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Medizin
12. Dezember 2012

Brustkrebs: Biologische Tests können Chemotherapien ersparen

Tests, die die genetischen Eigenschaften von Krebszellen untersuchen, können in Zukunft etwa 10.000 Frauen pro Jahr in Deutschland die Chemotherapie ersparen. Die Tests untersucht Gene in der Erbsubstanz von Tumorzellen, die ausschlaggebend sind für die Aggressivität des Tumorgewebes, seine Fähigkeit zur Zellteilung, für seine Fähigkeit, Gewebe und Gefäßwände zu durchdringen, Blutgefäße zu bilden und widerstandsfähig gegen Chemotherapeutika zu sein.

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Die Untersuchungen können bereits vor der Operation an dem Gewebe durchgeführt werden, aber auch an Gewebeproben, die in zurückliegender Zeit bei einer Operation entnommen und in Paraffin konserviert wurden. Führt man diese Erkenntnisse mit weiteren Daten zusammen, etwa der Typisierung des Krebsgewebes und weiteren krankheitsbezogenen Angaben der Patientin, so kann das bei einem großen Teil der Patientinnen den weiteren Verlauf der Erkrankung recht gut vorhersagen.

Anlässlich einer Forschungskonferenz in München diskutierten Expertinnen und Experten aus der Grundlagenforschung, aus Brustkrebszentren und Praxen sowie aus der Statistik, für welche Frauen diese Tests sinnvoll sind. Denn von den etwa 70.000 Frauen, die in Deutschland jährlich an Brustkrebs erkranken, müssen viele auf jeden Fall eine Chemotherapie erhalten, weil die Eigenschaften der Tumorzellen und des Tumorgewebes dies nahelegen; das sind vor allem diejenigen, bei denen die Tumorzellen weder Rezeptoren für Östrogen noch Rezeptoren für das Protein HER2 aufweisen. Bei Frauen, bei denen HER2-Rezeptoren vorliegen, werden heute Arzneimittel angewandt, die sehr zielgerichtet an diesen Rezeptoren angreifen, die Tumorzellen blockieren und im Organismus kaum Nebenwirkungen verursachen.

Etwa die Hälfte der Frauen, die an Brustkrebs erkranken, weisen Östrogenrezeptoren auf; sie erhalten deshalb Antiöstrogene, die die Wachstumswirkung dieser Hormone aufheben. Wenn bei diesen Frauen keine HER2-Rezeptoren gefunden werden, wird derzeit standardmäßig eine Chemotherapie empfohlen, obwohl etwa 70% dieser Frauen, v.a., wenn noch keine Achsellymphknoten befallen sind, von der Therapie langfristig keinen Vorteil haben: Bei ihnen sind die Tumoren wenig aggressiv, sie würden ohnehin keinen Rückfall erleiden. Nur drei von zehn Patientinnen aus dieser Gruppe würden einen Vorteil aus einer Chemotherapie ziehen, weil ihr Krebs sich sonst in den Jahren nach der Operation mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ausbreiten würde.

Die neuen genetischen Tests helfen hier, die harmlosen Krebsarten von den gefährlichen zu unterscheiden, so Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustkrebszentrums der Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität, gemeinsam mit Prof. Dr. med. Achim Rody, Lübeck, Initiatorin der COMBAT-Forschungskonferenzen und Kongresspräsidentin. Sie können teilweise auch vorhersagen, welchen Nutzen eine Patientin von einer Chemotherapie haben wird. Zeigt es sich, dass der Krebs zu den friedlichen gehört, dann kann die Frau auf die Chemotherapie verzichten, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie einen Rückfall erleidet. Und wenn sich ein Krebs bei der Zusammenführung aller Informationen und Daten als aktiv und aggressiv erweist, dann weiß die Frau umso besser, dass die Chemotherapie helfen wird, Rückfälle zu verhindern oder auf jeden Fall für längere Zeit zu verzögern, und dass es sinnvoll ist, diese Behandlung konsequent durchzuführen.

Die genetischen Tests werden bereits von vielen Brustzentren angeboten. Eine Frau mit Brustkrebs, so Prof. Dr. med. Rody, kann sich vor Beginn der Therapie in ihrem Brustzentrum erkundigen, ob dieser Test bei ihr sinnvoll ist, ob er an dem Zentrum durchgeführt werden kann und ob die Kosten für diesen Test von ihrer Krankenkasse übernommen werden.

Quelle: 5. Conference on Molecular Basics and Therapeutic Implications in Breast Cancer (COMBAT), 23.-24.11.2012, München


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