Donnerstag, 4. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Keytruda Pantumor
Keytruda Pantumor
Medizin

25. März 2020 DLBCL: CAR-T-Zelltherapie therapeutische Alternative ab der Drittlinie

Die Anwendung von CAR-T-Zellen ist im Algorithmus der Behandlung des diffus großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL) angekommen: Der Onkopedia-Leitlinie zufolge ist die CAR-T-Zelltherapie eine innovative therapeutische Alternative bei Patienten mit einem DLBCL ab der dritten Therapielinie (1). „Diese zusätzliche Therapieoption steht auch für ältere Patienten zur Verfügung – einer Patientengruppe, denen eine allogene Stammzelltransplantation nicht zugemutet werden kann“, betonte Professor Dr. Bertram Glaß, Berlin-Buch, im Rahmen eines Symposiums beim 34. Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin. Die 3-Jahres-Gesamtüberlebensrate nach einer einmaligen Infusion von Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta®) lag bei Patienten mit einem rezidivierten/refraktären LBCL einer aktuellen Analyse zufolge bei 47% (2).
Anzeige:
Revolade
Revolade
Basis der Zulassung von Axicabtagen-Ciloleucel waren die Daten der Phase-I/II-Studie ZUMA-1. In die Kohorten 1 und 2 waren insgesamt 101 Patienten mit einem rezidivierten/refraktären DLBCL oder PMBCL (primär mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom) eingeschlossen (3, 4). Axicabtagen-Ciloleucel wurde einmalig nach einer lymphodepletierenden Konditionierungstherapie verabreicht. Die 3-Jahresanalyse zeigte eine Gesamtüberlebensrate von 47%; seit dem 2-Jahres-Follow-up waren nur 4 weitere Patienten verstorben. Glaß hob hervor: „Diese Daten lassen auf eine anhaltende Effektivität der CAR-T-Zelltherapie schließen – nach etwa 24 Monaten bildet sich ein stabiles Plateau bei der Gesamtüberlebensrate aus“ (2).
Bei einem deskriptiven Vergleich der Ergebnisse der ZUMA-1-Studie und der SCHOLAR-1-Kohorte – einer retrospektiven Analyse von 497 r/r LBCL-Patienten, die mit den bisher verfügbaren Salvage-Regimen behandelt wurden – wird deutlich, in welchem Ausmaß sich die Prognose der Patienten unter Axicabtagen-Ciloleucel verbessert: In der SCHOLAR-Kohorte lag die Gesamtüberlebensrate nach 2 Jahren bei 12% (95%-KI: 9%-15%), in der ZUMA-1-Studie dagegen bei 50% (95%-KI: 40%-59%; HR=0,27 (0,20-0,38)) (2).

Optimiertes Nebenwirkungsmanagement verbessert Verträglichkeit

Zu den relevanten Nebenwirkungen einer Therapie mit CAR-T-Zellen gehören das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) sowie neurologische Nebenwirkungen. Um das Nutzen-Risiko-Profil der CAR-T-Zelltherapie zu optimieren, werden derzeit anhand der Kohorten 3 und 4 der ZUMA-1-Studie Strategien evaluiert, um Häufigkeit und Schwere dieser Nebenwirkungen zu reduzieren (5, 6). In der von Glaß präsentierten Kohorte 4 (n=41) wurden die Effekte einer frühen Gabe von Steroiden (ab Grad 1 von CRS und neurologischen Nebenwirkungen) auf die Verträglichkeit von Axicabtagen-Ciloleucel untersucht: Es zeigte sich ein Rückgang an ≥ Grad 3 CRS von 13% auf 2% sowie an ≥ Grad 3 neurologischen Nebenwirkungen von 28% auf 17%. In Kohorte 4 traten außerdem keine CRS bzw. neurologischen Nebenwirkungen vom Grad 4 oder 5 auf (6). „Das ist relevant, da diese Patienten meist auf einer Intensivstation behandelt werden müssen“, so Glaß und ergänzte: „Die bessere Verträglichkeit von Axicabtagen-Ciloleucel wird dabei nicht mit einer reduzierten T-Zell-Expansion erkauft: Die Ansprechraten waren in beiden Kohorten vergleichbar“ (6).

Bestätigung der Effektivität auch im Real-World-Setting

Daten einer US-amerikanischen Kohorte, in der Patienten mit LBCL außerhalb von klinischen Studien mit Axicabtagen-Ciloleucel behandelt wurden, bestätigen, dass die Behandlung mit den CAR-T-Zellen auch im Real-World-Setting effektiv ist. Die Analyse des ersten Follow-ups nach im Median 6,2
Monaten erfasste die Daten von 533 Patienten, von denen etwa ein Drittel mindestens 65 Jahre alt war – auch Patienten über 80 Jahre waren darunter. Bei zwei Drittel der Patienten war das B-Zell-Lymphom refraktär gegenüber jeder Chemotherapie (7).
Die Gesamtansprechrate lag bei 70%, und 52% der Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen. Zwischen Patienten über bzw. unter 65 Jahren gab es keine Unterschiede im Ansprechen, tendenziell zeigten sich sogar etwas höhere Raten an kompletter Remission unter den
älteren Patienten (62% vs. 46%) (7). „Die Real-World-Analyse bestätigt im Wesentlichen die ZUMA-1-Studiendaten“, erklärte Glaß und wagte einen Ausblick: „Eine CAR-T-Zell-Therapie als potenziell kurativer Ansatz könnte sich künftig im Therapiealgorithmus vor einer allogenen Stammzelltherapie – eines der aggressivsten Regime in der Hämatoonkologie – einreihen.“

Quelle: Gilead

Literatur:

(1) Dührsen U et al. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/diffuses-grosszelliges-b-zelllymphom/@@guideline/html/index.html; Stand November 2018; letzter Zugriff: 16.03.2020.
(2) Neelapu SS et al. Poster 4095, 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), Dezember 2019, Orlando, Florida, USA.
(3) Fachinformation Yescarta®, Stand Januar 2020.
(4) Neelapu SS et al. N Eng J Med 2017; 377: 2531-2544.
(5) Locke FL et al. Blood 2017; 130 (Suppl 1, Abstract 1547).
(6) Topp M et al. Oral Presentation 243, 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), Dezember 2019, Orlando, Florida, USA.
(7) Pasquini M et al. Oral Presentation 764, 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), Dezember 2019, Orlando, Florida, USA.


Das könnte Sie auch interessieren

Übergewicht als Krebsrisiko

Übergewicht als Krebsrisiko
© Vadym - stock.adobe.com

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum in Deutschland stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen mit Krebs statistisch gesehen zu. Auf die Entstehung aller Krebskrankheiten gerechnet hat die Fettleibigkeit einen Anteil von schätzungsweise 16%. Würden alle Menschen das Normalgewicht einhalten, könnten allein in Deutschland...

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Kinderwunsch und Krebs

Kinderwunsch und Krebs
© Photographee.eu - stock.adobe.com

Möchte ich eine Familie gründen oder noch weitere Kinder haben? Mit dieser Frage müssen sich junge Krebspatientinnen und -patienten vor einer Krebstherapie – also unmittelbar nach der Diagnose – auseinandersetzen. Denn die Behandlung, die ihnen hilft, den Krebs zu besiegen, beeinträchtigt häufig gleichzeitig die Fruchtbarkeit. Auch wenn die Zeit drängt, ist es wichtig, sich vor Behandlungsbeginn mit diesem wichtigen Thema zu befassen.

HPV-Impfung schützt vor Krebs

HPV-Impfung schützt vor Krebs
© pixelaway - stock.adobe.com

Krebsprävention ist eine zentrale Strategie im Kampf gegen Krebs. Zur Prävention zählen auch Impfungen, mit denen vielen Krebserkrankungen gezielt vorgebeugt werden kann. Beispiel: Humane Papillomviren (HPV), deren Hochrisiko-Typen für Gebärmutterhalskrebs und andere Krebserkrankungen verantwortlich sind. Doch es gibt eine wirksame und gut verträgliche Impfung, die vor der Infektion mit HPV schützt und der Entwicklung von Krebs vorbeugt. Wer sollte sich...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"DLBCL: CAR-T-Zelltherapie therapeutische Alternative ab der Drittlinie "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.