ein JAK1/2-Inhibitor nicht nur die Splenomegalie rückgängig machen, sondern möglicherweise die natürliche Progression der Knochenmarkfibrose bei der Myelofibrose aufhalten oder sogar umkehren kann - ein Effekt, der mit keiner anderen Langzeittherapie (z.B. Hydroxyurea) zu sehen ist. Die Verbesserung oder Stabilisierung der Knochenmarkfibrose durch Ruxolitinib könnte der Grund für die günstigere Prognose der Patienten sein, wie sie sich in den Phase-III-Studien gezeigt hat.


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