Samstag, 27. Februar 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
CAR T Prelaunch
CAR T Prelaunch
 
Medizin

14. Juni 2017
Seite 1/2
Cholangiokarzinom: Molekulare Ursachen bei Mäusen

Was begünstigt die Entstehung von Gallengangskrebs in der Leber? Sind dafür andere Faktoren verantwortlich als für die weitaus häufigeren Leberzellkarzinome? Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und von der Technischen Universität München haben erstmals die molekularen und zellulären Ursachen entschlüsselt, die bei Mäusen selektiv zur Entstehung von Gallengangskrebs führen. Dabei entdeckten die Forscher auch, dass sich dieser krebsfördernde Prozess mit Antioxidantien oder mit dem Hemmstoff eines Schlüsselenzyms aufhalten lässt.
In der Leber können zwei verschiedene Arten von Krebs entstehen. Die häufigeren bösartigen Tumoren entwickeln sich aus den Leberzellen selbst und bilden das Hepatozelluläre Karzinom. Seltener treten Gallengangskarzinome in der Leber auf, die entweder aus Gallengangszellen oder aus entdifferenzierten Leberzellen hervorgehen. Beide Krebsarten lassen sich schlecht behandeln – und werden in den letzten Jahren immer häufiger diagnostiziert. In den USA sind sie heute die zweithäufigste Krebstodesursache und die Krebsart der am schnellsten steigenden Neuerkrankungsrate.

„Bislang hatten wir kaum Hinweise darauf, was Gallengangskarzinome begünstigt, und deshalb auch keine Möglichkeit, diesen Prozess mit Medikamenten gezielt aufzuhalten“, sagt Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). „Mit unserer aktuellen Arbeit haben wir nicht nur einen wichtigen Signalweg identifiziert, der Gallengangszellen entarten lässt – sondern wir zeigen auch gleich mehrere Möglichkeiten, diesen krebsfördernden Prozess zu unterbrechen.“

An der aktuellen Studie waren neben Heikenwälders Kollegen Dirk Haller von der Technischen Universität auch Forscher vom Helmholtz Zentrum München, vom Universitätsklinikum Tübingen und der Eberhard Karls Universität Tübingen maßgeblich beteiligt. Die Wissenschaftler untersuchten zunächst Leber-Gewebeproben sowohl von Mäusen als auch von Menschen. Dabei entdeckten sie in der Umgebung von Gallengangskarzinomen immer besonders hohe Konzentrationen schädlicher hochreaktiver Sauerstoffverbindungen.

Aggressive Sauerstoffverbindungen als Ursache?

Die aggressiven Sauerstoffverbindungen („ROS“, reactive oxygene species) sind ein typisches Kennzeichen entzündlich veränderten Lebergewebes, etwa bei Virushepatitis oder bei Alkoholmissbrauch. Diese Krankheitsbilder stehen mit erhöhtem Leberkrebsrisiko in Verbindung.

Die Forscher wollten nun wissen, ob die hohen ROS-Konzentrationen ursächlich und spezifisch die Entstehung von Gallengangskarzinomen fördern und ob sie gleichermaßen Leberzellkrebs begünstigen. An der Technischen Universität München gelang es Dirk Haller, Mäuse mit einem spezifischen Defekt in den Mitochondrien der Leber zu züchten. Das führt zu einer hohen Konzentration der aggressiven Sauerstoffverbindungen und simuliert damit die Situation in einer schwer geschädigten Leber.
Nachdem diese Tiere einige Wochen alt waren, fanden sich in ihren Lebern tatsächlich vor allem zahlreiche Wachstumsherde von Gallengangszellen, die Pathologen zweifelsfrei als Krebsvorstufen identifizieren konnten und die auch Tumorstammzellen enthielten. In der Umgebung dieser Wachstumsherde entdeckten die Forscher besonders viele Kupfferzellen. Diese Fresszellen der Leber produzieren den Botenstoff TNF, der wachstumsfördernd auf umgebende Zellen wirkt. TNF aktiviert das Enzym JNK und löst dadurch überschießendes Wachstum der Gallengangszellen aus.

Mäuse dagegen, die keinen TNF-Rezeptor produzieren können, waren vor dem unkontrollierten Wachstum der Gallengangszellen geschützt, ihre Lebern weniger geschädigt und die Tiere lebten länger.
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 

Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Was leisten Prognosetests? Unnötige Chemotherapien vermeiden

Durch die Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, hat sich die Krebstherapie gewandelt. Während früher alle Patienten quasi die gleiche Behandlung wie nach dem „Gießkannenprinzip“ erhielten, steht nun zunehmend der einzelne Patient mit seinen individuellen Tumoreigenschaften im Fokus. Bei Frauen mit Brustkrebs hat diese Entwicklung zu sogenannten Prognosetests geführt, die eine Vorhersage über den Nutzen einer Chemotherapie erlauben,...

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren
© Photographee.eu / fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Experten vermuten, dass viele der jungen Betroffenen erblich vorbelastet sind: Sie sind Trägerinnen eines oder mehrerer schädlich veränderter Gene, die den Tumor entstehen lassen. Die bereits bekannten Hochrisikogene wie etwa BRCA1 oder BRCA2 sind allerdings nur für höchstens ein Viertel der Fälle bei jungen Frauen verantwortlich. Ein Hamburger Forscherteam macht sich nun...

Eine Welt ohne Krebs schaffen

Eine Welt ohne Krebs schaffen
© transurfer - stock.adobe.com

Am 4. Februar fand zum 20. Mal der Welt-Krebstag statt. Das Motto der Union for International Cancer Control /UICC) ist “Create a future without cancer. The time to act is now.”: Eine Welt ohne Krebs schaffen – jetzt handeln. An diesem Tag stehen Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen im Mittelpunkt. Der Berufsverband der Frauenärzte greift das Motto auf und informiert über hochwirksame Strategien, die jede Frau persönlich im Rahmen von...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Cholangiokarzinom: Molekulare Ursachen bei Mäusen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.