Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Medizin
12. November 2015

DGHO 2015: Therapiestrategien beim kastrationssensiblen und -resistenten Prostatakarzinom

Drei große Studien haben gezeigt, dass beim hormonsensiblen Prostatakarzinom durch Hinzunahme einer Chemotherapie zur Androgendeprivation ein Überlebensvorteil erzielt werden kann (22 Monate OS-Vorteil in STAMPEDE (1), 17 Monate in CHAARTED (2), allerdings nur 4 Monate in der französischen Studie GETUG AFU-15 (3)), sodass die Leitlinien (ASCO, AIO, ESMO (4)) diesen aggressiveren Therapieansatz nun empfehlen. "Das Prostatakarzinom ist ein biologisch sehr heterogener Tumor", sagte Dr. Martin Schostak, Magedeburg: Small et al. (5) haben bei mCRPC-Patienten nach Enzalutamid oder Abirateron bei einem Drittel der Patienten den neuen Tumortyp eines sogenannten intermediären atypischen Karzinoms identifiziert, der ebenso wie das kleinzellige Karzinom eine deutlich schlechtere Prognose hat als ein Adenokarzinom. Eine pathologische Metastasenbiopsie kann daher sinnvoll sein, so Schostak.

Anzeige:
Venclyxto

Van Soest et al. haben für die Erstlinientherapie des mCRPC bei hochgradigen Tumoren (Gleason-Score ≥7) einen OS-Vorteil für Docetaxel gezeigt (6), bei Abirateron hat der Gleason-Score weniger prädiktive Aussagekraft, ein GS <8 scheint aber vorteilhaft zu sein, sagte Schostak.

Zu empfehlen ist nach den Ergebnissen einer Umfrage (AGREE, DISAGREE und ABSTAIN) die frühe Bildgebung, die im 3-Monats-Intervall wiederholt werden sollte, um eine primäre Resistenz gegenüber der Androgen-Rezeptor-gerichteten Therapie zu diagnostizieren sowie um viszerale Metastasen früher zu entdecken, bevor sie sich als PSA-Anstieg bemerkbar machen (7).

Cabazitaxel und Docetaxel wirken unabhängig vom Rezeptorstatus, also auch bei AR-V7-Resistenz, sie stellen also eine Art "sichere Bank" dar. "Bei Progress des mCRPC sollte eine Mutationstestung durchgeführt werden, da es neben AR-V7 viele weitere Mutationen, auch Punktmutationen gibt" (8), sagte er. Hier müssen für die Zukunft aber noch wesentlich mehr Daten erhoben werden.

Eine Aussage, die sich bereits jetzt treffen läst, so Schostak, ist, dass die Chemotherapie nicht als letzte Reserve herhalten sollte, denn Patienten unter Cabazitaxel als Zweitlinientherapie nach Docetaxel und dann anschließender AR-gerichteteter Therapie hatten in einer aktuellen gepoolten Analyse eine 12-Monats-Gesamtüberlebensrate von 76,4% (9). Hierzu läuft mit SCOPE gerade eine weitere Studie an (10), um diesen möglichen Überlebensvorteil der Cabazitaxel-Therapie nach Docetaxel-Versagen als kontinuierliche Taxan-Therapie vor AR-gerichteter Therapie versus intermittierende Therapie (Docetaxel, AR-gerichtete Therapie, Cabazitaxel) weiter zu evaluieren, sagte Schostak.

ab

Quelle: Sanofi-Satellitensymposium "Einfluss molekularer Marker auf die Therapiewahl beim mCRPC (...) - heute und in Zukunft", Basel, 11.10.2015

Literatur:

(1) James N et al. J Clin Oncol (Meeting Abstracts) May 2015 vol. 33 no. 15_suppl 5001
(2) Sweeney C et al., J Clin Oncol 32:5s, 2014 (suppl; abstr LBA2)
(3) Gravis G et al. Lancet Oncol 2013 Feb 8;14(2):149-58. Epub 2013 Jan 8
(4) Parker C et al. Ann Oncol (2015) 26 (suppl 5): v69-v77
(5) Small EJ et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr 5003)
(6) van Soest R et al.Eur Urol. 2014 Aug;66(2):330-6
(7) Fitzpatrick JM, Eur J Cancer 2014 Jun;50(9):1617-27
(8) Steinestel J et al. Oncotarget. 2015 Apr 23. [Epub ahead of print]
(9) Maines F et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl 7; abstr 258)
(10) Bokemeyer C et al. Prospective non-interventional trial SCOPE, P 263, Poster presented at DGHO 2015, Basel


Anzeige:
Revolade
Revolade
 
Das könnte Sie auch interessieren
Immer weniger Deutsche bei der Darmkrebsvorsorge
Immer+weniger+Deutsche+bei+der+Darmkrebsvorsorge
©Sebastian Kaulitzki / Fotolia.de

Die Vorstellung ist für Männer wie Frauen anscheinend gleichermaßen derart unangenehm, dass sie die Untersuchungen lieber meiden: Darmkrebsvorsorge. Darauf weist die KKH Kaufmännische Krankenkasse angesichts des Darmkrebsmonats März hin. Laut KKH-Auswertung ist der Anteil der Versicherten, die zwischen 2009 und 2019 einen Vorsorgetest auf Blut im Stuhl gemacht haben, bundesweit bei beiden Geschlechtern um rund 42%...

Geballtes Wissen zu Krebs für alle
Geballtes+Wissen+zu+Krebs+f%C3%BCr+alle
© Krebsinformationsdienst, DKFZ; Bild: Pixabay 849820

Der offizielle Startschuss fiel am 30. März 1999. Die Internetseite des Krebsinformationsdienstes (KID), einer Abteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums, ging online. Heute nutzen monatlich rund 600.000 Besucher die Seite. Gefragte Themen sind Hintergründe zur Erkennung und Behandlung von Krebs, neue Therapieverfahren, aber auch Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag. Alle, die sich vor Krebs schützen möchten,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"DGHO 2015: Therapiestrategien beim kastrationssensiblen und -resistenten Prostatakarzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.