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Medizin

27. Februar 2020 Brustkrebs: Strategien zur Individualisierung des Bestrahlungsfeldes

Bei Patientinnen mit geringem Rückfallrisiko kann nach brusterhaltender Operation laut aktueller Leitlinie auch eine Teilbrustbestrahlung statt der Ganzbrustbestrahlung durchgeführt werden. Die neue Therapieoption für die Teilbestrahlung ermöglicht mehr Patientinnen eine auf sie individuell angepasste Therapie.

 
Die Datenlage hat sich in den letzten Jahren geändert, und die neue S3-Leitlinie aktualisierte die Empfehlung zur Teilbrustbestrahlung. In der Fassung der Leitlinie vom August 2019 ist nun nachzulesen: „Eine alleinige Teilbrustbestrahlung (als Alternative zur Nachbestrahlung der ganzen Brust) kann bei Patientinnen mit niedrigem Rezidivrisiko durchgeführt werden.“ Kriterien für ein niedriges Rückfallrisiko sind:
 
  • Die Wechseljahre der Patientin sind abgeschlossen,
  • der Tumor ist klein (Tumorstadium T1-2) und wenig bis mäßig bösartig (G1-2) und
  • die Tumorzellen sind Hormonrezeptor-positiv.

Teilbrustbestrahlung ist nicht unterlegen

Neue Daten zeigen, dass auch die herkömmliche perkutane Teilbrustbestrahlung der Gesamtbrustbestrahlung nicht unterlegen ist. Dazu wurden Ende 2019 mehrere Studien publiziert. „Fazit der neuen Studien ist, dass für Patientinnen mit niedrigem Rückfallrisiko eine partielle Brustbestrahlung auch mittels perkutaner Strahlentherapie angeboten werden kann“, so Prof. Dr. med. Wilfried Budach, Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V. (DEGRO).

Vorteil für Risiko-Patientinnen

Diese ist für Patientinnen von Vorteil, die ein erhöhtes OP-Risiko haben, z.B. aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen, Lungenerkrankungen, Hypertonie oder Diabetes, denn die intraoperative Bestrahlung verlängert die OP- und Narkosezeit. „Diesen Patientinnen können wir nun die perkutane Teilbestrahlung der Brust im Nachgang zur OP anbieten und müssen nicht auf eine Vollbestrahlung bestehen“, so der Experte. „Die verschiedenen Therapiealternativen geben uns die Möglichkeit, jeder Patientin eine individuell ausgerichtete Behandlung zu empfehlen, sodass sie so viel Therapie wie nötig und so wenig wie möglich bekommt. Das 'One fits all'-Konzept hat in der Strahlentherapie ausgedient.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO)

Literatur:

Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Langversion 4.2 – August 2019.  https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-045OL.html,
Strnad V et al. Lancet 2016; 387 (10015): 229-38,
Vaidya JS et al. Lancet 2014; 383 (9917): 603-13,
Whelan TJ al.  Lancet 2019; 394(10215):2165-2172. doi: 10.1016/S0140-6736(19)32515-2,
Vicini FA et al. Lancet 2019; 394(10215):2155-2164. doi: 10.1016/S0140-6736(19)32514-0,
Meattini et al. Accelerated partial breasts irradiation or whole breast irradiation after breast-conserving surgery for patients with breast early cancer: 10-year follow up of the Florence APBI IMRT randomized phase III trial. Presented at San Antonio Breast Cancer Symposium 2019, https://www.abstractsonline.com/pp8/#!/7946/presentation/1921


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