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Medizin

01. Juli 2015 DEGRO: Individualisierte Behandlungskonzepte in der Strahlentherapie

Individualisierung der Therapie, stereotaktische Bestrahlung und multimodale Behandlungskonzepte sind die herausragenden Themen, welche die Experten der DEGRO behandelten. Die Strahlentherapie hat sich in den letzten 20 Jahren rasant weiterentwickelt. Das hat mit strahlenbiologischen Erkenntnissen, genauer Bildgebung und präzisen Strahlungstechniken zu tun. Sie ist heute in multimodale Behandlungskonzepte eingebunden und eine der drei Säulen der Krebstherapie.

Tagungspräsident Prof. Florian Würschmidt erklärte: „Durch bessere Charakterisierung der Tumoren und zunehmendes Wissen über deren unterschiedliches Verhalten können wir die Therapien für viele unserer Patienten individueller gestalten.“ Dies bedeute einerseits weniger aggressive Verfahren für Tumoren mit niedrigem Risikopotenzial für einen Rückfall, erklärt der Strahlentherapeut der Radiologischen Allianz Hamburg. So zum Beispiel mit der nur einmalig während einer Operation stattfindende Bestrahlung bei bestimmten Typen des Mammakarzinoms. Auch die verkürzte Brustkrebsbestrahlung mit einer sogenannte Hypofraktionierung gehöre dazu, bei der die Behandlungsdauer, die sich früher auf bis zu 6 Wochen erstreckte, auf 3-4 Wochen verkürzt werden kann.

Ein anderes Beispiel seien aggressiv wachsende Mammakarzinome, die intensiver therapiert werden müssen. Professor Würschmidt: „Wir stellten auf dem Kongress Daten einer Studiengruppe vor, die darauf hindeuten, dass bei Tumoren mit höherem Risiko auch nach präoperativer Chemotherapie und anschließender kompletter Entfernung der Brustdrüse (Mastektomie) bzw. brusterhaltender Operation die zusätzliche Radiotherapie signifikant die Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert.“ Wenn Krebstumoren streuen, also Fernmetastasen bilden, kam Strahlentherapie in der Vergangenheit nur zum Einsatz, um Schmerzen oder andere Symptome zu lindern.

Prof. Cordula Petersen, Tagungspräsidentin der DEGRO und Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, erklärte: „Punktgenaue Bestrahlungstechniken ermöglichen es heute, Metastasen auch dort zu beseitigen, wo eine chirurgische Operation zu riskant wäre.“ Moderne Bestrahlungsgeräte richten die Strahlen von mehreren Seiten auf ihr Ziel und zerstören wie ein Brennglas den Tumor, während das umgebende Gewebe geschont wird. Das Verfahren heißt stereotaktische Strahlentherapie (Stereotaxie) und wurde ursprünglich bei Hirnmetastasen eingesetzt. Möglich wird dieses Vorgehen durch verbesserte bildgebende Verfahren und eine Therapieüberwachung in Echtzeit. Petersen: „Die Tumoren können mit teils sehr hohen Einzeldosen mit wenigen Behandlungsfraktionen erfolgreich therapiert werden.“ Was früher vor allem für Hirnmetastasen galt, funktioniert nun auch bei Metastasen am Körperstamm, etwa in der Lunge, der Leber und bei Gallengangtumoren, die auf diese Weise unblutig entfernt werden können. Die Ergebnisse sind mittlerweile genauso gut wie mit einer Operation. Würschmidt ergänzte: „Die Stereotaxie kann hierbei an einem Behandlungstag eingesetzt werden. Wir sprechen dabei auch von ‚Radiochirurgie‘. Wird sie auf mehrere Behandlungstage verteilt, handelt es sich um eine fraktionierte stereotaktische Strahlentherapie.“

Quelle: DEGRO


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