Samstag, 5. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Vargatef
Vargatef
Medizin

11. Oktober 2020 COVID-19: Die Impfstoffentwicklung

Bei den „COVID-19-Essentials“ der Jahrestagung 2020 der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) stellte Dr. Rolf Hömke, vfa, das aktuelle Scoreboard zur Entwicklung der COVID-19-Impfstoffe vor. Momentan befinden sich 166 Studien in der Erprobungsphase an Tieren, 15 sind in die klinische Phase eingetreten, 12 in Phase II und 10 in Phase III. Die Phase-I-Studien umfassen je 10-30 Probanden, die Phase-II-Studien je 50.000, und an den Phase-III-Studien nehmen je 30.000-60.000 Probanden teil. Darüber hinaus prüft die European Medicines Agency (EMA) in 2 rolling reviews noch laufende Phase-III-Studien. Bislang wurde noch kein Impfstoffkandidat zugelassen.
Anzeige:
Hämophilie
Kritik

Ein häufiger Kritikpunkt an den laufenden Impfstoffstudien ist die Kürze der Zeit, in der die Impfstoffkandidaten in die klinische Phase eintreten konnten. Hömke erklärt die Schnelligkeit der Studien mit dem Vorwissen, den Impfstoff-Plattformen, der raschen Finanzierung, der Kooperation sowie der Priorisierung: „Man konnte das Vorwissen aus Impfstoffstudien anderer Coronaviren wie SARS und MERS, die in der Entwicklung sind, bzw. waren, nutzen. In den bestehenden Impfstoff-Plattformen steht geschultes Personal zur Verfügung, das diese Impfstoffe schnell an neue Erreger anpassen kann. Darüber hinaus kam es zu einer beispiellos schnellen Freigabe von Finanzmitteln – durch die CEPI – die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations – durch Regierungen und die EU. Auch die niederschwellige Kooperation zwischen Experten, der Erkenntnisaustausch, die Angebote zur Zusammenarbeit und die Teilnahme der Studienzentren waren entscheidend. Letztlich hat auch die Priorisierung durch Arzneimittelbehörden und Ethik-Kommissionen der Forschung den entscheidenden Schub gegeben“, betonte Hömke.

Gängige Impfstofftypen gegen COVID-19

Hömke stellte auch die gängigsten Impfstofftypen gegen COVID-19 vor: Diese sind Subunit-, Vektorviren- und RNA-Impfstoffe. „Subunit-Impfstoff sind Totimpfstoffe, die nur noch bestimmte Antigene eines Krankheitserregers enthalten. Subunitvakzinen erzeugen wie Spaltvakzinen aufgrund der intensiveren Reinigung des Erregers weniger Nebenwirkungen als Vollimpfstoffe. Sie sind jedoch weniger immunogen als Spaltvakzinen, da ihnen wichtige Antigene fehlen. Ist die Subunit selbst kein Protein, kann die Immunogenität durch Konjugation an ein Carrierprotein gesteigert werden“, erläuterte Hömke. „Bei Vektorimpfstoffen wird das Genmaterial für ein Impfantigen in ein infektionsfähiges, gut bekanntes Trägervirus eingebaut, das dann als Impfstoff injiziert wird. Dieser Vektor dient als eine Art Genfähre, die genetisches Material in die Körperzellen einschleust. Dort wird das zusätzliche Gen für das Impfantigen in dem Vektorvirus abgelesen und in ein virales Protein übersetzt, das dann im Geimpften die Produktion von Antikörpern und spezifischen T-Zellen gegen dieses Antigen provoziert“, so Hömke. Vektorimpfstoffe sind eine klassische Plattformtechnologie: Wenn einmal ein geeignetes Trägervirus etabliert ist, lässt sich auf dieser Basis prinzipiell gegen jeden gewünschten Erreger ein Vakzin entwickeln. Wenn der Impfstoff gegen Ebola gerichtet sein soll, wird dem Vektorvirusgenom ein Ebola-Gen zu-gefügt, bei SARS-CoV-2-Impfstoffen entsprechend ein Gen des neuartigen Coronavirus. mRNA-Impfstoffe sind eine Gruppe von Impfstoffen, welche Messenger RNA mit genetischer Information von Antigenen enthalten. Sie werden in erster Linie für die Vorbeugung viraler oder bakterieller Infektionskrankheiten eingesetzt und für die Behandlung von Krebserkrankungen untersucht. Im Unterschied zu den klassischen Impfstoffen enthalten sie keine Proteine, sondern Nukleinsäuren. Die Antigene werden nach der Verabreichung vom Körper selbst gebildet. Das Immunsystem erkennt sie und reagiert mit der Bildung von Antikörpern. „Wir haben also verschiedene Optionen. Welcher Impfstofftypus letztlich zum Erfolg führt, kann noch nicht abschließend beurteilt werden“, meinte Hömke.

Impfplan des Robert-Koch-Instituts

Trotzdem zeigte sich Hömke davon überzeugt, dass noch im ersten Halbjahr 2021 mit den ersten zugelassenen Impfstoffkontingenten zu rechnen sei. Bestätigt sich dieser Optimismus, so obliege die Vergabe des Impfstoffes nicht dem produzierenden Pharmaunternehmen, machte Hömke deutlich: „Der Pandemieplan des Robert-Koch-Instituts, der derzeit überarbeitet wird, sieht vor, dass in dieser Priorisierung geimpft wird: 1. Medizinisches Personal, 2. Senioren, 3. chronisch Kranke, 4. Personen mit infrastruktur- oder gesellschaftsrelevanten Berufen, also Polizisten, Lehrer, Regierungspersonal etc., 5. die übrige erwachsene Bevölkerung und schließlich 6. Minderjährige, sobald auch für sie Impfstoffe zugelassen sind“.

SM

Quelle: Virtuelle Veranstaltung „Essentials SARS-CoV2 / COVID-19, Session I“, 11.10.2020, Veranstalter: DGHO


Anzeige:
Piqray

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"COVID-19: Die Impfstoffentwicklung "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab