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Medizin

25. März 2020 DLBCL: CAR-T-Zelltherapie therapeutische Alternative ab der Drittlinie

Die Anwendung von CAR-T-Zellen ist im Algorithmus der Behandlung des diffus großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL) angekommen: Der Onkopedia-Leitlinie zufolge ist die CAR-T-Zelltherapie eine innovative therapeutische Alternative bei Patienten mit einem DLBCL ab der dritten Therapielinie (1). „Diese zusätzliche Therapieoption steht auch für ältere Patienten zur Verfügung – einer Patientengruppe, denen eine allogene Stammzelltransplantation nicht zugemutet werden kann“, betonte Professor Dr. Bertram Glaß, Berlin-Buch, im Rahmen eines Symposiums beim 34. Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin. Die 3-Jahres-Gesamtüberlebensrate nach einer einmaligen Infusion von Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta®) lag bei Patienten mit einem rezidivierten/refraktären LBCL einer aktuellen Analyse zufolge bei 47% (2).
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Basis der Zulassung von Axicabtagen-Ciloleucel waren die Daten der Phase-I/II-Studie ZUMA-1. In die Kohorten 1 und 2 waren insgesamt 101 Patienten mit einem rezidivierten/refraktären DLBCL oder PMBCL (primär mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom) eingeschlossen (3, 4). Axicabtagen-Ciloleucel wurde einmalig nach einer lymphodepletierenden Konditionierungstherapie verabreicht. Die 3-Jahresanalyse zeigte eine Gesamtüberlebensrate von 47%; seit dem 2-Jahres-Follow-up waren nur 4 weitere Patienten verstorben. Glaß hob hervor: „Diese Daten lassen auf eine anhaltende Effektivität der CAR-T-Zelltherapie schließen – nach etwa 24 Monaten bildet sich ein stabiles Plateau bei der Gesamtüberlebensrate aus“ (2).
Bei einem deskriptiven Vergleich der Ergebnisse der ZUMA-1-Studie und der SCHOLAR-1-Kohorte – einer retrospektiven Analyse von 497 r/r LBCL-Patienten, die mit den bisher verfügbaren Salvage-Regimen behandelt wurden – wird deutlich, in welchem Ausmaß sich die Prognose der Patienten unter Axicabtagen-Ciloleucel verbessert: In der SCHOLAR-Kohorte lag die Gesamtüberlebensrate nach 2 Jahren bei 12% (95%-KI: 9%-15%), in der ZUMA-1-Studie dagegen bei 50% (95%-KI: 40%-59%; HR=0,27 (0,20-0,38)) (2).

Optimiertes Nebenwirkungsmanagement verbessert Verträglichkeit

Zu den relevanten Nebenwirkungen einer Therapie mit CAR-T-Zellen gehören das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) sowie neurologische Nebenwirkungen. Um das Nutzen-Risiko-Profil der CAR-T-Zelltherapie zu optimieren, werden derzeit anhand der Kohorten 3 und 4 der ZUMA-1-Studie Strategien evaluiert, um Häufigkeit und Schwere dieser Nebenwirkungen zu reduzieren (5, 6). In der von Glaß präsentierten Kohorte 4 (n=41) wurden die Effekte einer frühen Gabe von Steroiden (ab Grad 1 von CRS und neurologischen Nebenwirkungen) auf die Verträglichkeit von Axicabtagen-Ciloleucel untersucht: Es zeigte sich ein Rückgang an ≥ Grad 3 CRS von 13% auf 2% sowie an ≥ Grad 3 neurologischen Nebenwirkungen von 28% auf 17%. In Kohorte 4 traten außerdem keine CRS bzw. neurologischen Nebenwirkungen vom Grad 4 oder 5 auf (6). „Das ist relevant, da diese Patienten meist auf einer Intensivstation behandelt werden müssen“, so Glaß und ergänzte: „Die bessere Verträglichkeit von Axicabtagen-Ciloleucel wird dabei nicht mit einer reduzierten T-Zell-Expansion erkauft: Die Ansprechraten waren in beiden Kohorten vergleichbar“ (6).

Bestätigung der Effektivität auch im Real-World-Setting

Daten einer US-amerikanischen Kohorte, in der Patienten mit LBCL außerhalb von klinischen Studien mit Axicabtagen-Ciloleucel behandelt wurden, bestätigen, dass die Behandlung mit den CAR-T-Zellen auch im Real-World-Setting effektiv ist. Die Analyse des ersten Follow-ups nach im Median 6,2
Monaten erfasste die Daten von 533 Patienten, von denen etwa ein Drittel mindestens 65 Jahre alt war – auch Patienten über 80 Jahre waren darunter. Bei zwei Drittel der Patienten war das B-Zell-Lymphom refraktär gegenüber jeder Chemotherapie (7).
Die Gesamtansprechrate lag bei 70%, und 52% der Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen. Zwischen Patienten über bzw. unter 65 Jahren gab es keine Unterschiede im Ansprechen, tendenziell zeigten sich sogar etwas höhere Raten an kompletter Remission unter den
älteren Patienten (62% vs. 46%) (7). „Die Real-World-Analyse bestätigt im Wesentlichen die ZUMA-1-Studiendaten“, erklärte Glaß und wagte einen Ausblick: „Eine CAR-T-Zell-Therapie als potenziell kurativer Ansatz könnte sich künftig im Therapiealgorithmus vor einer allogenen Stammzelltherapie – eines der aggressivsten Regime in der Hämatoonkologie – einreihen.“

Quelle: Gilead

Literatur:

(1) Dührsen U et al. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/diffuses-grosszelliges-b-zelllymphom/@@guideline/html/index.html; Stand November 2018; letzter Zugriff: 16.03.2020.
(2) Neelapu SS et al. Poster 4095, 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), Dezember 2019, Orlando, Florida, USA.
(3) Fachinformation Yescarta®, Stand Januar 2020.
(4) Neelapu SS et al. N Eng J Med 2017; 377: 2531-2544.
(5) Locke FL et al. Blood 2017; 130 (Suppl 1, Abstract 1547).
(6) Topp M et al. Oral Presentation 243, 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), Dezember 2019, Orlando, Florida, USA.
(7) Pasquini M et al. Oral Presentation 764, 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH), Dezember 2019, Orlando, Florida, USA.


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