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Medizin
23. März 2020

CUP-Tumoren: Präzisionsonkologie mit molekularer Testung

Gerade bei schwierig zu behandelnden Tumorentitäten wie den CUP-Tumoren, bei denen der Primarius nicht bekannt ist, kann eine molekulargenetische Untersuchung – etwa mit einer Hybrid Capture NGS – einen erheblichen Benefit für den Patienten mit sich bringen, erklärte Prof. Dr. med. Alwin Krämer, Heidelberg, während des Deutschen Krebskongresses 2020 in Berlin. Aufgrund der stetig sich verändernden Therapiesituation ist aber auch eine möglichst umfassende Testung bei dafür schon vorgesehenen Tumoren wie dem Nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ratsam.
Bei CUP*-Tumoren, so Krämer, ist die Prognose mit einem Gesamtüberleben (OS) von median 9 Monaten als schlecht zu bezeichnen. Gemäß verschiedener Studien, so der CUP-Experte, weisen aber rund 30% der CUP-Patienten potenziell therapierbare genetische Alterationen auf (1). Eine umfassende molekulargenetische Charakterisierung ist daher aufgrund des unbekannten Primärtumors von großer Bedeutung. So kann mit dem Next Generation Sequencing (NGS), welches die Basis des FoundationOne®-Assays darstellt, parallel auf mehrere hundert genetische Alterationen des Tumors in bis zu 324 Genen getestet werden. Mit einer Multigen-Panel-Analyse auf NGS-Basis können molekulare Treiber des CUP identifiziert werden.

CUPISCO-Studie: Personalisierte Therapieoption

Das resultierende molekulare Muster kann die Therapieentscheidung maßgeblich unterstützen. Dabei sind molekulargenetische Marker, die vorrangig spezifischen Tumor-Entitäten zugeordnet werden, genauso relevant wie indikationsübergreifende Marker wie beispielsweise die NTRK-Genfusionen.
Krämer machte in diesem Zusammenhang auf die laufende CUPISCO-Studie aufmerksam. Sie untersucht, ob und inwiefern CUP-Patienten mit einem nachgewiesenen molekulargenetischen Marker von einer personalisierten Therapie profitieren können. Basierend auf den Tumorprofilen, die mittels FoundationeOne® CDx oder FoundationOne® LIQUID erstellt werden, erhalten die Patienten entweder eine dem Tumorprofil entsprechende personalisierte Therapieoption sowie Krebsimmuntherapie oder im Kontrollkollektiv eine Platin-haltige Chemotherapie.

NGS mit breitem Spektrum umfassend einsetzen

Wie wichtig eine umfassende Testung auch für Tumorentitäten ist, bei denen bereits eine molekulare Genanalyse zum Alltag gehören sollte, erläuterte Prof. Dr. med. Sebastian Stintzig, Charité Berlin, anhand von Ergebnissen einer Real-World-Data Studie aus den USA. In der Studie erhielten 5.112 Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC eine umfassende Paneldiagnostik (FoundationOne®) im Rahmen der klinischen Routine.
85% (4.371) dieser Patienten wiesen eine genomische Veränderung auf, welche mit einer molekular-zielgerichteten Therapie assoziiert war. Bei 52% (2.664) der Patienten stellte die molekular-zielgerichtete Therapie eine im NSCLC zugelassene Option dar. Weiterhin konnten 10% der Patienten in eine klinische Studie eingeschlossen werden, für eine Therapie außerhalb aktueller Zulassung (2).

Stintzig fasst zusammen: Eine Präzisionsonkologie sowie breite NGS-Paneldiagnostik ist – oder sollte sein – bereits Standard bei einigen Tumoren, wie dem NSCLC. Bei Patienten mit gut definierter Erst- und Zweitlinienoption sollte nach Progress an eine Paneldiagnostik gedacht werden (evtl. auch mit erneuter Biopsie). Bei seltenen Erkrankungen, die über keine definierte Erst- oder Zweitlinientherapie verfügen, sollte zu Beginn der Erkrankung eine breite genetische Diagnostik erfolgen.

*CUP – Cancer of unknown Primary

Reimund Freye

Quelle: Satellitensymposium: Personalisierte Medizin – neue Wege in der Onkologie, DKK 2020, Berlin, 20.02.2020; Veranstalter: Roche

Literatur:

(1) Varghese AM et al., Ann Oncol 2017; 28(12): 3015-21.
(2) modifiziert nach Mascaux C et al., ASCO 2019, Poster Session; Abstract No. 9076.


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