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Medizin
24. Februar 2014

DKK 2014: Ramucirumab als neue therapeutische Option beim Magenkarzinom

Das Magenkarzinom wird immer noch zu spät diagnostiziert. Daraus resultiert der Umstand, dass nur maximal 40% der Patienten einer kurativen Resektion unterzogen werden können. In den meisten Fällen ist der Tumor bereits so weit fortgeschritten, dass nur noch eine palliative Chemotherapie vorgenommen werden kann. Kommt es dann zur Progression, kann neuerdings auf eine Forschungssubstanz mit dem Wirkstoff Ramucirumab zurückgegriffen werden. Der Angiogenesehemmer hat in zwei Phase-III-Studien das Gesamtüberleben und die progressionsfreie Überlebenszeit jeweils signifikant verlängert.

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Bei dem neuen anti-angiogenen Wirkstoff Ramucirumab (IMC-1121B) handelt es sich um einen komplett humanen monoklonalen Immunglobulin-1-Antikörper, der sich spezifisch gegen die extrazelluläre Domäne des VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-Rezeptors 2 richtet. Er wird als zentraler Mediator der physiologischen wie der pathologischen Angiogenese angesehen. Wird der VEGF-Rezeptor 2 stimuliert, werden weitere Faktoren freigesetzt, die das Tumorwachstum und die Metastasierung fördern. So verwundert es nicht, dass die Fünfjahres-Überlebensrate laut Prof. Salah-Eddin Al-Batran, Frankfurt am Main, nur rund 30% erreicht.

Für Ramucirumab konnte nachgewiesen werden, dass es die Überlebenszeit von Patienten mit einem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs nicht nur in Kombination mit Chemotherapeutika, sondern auch als Monotherapeutikum zu verlängern vermag. "Und das ist bemerkenswert", konstatierte PD Dr. Sonja Loges, Hamburg. Allem Anschein nach kann dem neuen Angiogenesehemmer auch eine gefäßnormalisierende Wirkung zugeschrieben werden. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wurden bislang nicht beobachtet. Laut derzeitigem Erkenntnisstand ist Ramucirumab "ein sehr attraktives Medikament zur Behandlung des Magenkarzinoms", so Loges.

Wirksamkeit und Sicherheit von Ramucirumab wurden in der internationalen und doppelblinden Phase-III-Studie REGAIN überprüft. Teilnehmer waren 355 Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs. Bei ihnen hatten sich trotz einer Platin- und/oder Fluoropyrimidin-haltigen Kombination als Erstlinientherapie Metastasen entwickelt.

Signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens dank Anti-Angiogenese

Generell gilt, dass das Magenkarzinom häufig in einem bereits fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Dann ist die Palliation als Behandlungsziel anzustreben. Bislang bietet sich dafür als einzige Option die kombinierte Chemotherapie an. Bildet sich unter der Erstlinien-Chemotherapie ein Rezidiv, ist die Prognose besonders ungünstig. In dieser Situation kann eine Zweitlinien-Chemotherapie gestartet werden. Man kann alternativ aber auch mit einer Forschungssubstanz wie dem Angiogenesehemmer Ramucirumab therapieren.
 
Sämtliche Patienten der REGAIN-Studie bekamen die Best Supportive Care (BSC). Bei 238 Teilnehmern wurde Ramucirumab eingesetzt, die übrigen 117 erhielten stattdessen Placebo. Die Ergebnisse sprechen für sich: Das Gesamtüberleben als primärer Endpunkt der Studie verlängerte sich von 3,8 Monaten unter Placebo auf 5,2 Monate unter Verum und damit signifikant. Die progressionsfreie Überlebenszeit als sekundärer Endpunkt stieg von 1,3 Monate unter Placebo auf 2,1 Monate unter Ramucirumab und damit hochsignifikant an. In beiden Endpunkten stellte sich also der Angiogenesehemmer als überlegen heraus. Unerwartete Toxizitäten wurden nicht registriert.

Zweite Studie bestätigt den Erfolg der ersten

Nicht zuletzt aufgrund der ermutigenden Resultate der REGAIN-Studie wurde die Phase-III-Studie RAINBOW in die Wege geleitet. Die aus 27 Ländern stammenden 665 Patienten litten an einem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, das trotz Platin- oder Fluoropyrimidin-haltiger Erstlinientherapie weiter fortgeschritten oder refraktär geworden war. Behandelt wurde entweder mit Ramucirumab plus Paclitaxel oder mit Paclitaxel plus Placebo.

Auch in dieser Phase-III-Studie wurde das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unter der Ramucirumab-haltigen Kombination signifikant verlängert. Unter dieser Kombination schnitten die Patienten auch in puncto progressionsfreier Überlebenszeit signifikant besser ab. Günstig beeinflusst wurden darüber hinaus die Gesamtansprechrate, die Lebensqualität und die Sicherheit. Als Nebenwirkungen der Anti-Angiogenese wurden arterielle Hypertonie, Fatigue, Leukopenie und Bauchschmerzen angegeben.

kbf

Quelle: Symposium "Anti-Angiogenese reloaded - Neues aus Forschung und Therapie", veranstaltet von Lilly Onkologie, Bad Homburg, anlässlich des 31. Deutschen Krebskongresses, Berlin, 20. Februar 2014


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