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Medizin
09. Juni 2021

DFG bewilligt Sonderforschungsbereich „OncoEscape“

11 Millionen Euro für Forschung zu neuartigen Krebstherapien
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab 1. Juli 2021 den Sonderforschungsbereich SFB 1479 „OncoEscape – Onkogen getriebener Immun Escape“. Der SFB erhält zunächst für 4 Jahre knapp 11 Millionen Euro. Die beteiligten Forschenden wollen untersuchen, wie bestimmte genetische Eigenschaften erst zur Entstehung von Tumorzellen und später zu deren Flucht vor dem Immunsystem beitragen. Ein besseres Verständnis dieses so genannten Immun-Escapes ist insbesondere für die Therapieentwicklung für fortgeschrittene Krebserkrankungen essenziell.
Sprecher des Sonderforschungsbereichs ist Prof. Dr. Robert Zeiser, Leiter der Abteilung für Tumorimmunologie und Immunregulation der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg. Die beteiligten Forschungsgruppen gehören dem Universitätsklinikum Freiburg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, dem Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und dem Georg-Speyer Haus in Frankfurt an.

Wichtiger Beitrag zur immunonkologischen Forschung

„Unser Immunsystem ist die wichtigste Waffe im Kampf gegen Krebs. Im neuen Sonderforschungsbereich wollen wir verstehen, wie es Tumorzellen gelingt, dem Immunsystem zu entkommen – und wie sich dies verhindern lässt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich mit diesem Wissen neue, nachhaltig wirksame Krebstherapien entwickeln lassen“, sagt Zeiser. „Die Etablierung dieses neuen Sonderforschungsbereichs ist eine herausragende Leistung in einem sehr stark umkämpften Forschungsfeld. Er ist ein lebendiger Ausdruck für die oft geforderte translationale Forschung, durch die Patientinnen und Patienten schnellstmöglich von Erkenntnissen der Grundlagenforschung profitieren. Herzlichen Glückwunsch an alle beteiligten Ärztinnen und Ärzte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, sagt Prof. Dr. Lutz Hein, Dekan der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Auslöser für Resistenz gegen Krebs-Immuntherapie entdeckt
© UZH

Mit der Krebs-Immuntherapie wird das körpereigene Abwehrsystem gegen die Tumorzellen aktiviert. Bei den meisten Patienten werden die Krebszellen jedoch resistent gegen die verwendeten Medikamente. Für die Entwicklung dieser Resistenz ist ein epigenetisches Kontrollprotein zentral, wie Forschende der Universität Zürich und des UniversitätsSpitals Zürich am Beispiel des Hautkrebses zeigen.
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Onkogenes Signalling

Wie häufig sich Zellen teilen, wird in normalem Gewebe durch stimulierende Onkogene und hemmende Tumorsuppressorgene präzise kontrolliert. Werden jedoch Onkogene genetisch überaktiviert oder gehen Tumorsuppressorgene verloren, verwandelt sich eine normale Zelle in eine Krebszelle. Beide Prozesse führen zu einer Veränderung der intrazellulären Signalübertragung, die mit dem übergeordneten Begriff „onkogenes Signalling“ beschrieben wird. Zunächst führt das onkogene Signalling zu Tumorwachstum und später auch zu erhöhter genetischer Instabilität. Dadurch kann die Tumorzelle Mechanismen entwickeln, um für das Immunsystem unsichtbar zu werden oder die Immunzellen stumm zu schalten. Diese Mechanismen werden unter dem Begriff „Immun-Escape“ zusammengefasst.

Rätsel um die Immunantwort

Bereits heute greifen bestimmte Immuntherapien und zielgerichtete Therapien direkt bei der Blockade krebsfördernder Signale an. Basierend auf diesen Beobachtungen werden die Ärzte und Wissenschaftler untersuchen, wie es den Krebszellen genau gelingt, der Immunantwort zu entkommen. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Ergebnisse zu einem Paradigmenwechsel im Verständnis der Biologie verschiedener Tumorarten und deren Behandlung führen werden“, sagt Prof. Dr. Justus Duyster, Teilprojektleiter im SFB 1479 und Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg. „In Freiburg arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den beiden Forschungsfeldern Onkogene Signalforschung und Tumor-Immunologie seit Langem eng zusammen. Das wird für den Erfolg der Initiative essenziell sein“, sagt Prof. Dr. Tilman Brummer, stellvertretender Sprecher des SFB 1479 und Forschungsgruppenleiter am Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Quelle: Uni Freiburg


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