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Medizin

13. Mai 2020 COVID-19 in der onkologischen Praxis

Wie sich die SARS-CoV-2-Pandemie auf den (gyn-)onkologischen Behandlungsalltag niederschlägt und was die bestehenden Einschränkungen für Onkologen und onkologische Patienten bedeuten, berichtete Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jalid Sehouli, Direktor der Frauenklinik der Charité im Interview mit Dr. med. Petra Sandow, Berlin.
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Kein Zusammenhang zwischen Lieferengpässen und SARS-CoV-2

Den derzeit viel zitierten Arzneimittelengpass bei Onkologika verneint Sehouli. „Bestimmte Generika waren schon vor Corona oft schlecht lieferbar, Arzneimittelengpässe haben nicht so viel mit COVID-19 zu tun“. „Immerhin waren schon 2019 von den 450 Millionen Rabattarzneimitteln in der GKV ca. 4,7 Millionen nicht lieferfähig.“

Rückbesinnung auf therapeutische Grundsätze

Als besonders wichtig erachte er, sich gerade in Pandemie-Zeiten auf die therapeutischen Grundsätze zurückzubesinnen: „Die Therapiequalität steht an erster Stelle. Welche Therapie mit welchem Therapieziel? Welche Ressourcen habe ich als Arzt? Welche Ressourcen hat der Patient? Das sind die Fragen, die sich der Arzt immer stellen muss – auch in Krisensituationen!“ Diese Überzeugung deckt sich auch mit den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Operational Planning Guidelines (1). „Darüber muss ein Dialog geführt werden, auch disziplinenübergreifend“, sagte Sehouli.

Bedeutung für gyn-onkologische Chirurgie und medikamentöse Krebstherapie

Sehouli berichtete von einer generell großen Angst und Sorge bei onkologischen Patienten, die sich durch die zusätzliche Ungewissheit und fehlende Planbarkeit von Operationsterminen deutlich verstärkt hat: „Wird sich meine Prognose verschlechtern? Wird mein Krebs fortschreiten, wenn ich länger auf die Therapie warten muss? Werde ich überhaupt behandelt?“ dies sind die Fragen, mit denen Onkologen sich derzeit häufig konfrontiert sehen.
Aber auch unter den Ärzten habe sich Unsicherheit breit gemacht, v.a. im Umgang mit den Patienten und ihren Angehörigen. „Man stellt sich als Arzt plötzlich Fragen wie "Wie schütze ich mich? Wie schütze ich meine Familie?", sagte Sehouli. „Man macht sich Sorgen um schwierigere Operationsbedingungen. Generell hat ein Gefühl der Machtlosigkeit sowohl die Patienten als auch die Ärzte ergriffen.“ Deshalb sei es um so wichtiger, sich die Zeit für Gespräche mit Patienten zu nehmen und ihnen zu erklären, warum z.B. ihre Operation verschoben wird.

Potentielle Gründe für die Beschränkung operativer Eingriffe

Gründe können sein:
 
  • Einsparungsmaßnahmen (Schutzkleidung, Personalkapazität),
  • Reduktion persönlicher Kontakte – intraoperative Einhaltung von Sicherheitsabständen erschwert
  • Ressourcen-Einsparung für COVID-19-Patienten (Betten-Einsparung, Intensivkapazität/Beatmungsplätze, Medikamente/Blutprodukte)
  • Personalschutz (Risikosituation: In- und Extubation, Minimierung von direktem Patientenkontakt per se)
Maßnahmen der Charité

Aufgrund dieser herausfordernden Umstände läuft der Klinikbetrieb an der Charité nach folgenden Leitlinien:
  • Anspruch auf optimale und personalisierte Krebstherapie (Alle Therapieziele sind wichtig: Heilung, rezidivfreies Überleben, Symptomatik, Lebensqualität)
  • Ausbau und größeres Angebot bei der ambulanten Krebstherapie
  • 2-Meter-Abstandsregel
  • Mundschutz/Behelfsmasken für Patientinnen und Angehörige
  • Reduktion der Laborentnahmen auf Mindestmaß
Sehouli sprach sich dafür aus, diese Leitlinien flächendeckend in deutschen Kliniken einzuführen.

Quelle: Quelle: Webinar „COVID-19 in der Praxis – Welche Hinweise kann die Onkologie geben?“, 13.05.2020; Veranstalter: esanum

Literatur:

(1)   WHO Operational Planning Guidelines. https://openwho.org/courses/UNCT-COVID19-preparedness-and-response-EN


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