Donnerstag, 26. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 
Medizin

09. Juni 2020 COVID-19: ESMO-Empfehlungen zur Therapie von Brustkrebspatientinnen

Die Behandlung von Brustkrebspatientinnen während der aktuellen Pandemie aufgrund des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 stellt eine Herausforderung dar, da es bislang diesbezüglich wenig Evidenz gibt. Im Rahmen des Hauptvortrags (Keynote lecture) auf dem ESMO Breast Cancer Virtual Meeting 2020 betonte Prof. Dr. med. Sibylle Loibl, Frankfurt, Chair der Studiengruppe German Breast Group, dass die Patientinnen auch derzeit möglichst gemäß dem Standard der Evidenz-basierten Empfehlungen behandelt werden sollten und zudem die Therapie angepasst werden müsse, um die Patientensicherheit weiterhin zu gewährleisten (1).
Anzeige:
Xospata
 
Grundsätzlich wird auch in einer herausfordernden Situation wie dieser nach dem sog. PDCA -Zyklus vorgegangen, um die Arbeitsabläufe und alle verfügbaren Möglichkeiten optimal zu steuern und zu nutzen.

Der PDCA-Zyklus

PDCA heißt Plan – Do – Check – Act, wobei Planen („Plan“) die Guidelines und Priorisierung der Patienten bedeutet, während die Umsetzung des Plans („Do“) die Triage und die adäquate Behandlung beinhaltet. Als nächstes werden die Ergebnisse überprüft („Check“) und schließlich das Outcome diskutiert und ggf. optimiert („Act“). „Angesichts der SARS-CoV-2-Krise muss die Behandlung von Krebspatienten entsprechend angepasst werden“, führte Loibl an. Zu diesem Zweck wurde kürzlich ein Konzept in Form einer Leitlinie für die Priorisierung der Anwendung von Strahlen- und systemischen Therapien während der Pandemie bei allen Tumorarten veröffentlicht (2). Patientinnen mit Brustkrebs werden hier der mittleren Priorität zugeordnet. Die ESMO gab Empfehlungen für das Management und die Behandlung von Brustkrebspatientinnen heraus, die sich an diesem Konzept orientieren und die jeweiligen Prioritäten ähnlich in hoch, mittel und niedrig einteilen (3).

Einteilung der Priorität

Zu den Hochrisiko-Patientinnen gehören demnach u.a. Patientinnen mit postoperativen Komplikationen, schwangere Brustkrebspatientinnen, Patientinnen, die bereits eine Strahlentherapie erhalten, sowie Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom (TNBC), die sich einer neoadjuvanten und adjuvanten Chemotherapie unterziehen. Diese müssen laut Loibl in der Klinik behandelt werden. Für diese Patienten mit hoher Priorität, die die Klinik aufsuchen müssen, hätten viele Kliniken Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um sie vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen.
Ein mittleres Risiko besteht u.a. nach Exzision eines Rezidivs (abhängig von Phänotyp und Umfang), bei diskordanten Biopsien, von denen angenommen wird, dass sie bösartig sind und im Rahmen einer adjuvanten postoperativen Radiotherapie bei Brustkrebspatientinnen mit niedrigem/intermediärem Risiko; als niedrige Priorität betrachtet werden z.B. die Exzision gutartiger Läsionen, Brustrekonstruktion mit autologem Gewebe und ein Carcinoma in situ. Prophylaktische Operationen bei Hochrisiko-Patientinnen, die asymptomatisch sind, werden ebenfalls als „niedrige Priorität“ eingestuft.

Unterstützende Maßnahmen

Im Zusammenhang mit COVID-19 gibt es für Brustkrebspatientinnen spezielle Empfehlungen. So können einige Untersuchungen und Termine verschoben werden oder möglichst in der Nähe des Wohnortes stattfinden, um unnötige Fahrten zu vermeiden. Außerdem sollte, wann immer möglich, eine telemedizinische Betreuung erfolgen. „Wir sollten auch vermehrt über unterstützende Behandlungen nachdenken, um Toxizitäten zu vermeiden, insbesondere Toxizitäten, die mit einem höheren Infektionsrisiko, wie z.B. Neutropenie, einhergehen. Die Patienten können Wachstumsfaktoren erhalten oder Antibiotika, um das Neutropenie-Risiko zu minimieren“, erläuterte Loibl.  LHRH (LH-Releasing-Hormon)-Analoga könnten nur alle 3 Monate statt monatlich verabreicht werden, um die Klinikaufenthalte zu reduzieren. „Wir empfehlen hier eine monatliche Gabe zu Hause durch den Patienten oder durch das Pflegepersonal. Grundsätzlich müssen wir unsere Methoden während der Pandemie behutsam anpassen und dürfen nicht überreagieren. Andernfalls riskieren wir die Sicherheit der Patienten. Auch die Integrität unserer klinischen Studien könnte  in Frage gestellt werden, wenn diese temporär unterbrochen oder abgebrochen werden“, betonte Loibl abschließend.

ah

Quelle: ESMO Breast Cancer Virtual Meeting 2020

Literatur:

1. Loibl S. Keynote lecture: Breast Cancer Treatment and Clinical Trials during COVID 19 Crisis. ESMO Breast Cancer Virtual Meeting 2020.
2. Marie von Lilienfeld-Toal et al. Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen, Onkopedia-Leitlinie, März 2020. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html
3. ESMO Management and treatment adapted recommendations in the COVID-19 Era: Breast Cancer 2020. https://www.esmo.org/guidelines/cancer-patient-management-during-the-covid-19-pandemic/breast-cancer-in-the-covid-19-era


Anzeige:
Darzalex
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"COVID-19: ESMO-Empfehlungen zur Therapie von Brustkrebspatientinnen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab