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12. Juni 2021
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COVID-19: Hepcidin ist ein Marker für Schweregrad und Mortalität

Für eine Infektion mit SARS-CoV-2 sind mehrere Risikofaktoren bekannt, darunter fortgeschrittenes Alter, männliches Geschlecht, starke Entzündungsreaktion, Neutropenie und Lymphopenie; neuerdings zählt auch Eisenmangel dazu. Hepcidin ist ein Peptidhormon der Leber, das an der Regulation der Eisenkonzentration im Plasma beteiligt ist und mit Eisenstoffwechsel und Entzündung in Verbindung steht. Hepcidin wird nämlich sowohl durch Eisen als auch durch proinflammatorische Zytokine positiv reguliert. Seine Rolle als potenzieller Biomarker für den Schweregrad von COVID-19 wurde zuvor nicht eingehend untersucht. In der auf dem ASCO präsentierten Studie wurde untersucht, ob Plasma-Hepcidin bei Hospitalisierung als Marker für COVID-19 Schweregrad und Mortalität angesehen werden kann (1).
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In einer Kohorte von 111 italienischen COVID-19-Patienten, die zwischen dem 18. März und 5. Mai 2020 am Universitätsklinikum San Raffael in Mailand (Italien), einem regionalen COVID-19-Referenzkrankenhaus, hospitalisiert waren, wurden die Hepcidin- und Eisenspiegel im Plasma analysiert. Die COVID-19-Diagnose basierte auf einer positiven Real-time-Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) aus einem Nasen- und/oder Rachenabstrich sowie Anzeichen, Symptomen und/oder radiologischen Befunden, die auf COVID-19 hindeuteten.
 
 

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Das mediane Alter der Kohorte betrug 57,6 (48,5-66,3) Jahre und umfasste überwiegend Männer (64%). Bei Aufnahme wurden Blutproben entnommen und das Plasma sofort abgenommen sowie eingefroren, bis es auf die Konzentration von Eisen, Hepcidin (ELISA-Kit von Intrinsic LifeSciences), proinflammatorischen Markern wie C-reaktives Protein (CRP) und Ferritin, sowie einigen an der Hepcidin-Modulation beteiligten Zytokinen, wie Interleukin IL-6, IL-1b, TNF-a und Interferon gamma (IFNg), analysiert wurde.

Ergebnisse

In dieser Kohorte von COVID-19-Patienten lag die Eisenkonzentration bei 93,7 % der Patienten unter dem Normalbereich, während der Hepcidinspiegel bei 61,3 % der Patienten signifikant erhöht war. Auch wenn man bedenkt, dass Eisenmangel die Hepcidin-Expression unterdrückt, ist selbst normales Hepcidin in den meisten Fällen unangemessen hoch. Patienten mit erhöhten Hepcidin-Werten waren signifikant älter und hatten höhere Konzentrationen von Entzündungsmarkern (CRP und Ferritin) und Zellschäden (AST und LDH).
 
 

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Dabei fand sich eine negative Korrelation mit dem Schweregrad der respiratorischen Insuffizienz, die sich im PaO2/FiO2-Verhältnis widerspiegelte. Die Rolle von Hepcidin wird durch die Kaplan-Meier-Überlebenskurve untermauert und durch die Regressionsbaumanalyse bestätigt, die Hepcidin als wichtigsten Prädiktor für den Tod zusammen mit anderen anerkannten Prädiktoren identifiziert. Allerdings waren die Eisenspiegel ohne Einfluss auf das Überleben, möglicherweise wegen einheitlich niedriger Spiegel aller Patienten.

Anzumerken ist noch, dass bei Analyse allein der kritischen Patienten auf Intensivstation ein hoher Hepcidin-Spiegel die Mortalität voraussagte, unabhängig von Alter, Lungenfunktion, Entzündung und Gewebeschaden.

Fazit

Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass Hepcidin als Marker für Morbidität und Outcome von COVID-19 angesehen werden kann, was insbesondere bei schwer beeinträchtigten Patienten auf Intensivstation von Bedeutung ist (Nai et al., AJH 2021). In weiteren Studien ist zu überprüfen, ob ein Targeting der Hepcidin-Achse den Krankheitsverlauf beeinflussen kann.

Eva Gottfried

Quelle: EHA 2021

Literatur:

Silvestri L et al. EHA Library.  06/09/21; 324687; S279
 


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