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Medizin
07. Mai 2021

EADO 2021: Immuntherapeutische Optionen beim kutanen Plattenepithelkarzinom

Das kutane Plattenepithelkarzinom (cSCC) ist der zweithäufigste maligne Hauttumor und entwickelt sich durch kumulative UV-Strahlung. Vorstufen des cSCC sind aufgrund der UV-geschädigten Haut entstandene aktinische Keratosen. Die Standardbehandlung des cSCC ist die Operation. Michael Midgen, Houston (USA), diskutierte beim EADO 2021 den Stellenwert der Immuntherapie im metastasierten (mCSCC) oder lokal fortgeschrittenen Setting (laCSCC).
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Mit der Zulassung von Cemiplimab zur Behandlung von Patienten mit mCSCC oder laCSCC, die für eine kurative Operation oder kurative Strahlentherapie nicht in Betracht kommen, stellt sich die Frage, ob operiert werden soll bzw. kann oder ob nicht. Midgen bemerkte, dass bei aggressiveren oder größeren Läsionen eine Operation für Patienten in Erwägung gezogen werden kann, wenn der Patient aufgrund multipler Resektionen nicht bereits operationsmüde sei, der Tumor nicht in tiefe vitale Strukturen eingedrungen sei und es klare Tumorabgrenzungen gebe.

Stellenwert der Immuntherapie vs. OP

Es sollten allerdings auch die Konsequenzen einer Operation gegen die Risiken einer Immuntherapie abgewogen werden. Die Sicherheit, den Tumor komplett zu entfernen, sei nur ein Teil des Operationserfolgs, mahnte Migden. Es müsse auch die Morbidität und die Möglichkeit einer erfolgreichen Rekonstruktion in die Entscheidung zur Operation einbezogen werden.

Bevor es die Möglichkeit der Checkpoint-Inhibitoren gab, bedeutete die Entscheidung für die systemische Therapie das Einräumen einer kurzen Dauer des progressionsfreien Überlebens (PFS) und des Gesamtüberlebens (OS), auch bei Patienten mit Ansprechen. Mit der Zulassung des PD-1-gerichteten Checkpoint-Inhibitors Cemiplimab zur Behandlung des fortgeschrittenen cSCC dürfe ein besserer Therapieerfolg erwartet werden, sagte Migden.

Die Rationale für die Behandlung des cSCC mit einer Immuntherapie ist einerseits aufgrund der hohen Mutationslast gegeben (1). Zudem ist die Immunsuppression ein gut beschriebener Risikofaktor für das Auftreten eines cSCC, insbesondere bei Patienten nach Organtransplantation (2).
In der offenen, einarmigen Phase-II-Studie, die zur Zulassung von Cemiplimab führte, wurde ein Ansprechen bei 44,9% der eingeschlossenen 78 Patienten mit lokal fortgeschrittener (Gruppe 1) und 50,8% der 59 Patienten mit metastasierter Erkrankung (Gruppe 2) mit 3 mg/kg Cemiplimab (q2w) beobachtet (3). Von 56 Patienten mit metastasierter Erkrankung, die 350 mg Cemiplimab alle 3-Wochen erhielten (Gruppe 3) - dies ist die empfohlene Dosis - sprachen 42,9% auf die Medikation an. Den Patienten war es erlaubt, nach Krankheitsprogress in der Studie weiter mit Cemiplimab behandelt zu werden. Wie Migden betonte, zeigten zwar die meisten Patienten sehr früh im Therapieverlauf ein Ansprechen, etwa 20% der Patienten erreichten dies aber erst nach 8-10 Monaten. Bei den 89 Patienten mit Ansprechen betrug die mediane Zeit bis zur kompletten Remission (CR) 11,2 Monate (3). Mit einer Nachbeobachtungszeit von 43 Monaten wurde in einer Posterpräsentation beim EADO 2021 bestätigt, dass Patienten unter einer längeren Therapiedauer die Chance erhalten, auch noch nach3 Jahren eine CR zu erreichen (4). Die 2-Jahres-Rate anhaltender Remissionen betrug laut dieser letzten Auswertung 72,8%. Das mediane PFS lag bei 18,4 Monaten für Gruppe 1, 18,5 Monaten für Gruppe 2 und 21,7 Monaten in Gruppe 3 [4]. Der Median bezüglich des OS war noch nicht erreicht (3).

In der Phase-II-Studie KEYNOTE-629 wurde auch Pembrolizumab als Monotherapie für die Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder rezidivierten und metastasierten cSCC untersucht (5). Für 86,7% der Patienten stellte Pembrolizumab die Zweitlinientherapie dar. Es wurde laut einem beim EADO präsentierten Update ein Ansprechen bei insgesamt 40,3% und eine Krankheitskontrolle bei 56,6% der Studienteilnehmer erreicht (6). In den USA hat Pembrolizumab die Zulassung in der rezidivierten/metastasierten Situation für Patienten, die durch Resektion oder Radiatio nicht potenziell heilbar sind, bereits erhalten.

Neoadjuvante, adjuvante und intratumorale Strategien mit Checkpoint-Inhibitoren werden in verschiedenen Studien untersucht und könnten weitere Fortschritte gegenüber der alleinigen Operation bringen, erklärte Midgen. Denn auch wenn der Arzt mit dem Ergebnis einer Operation zufrieden sei, müsse dies nicht notwendigerweise auch für den Patienten gelten – insbesondere bei größeren Läsionen im Gesicht oder im Kopfbereich. Midgen gab seinen Kollegen als Tipp für die Praxis mit auf den Weg, dass auch wenn eine Läsion sich unter einer Immuntherapie zunächst wie bei einem Progress entwickele, es sich um einen Pseudoprogress handeln und später abheilen könne.

Dr. rer. nat. Ine Schmale

Quelle: 10th World Congress of Melanoma/17th EADO Congress, Symposium SY31 „Immune checkpoint inhibition for non-melanoma skin cancer“, 16.04.2021

Literatur:

(1) Pickering CR et al.: Mutational landscape of aggressive cutaneous squamous cell carcinoma. Clin Cancer Res 2014; 15: 6582-6592
(2) Euvrard E et al.: Skin cancers after organ transplantation. N Engl J Med 2003; 348: 1681-1691
(3) Rischin D et al.: Phase 2 study of cemiplimab in patients with advanced cutaneous squamous cell carcinoma (CSCC): Longer follow-up. ASCO 2020, Abstr. #10018
(4) Rischin D et al.: Phase 2 study of cemiplimab in patients with advanced cutaneous squamous cell carcinoma (CSCC): Follow-up at 43 months. EADO 2021, Abstr. #P-236
(5) Grob JJ et al.: Pembrolizumab monotherapy for recurrent or metastatic cutaneous squamous cell carcinoma: A single-arm phase II trial (KEYNOTE-629). J Clin Oncol 2020; 38: 2916-2925
(6) Grob JJ et al.: KEYNOTE 629: Phase 2 study of pembrolizumab monotherapy for locally advanced or recurrent/metastatic cutaneous squamous cell carcinoma. EADO 2021, Abstr. #P-237


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