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Medizin

05. Dezember 2019 Dermatologen spielen wichtige Rolle bei der Diagnose der fortgeschrittenen systemischen Mastozytose

Hautsymptome können u.a. eine der klinischen Anzeichen einer fortgeschrittenen systemischen Mastozytose (advSMA) sein (1). Die Bestimmung der Serum-Tryptase sowie einer KIT-D816V-Mutation ermöglichen eine erste Diagnostik in der dermatologischen Praxis (2). Der Multikinasehemmer Midostaurin (Rydapt®) kann bei Patienten mit advSM die Symptomlast verringern und das Überleben verbessern (3, 4).
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Die fortgeschrittene systemische Mastozytose ist eine schwere Erkrankung, die die Lebenserwartung und Lebensqualität Betroffener stark einschränken kann (5, 6). Oft äußert sie sich durch Hauterscheinungen (1, 7). Dem Dermatologen kommt daher eine entscheidende Rolle in der Diagnostik der advSM zu. Im Rahmen eines Webcasts von Novartis erläuterte PD Dr. med. Frank Siebenhaar, Leiter der Mastozytose-Sprechstunde des Mastozytose-Centrums der Charité in Berlin, erste Anzeichen der Erkrankung sowie diagnostische Möglichkeiten in der dermatologischen Praxis. Zur Behandlung von Patienten mit advSM steht der Multikinasehemmer Rydapt® (Midostaurin) zur Verfügung. Midostaurin ist zugelassen als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit aggressiver systemischer Mastozytose (ASMB), systemischer Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHNC) oder Mastzellleukämie (MCLD) (3).

advSM: unspezifische Symptome erschweren Diagnosestellung

Die Symptome der advSM sind häufig unspezifisch und können sehr unterschiedlich sein. Abhängig vom infiltrierten Organ treten etwa Anämie, Leberdysfunktion, Malabsorption oder Gewichtsverlust auf. Die Patienten leiden zudem oft unter belastendem Pruritus, körperlicher Schwäche und Diarrhö (2, 8, 9). Die große Bandbreite unspezifischer Symptome führt dazu, dass die Erkrankung oft erst spät diagnostiziert wird (10). Die Prognose der Erkrankung ist zudem schlecht: Das mediane Überleben ab Diagnosestellung liegt zwischen 6 Monaten und 3,5 Jahren (5, 11). Um das Überleben und die Symptomlast der Patienten zu verbessern, ist eine frühzeitige Erkennung der advSM von großer Bedeutung (12).

Betroffene stellen sich häufig zuerst beim Dermatologen vor

Hautsymptome können u.a. eines der klinischen Anzeichen einer advSM sein (1). Oft suchen Betroffene mit advSM daher zuerst einen Dermatologen auf. Man findet makulo-papulöse, rötlich-bräunliche, punktförmige irritable Hautläsionen, früher „Urtikaria pigmentosa“ genannt.7 Im Krankheitsverlauf können die Läsionen auch konfluierend sein (7). Zusätzlich ist das Darier-Zeichen hinweisend: Streicht man mit einem Holzspatel über die Haut, zeigt sich im Bereich der Läsionen eine Rötung (7).

Weitere Anhaltspunkte auf das Vorliegen einer advSM können gastrointestinale Beschwerden geben (13, 14). Oft treten bei Patienten mit advSM auch schwere Anaphylaxien auf (15). Generell sollte bei Patienten mit schwerer Anaphylaxie auch immer eine systemische Mastozytose in Betracht gezogen werden (15). Häufiges zusätzliches Merkmal der advSM ist eine Osteoporose oder Osteopenie unklarer Ursache (16).

advSM-Diagnostik beim Dermatologen: Serum-Tryptase, KIT-D816V-Mutation

Als weiterführende diagnostische Parameter stehen dem Dermatologen die Messung des Serum-Tryptase-Spiegels sowie das Bestimmen einer KIT-D816V-Mutation im Blut zur Verfügung (2). Ist die Serum-Tryptase erhöht und der Test auf KIT-D816V-Mutation positiv, kann ziemlich sicher auf eine systemische Mastozytose geschlossen werden (10, 17). Dabei gilt: Je höher die Mutationslast, umso fortgeschrittener ist meist die Erkrankung (18). Erhärten beide Tests den Verdacht auf eine systemische Mastozytose, sollte im nächsten Schritt eine Überweisung an den Hämato-Onkologen erfolgen.

Therapie der advSM

Ziel der Therapie bei advSM ist die Reduktion der Symptome (19). Seit Herbst 2017 haben sich die Behandlungsoptionen mit Einführung des antiproliferativ wirksamen Multikinasehemmers Midostaurin (3) bei erwachsenen Patienten stark verbessert. Midostaurin kann die Symptomlast signifikant reduzieren und zeigte im Vergleich zu historischen Kontrollen eine Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens von 19,5 auf 41,4 Monate (3, 4, 20). Als häufigste nicht-hämatologische unerwünschte Ereignisse wurden im Rahmen der Studien Übelkeit und Erbrechen beobachtet (20).

AadvSM: advanced systemic mastocytosis
BASM: aggressive systemische Mastozytose
CSM-AHN: systemische Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie
DMCL: Mastzellleukämie

 

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Magliacane D et al.: Current concepts on diagnosis and treatment of mastocytosis. Transl Med UniSa 2014; 8:65-74.
(2) Pardanani A.: Systemic mastocytosis in adults: 2015 update on diagnosis, risk stratification, and management. Am J Hematol 2015; 90:251-262.
(3) Fachinformation Rydapt®.
(4) Reiter A et al.: Pooled survival analysis of midostaurin clinical study data(D2201 + A2213) in patients with advanced systemic mastocytosis (ADVSM) compared with historical controls. EHA, Madrid, 22. – 25.06.2017.
(5) Lim KH et al.: Systemic mastocytosis in 342 consecutive adults: survival studies and prognostic factors. Blood 2009; 113:5727-5736.
(6) Gotlib J et al.: Durable responses and improved quality of life with midostaurin (PKC412) in advanced systemic mastocytosis (SM): Updated stage 1 results of the global D2201 trial. Blood 2013; 122(21):106.
(7) Hartmann K, et al.: Cutaneous manifestations in patients with mastocytosis: Consensus report of the European Competence Network on Mastocytosis; the American Academy of Allergy, Asthma & Immunology; and the European Academy of Allergology and Clinical Immunology. J Allergy Clin Immunol 2016; 137(1):35-45.
(8) Arock M et al.: Current treatment options in patients with mastocytosis: status in 2015 and future perspectives. Eur J Haematology 2015; 94(6):474-494.
(9) Verstovsek S.: Advanced systemic mastocytosis: the impact of KIT mutations in diagnosis, treatment and progression. Eur J Haematol 2013; 90(2):89-98.
(10) Pardanani A et al.: Systemic Mastocytosis in adults: 2019 update on diagnosis, risk startification and management. Am J Hematol 2019; 94(3):363-377.
(11) Georgin-Lavialle S et al.: Mast cell leukemia. Blood 2013; 121(8):1285-1295.
(12) Valent P et al.: Multidisciplinary Challenges in Mastocytosis and How to Address with Personalized Medicine Approaches. Int J Mol Sci 2019; 20(12):2976.
(13) Sokol H et al.: Gastrointestinal manifestations in mastocytosis: A study of 83 patients. Allergy Clin Immunol 2013; 132:866-873.
(14) Lee JK et al.: Gastrointestinal manifestations of systemic mastocytosis. World J Gastroenterol 2008; 14(45):7005-7008.
(15) Gülen T et al.: High prevalence of anaphylaxis in patients with systemic mastocytosis - a single-centre experience. Clin Exp Allergy 2014; 44(1):121-129.
(16) Guillaume N et al.: Bone complications of mastocytosis: a link between clinical and biological characteristics. Am J Med 2013; 126(1):75.e1-7.
(17) Valent P.: Diagnosis and management of mastocytosis: an emerging challenge in applied hematology. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2015; (1):98-105.
(18) Erben P et al.: The KIT D816V expressed allele burden for diagnosis and disease monitoring of systemic mastocytosis. Ann Hematol 2014; 93(1):81-88.
(19) Cantoni N.: Die systemische Mastozytose. Swiss Medical Forum – Schweizerisches Medizin-Forum 2019; 19(31–32):497-498.
(20) Gotlib J et al.: Efficacy and safety of midostaurin in advanced systemic mastocytosis. N Engl J Med 2016; 374(26): 2530-2541.


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