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Medizin

16. Dezember 2019 CHMP-Empfehlung für Zulassungserweiterung von Apalutamid + ADT zur Behandlung des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt die Zulassungserweiterung des Androgenrezeptorinhibitors Apalutamid von Janssen, Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson, in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) für die Therapie des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms (mHSPC) (1). Die Empfehlung des CHMP wird nun von der Europäischen Kommission (EC) überprüft, die final über die Zulassungserweiterung entscheidet.
TITAN-Studie: mHSPC-Therapie mit Apalutamid
 
Die CHMP-Empfehlung beruht auf der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie TITAN, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde (1,2). Apalutamid verlängerte hier im Vergleich zu Placebo, jeweils in Kombination mit einer ADT, das mediane Gesamtüberleben (OS; co-primärer Endpunkt) bei einer Population aus einem breiten Spektrum von mHSPC-Patienten signifikant: Das Risiko zu versterben wurde um 33% reduziert (medianes OS in beiden Armen noch nicht erreicht [NR]; Hazard Ratio [HR] 0,67; 95% CI 0,51–0,89; p=0,005) (2). Die Zweijahres-Überlebensrate betrug nach einem medianen Follow-up von 22,7 Monaten im Verum-Arm 82,4%, im Placebo-Arm hingegen 73,5% (2).
 
Beim zweiten co-primären Endpunkt, dem radiographisch progressionsfreien Überleben (rPFS), ergab sich ebenfalls ein signifikanter Vorteil von Apalutamid plus ADT gegenüber Placebo plus ADT: Das Risiko einen radiographischen Progress zu erleiden oder zu versterben war um 52% reduziert (Median NR vs. 22,1 Monate; HR=0,48; 95%-KI: 0,39-0,60; p<0,001) (2). Auch bei einigen weiteren, sekundären beziehungsweise exploratorischen Endpunkten war Apalutamid im Vergleich zu Placebo (je plus ADT) signifikant überlegen (2, 3).
 
Apalutamid zeigte ein günstiges Verträglichkeitsprofil: Die Nebenwirkungen in TITAN waren meist mild (Grad 1 und 2) und unterschieden sich in den beiden Behandlungsgruppen nicht wesentlich (2). Insgesamt traten Grad-3/4-Nebenwirkungen in beiden Studienarmen fast gleich häufig auf (42,2% vs. 40,8%) (2). Die häufigsten Nebenwirkungen mit einem Schweregrad 3 oder höher, die unter Apalutamid/ADT häufiger auftraten als unter Placebo/ADT, waren meist gut handhabbare Hautausschläge (6,3% vs. 0,6%), wohingegen Hypertonien unter Placebo/ADT häufiger auftraten als unter Apalutamid/ADT (Apalutamid: 8,4% vs. Placebo: 9,1%). Die Rate an Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen lag im Apalutamid-Arm bei 8,0% beziehungsweise 5,3% im Placebo-Arm (je plus ADT) (2).
 
Unmet Need beim mHSPC
 

Für die Therapie des mHSPC gibt es zwar bereits seit einiger Zeit Optionen, beispielsweise Abirateron plus Prednison/Prednisolon (Abirateron/P) in Kombination mit einer ADT – dessen Zulassung gilt jedoch ausschließlich für das neu diagnostizierte mHSPC mit hohem Risiko* (4). Nach der entsprechenden Zulassung können von Apalutamid hingegen mHSPC-Patienten unabhängig von der Vortherapie, dem Progressionsrisiko und der Metastasenlast profitieren, d.h. eine Stratifizierung hinsichtlich Diagnosezeitpunkt und Vorliegen von Hochrisiko-Kriterien, wie für den zulassungskonformen Einsatz von Abirateron/P im mHSPC erforderlich, wird für eine zulassungskonforme Anwendung von Apalutamid nicht erforderlich sein (2).
 
Zulassungsstatus Apalutamid
 
Apalutamid ist seit Januar 2019 für die Therapie des nicht-metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (nm-CRPC, M0CRPC) mit hohem Metastasierungsrisiko (Verdopplungszeit prostataspezifisches Antigen höchstens 10 Monate) zugelassen (5).
 
#Apalutamid ist in der EU bislang nicht zur Behandlung des mHSPC zugelassen.

* Vorliegen von mindestens 2 der 3 folgenden Kriterien: Gleason-Score mindestens 8, mindestens 3 Knochenläsionen, mindestens 1 Viszeralmetastase (Definition Hochrisiko gemäß Zulassungsstudie LATITUDE) (6)

Quelle: Janssen-Cilag

Literatur:

(1) https://www.ema.europa.eu/en/news/meeting-highlights-committee-medicinal-products-human-use-chmp-9-12-december-2019. Letzter Zugriff: 13.12.2019.
(2) Chi KN, et al. Apalutamide for Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. N Engl J Med. 2019, 381(1): 13-24.
(3) Chi KN, et al. First Results From TITAN: a Phase 3 Double-Blind, Randomized Study of Apalutamide Versus Placebo in Patients With Metastatic Castration-Sensitive Prostate Cancer Receiving Androgen Deprivation Therapy. J Clin Oncol. 2019, 37(suppl; abstr 5006 & Oral Presentation). ASCO Annual Meeting 2019. Abrufbar unter: http://abstracts.asco.org/239/AbstView_239_252003.html. Letzter Zugriff: 27.11.2019.
(4) Fachinformation Zytiga®, Stand Februar 2019.
(5) Fachinformation Erleada®, Stand Januar 2019.
(6) Fizazi K, et al. Abiraterone plus Prednisone in Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. N Engl J Med. 2017, 377(4): 352-360.
 


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