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Medizin

21. Februar 2020 Deutscher Krebspreis an Andreas Du Bois, Rita Schmutzler und Andreas Trumpp

Der Deutsche Krebspreis, gestiftet von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den höchsten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin. In der Sparte „Klinische Forschung“ geht die Auszeichnung in diesem Jahr an Prof. Dr. Andreas du Bois (KEM – Evangelische Kliniken Essen Mitte gGmbH); im Bereich „Translationale Forschung“ wurde Prof. Dr. Rita Schmutzler (Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitäts-Frauenklinik Köln) geehrt, in der Sparte „Experimentelle Forschung“ erhielt Prof. Dr. Andreas Trumpp (Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg) den Preis. Die Forscher werden auf dem 34. Deutschen Krebskongress in Berlin ausgezeichnet.
Prof. Andreas du Bois gründete als junger Oberarzt die Arbeitsgruppe Gynäkologische Onkologie (AGO)– die Gruppe zählt heute zu den weltweit aktivsten in der Durchführung klinischer Studien zum Eierstockkrebs. Diese Studien haben die Therapiestandards bei dieser Krebserkrankung nachhaltig geprägt – das gilt sowohl für die Therapie nach einem Rückfall als auch für die Chemotherapie beim primären Eierstockkrebs. So wurde zum Beispiel der global noch immer gültige Standard, Carboplatin-Paclitaxel, hier entwickelt.  Durch die Arbeit der Gruppe konnten die Operationsverfahren beim Eierstockkrebs verbessert und zielgerichteter eingesetzt werden. Die AGO ist global eine der treibenden Kräfte für die Entwicklung und Integration neuer Wirkstoffe, wie zum Beispiel den PARP-Inhibitoren und den Angioneogenesehemmstoffen. Bei der Einführung der Angioneogenesehemmstoffe in die Therapie des Ovarialkarzinoms hatte die AGO einen maßgeblichen Anteil.
 
Prof. Rita Schmutzler ist eine Pionierin der risikoadaptierten Prävention bei familiär bedingtem Brust- und Eierstockkrebs. Etwa 30 von 100 Frauen mit diesen Krebserkrankungen sind familiär vorbelastet. Bei 5 bis 10 von 100 Brustkrebserkrankungen liegt das an einer erblichen Veränderung in einem Risikogen. Für die Betroffenen ist es wichtig zu wissen, wie hoch ihr Risiko ist, nach der ersten Erkrankung möglicherweise ein zweites Mal zu erkranken, wer in der Familie sonst noch ein erhöhtes Krebsrisiko trägt und was man dagegen tun kann. Nach dem Aufbau des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, das seit 1996 von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, entwickelte Schmutzler als Koordinatorin des Konsortiums ein Konzept der Wissen generierenden Versorgung auf dem Gebiet der risikoadaptierten Prävention. Dieses Konzept wird mittlerweile in 20 Konsortialzentren umgesetzt; sie beraten und betreuen ratsuchende Familien nach einheitlichen Standards und arbeiten dabei eng mit den wohnortnah betreuenden Krebszentren zusammen. Das Konsortium greift bei seiner Arbeit auf eine fundierte Datenbasis und eine umfangreiche Biobank zurück, deren regelmäßigen Auswertungen Grundlage für die Weiterentwicklung des Versorgungskonzeptes sind ‒ beide bilden auch die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Forschungsarbeit gemeinsam mit anderen internationalen Forschergruppen. So können zusätzliche Risikogene für familiär bedingten Brust- und Eierstockkrebs identifiziert, auf ihre klinische Bedeutung validiert und in die Genpanelanalysen des Konsortiums integriert werden.
 
Prof. Andreas Trumpp untermauerte mit seinen grundlegenden Arbeiten das Konzept der Tumorstammzellen und hat dadurch wesentlich zum Verständnis der Krebsentstehung und der Ausbreitung von Krebs im Körper beigetragen. Sein Hauptaugenmerk gilt der Aufklärung der molekularen und zellulären Grundlagen der Selbsterneuerung von Hämatopoetischen Stammzellen (HSCs) des blutbildenden Systems. Er konnte zeigen, dass sich HSCs oft in einem schlafähnlichen Zustand befinden und beim Verlust von reiferen Blutzellen aktiviert werden. In diesem Schlafzustand sind die Stammzellen multiresistent. Diese Regulationsprozesse der normalen Blutbildung übertrug Trumpp auf Leukämie-Stammzellen. Es stellte sich heraus, dass bei einer Leukämie das MYC-Onkogen darüber entscheidet, ob die Leukämiestammzellen gerade aktiv sind oder sich in einer Ruhephase befinden. Diese Erkenntnis ist für die klinische Praxis deshalb wichtig, weil aktivierte Krebsstammzellen sich durch eine Chemotherapie bekämpfen lassen, während ruhende Stammzellen darauf nicht ansprechen. Auch bei soliden Tumoren, zum Beispiel bei Brustkrebs, konnte Trumpps Arbeitsgruppe Krebsstammzellen nachweisen, die im Blut zirkulieren und für die Bildung von Metastasen verantwortlich sind. Gemeinsam mit Kollegen fand er außerdem eine Antwort auf die Frage, wie sich Leukämie-Stammzellen der AML vor der Immunabwehr schützen: Sie lassen ein Zielmolekül der Natürlichen Killerzellen von ihrer Oberfläche verschwinden – dieser Schutzmechanismus lässt sich mit PARP-Inhibitoren überwinden. Trumpps Forschung hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Stammzellforschung zu einem unverzichtbaren Teil der Krebsforschung geworden ist.

 

Quelle: Deutschen Krebsgesellschaft e. V.


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