Donnerstag, 4. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Piqray
Medizin

23. Januar 2020 Brustkrebs: 191 Risiko-Gene identifiziert

Zahlreiche genomweite Assoziationsstudien (GWAS) haben in den letzten Jahren in 150 verschiedenen Regionen des menschlichen Erbguts Varianten entdeckt, die mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert sind. Doch die konkret verantwortlichen Gene und Genvarianten waren bisher weitgehend unbekannt. Ein internationales Konsortium unter Federführung von Wissenschaftlern der Universität Cambridgehat nun innerhalb dieser 150 Regionen 191 Gene identifiziert, die das gesteigerte Risiko tatsächlich verantworten könnten. Damit konnten die Wissenschaftler, unter anderem aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, das bislang detaillierteste Bild der genetischen Brustkrebsrisiken zeichnen.
Anzeige:
Kyprolis
Brustkrebs ist – wie die meisten Krankheiten – eine komplexe, polygenetische Erkrankung. Das heißt, nicht eine einzelne Genvariante oder ein einzelnes Gen ist die Ursache der Krankheit, sondern die Kombination mehrerer Varianten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch an Brustkrebs erkrankt.

Bislang 150 Regionen identifiziert

Bisherige genomweite Assoziationsstudien (GWAS), bei denen das Erbgut von Brustkrebspatientinnen mit der DNA gesunder Frauen verglichen wurde, haben rund 150 Regionen im Genom identifiziert, die das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Doch die Forscher wissen nur, dass innerhalb dieser Regionen eine oder mehrere genetische Veränderungen (Einzelnukleotid-Polymorphismen, SNPs) vorliegen, die das Krebsrisiko beeinflussen. Bisher wissen sie aber nicht, welche konkreten Gene die Erkrankung verursachen. Die meisten genetischen Varianten befinden sich sogar außerhalb der Gene, sie regulieren beispielsweise, wie häufig ein bestimmtes Gen abgelesen wird.
Mit der aktuellen Arbeit wollten die Wissenschaftler eingrenzen, welche Erbgutvarianten tatsächlich ursächlich für die Erkrankung sind, welche zelluläre Auswirkung sie haben könnten und welche Gene beteiligt sind. „Wir brauchen diese Informationen, da sie uns Anhaltspunkte für zukünftige Möglichkeiten einer effektiveren Prävention und gezielteren Früherkennung geben könnten“, sagt Hermann Brenner, einer der Koautoren aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

352 Risikovarianten entdeckt

An der aktuellen Studie haben Forscher aus weit über 100 Institutionen weltweit zusammengearbeitet, um das Erbgut von 110.000 Brustkrebspatientinnen mit dem von rund 90.000 gesunden Kontrollpersonen zu vergleichen. Innerhalb der 150 Erbgutregionen identifizierten sie 352 Risikovarianten. Mit statistischen Methoden konnten die Wissenschaftler mit einiger Sicherheit 191 am Brustkrebs beteiligte Gene identifizieren – weniger als jedes fünfte davon war zuvor im Zusammenhang mit Brustkrebs bekannt. „Diese unglaubliche Menge an neu entdeckten Genen, die mit Brustkrebs in Verbindung stehen, unterstreicht, wie komplex die Erkrankung ist. Die Arbeit hilft uns, ein viel genaueres Bild davon zu bekommen, wie Brustkrebs entsteht und sich entwickelt“, sagt Ute Hamann, Koautorin aus dem DKFZ.

Ein Drittel prädisponiert für hormonabhängigen Brustkrebs

Etwa ein Drittel der neu entdeckten genetischen Varianten prädisponiert Frauen für die Entwicklung des häufigen hormonabhängigen Brustkrebses, der bei 4 von 5 Patientinnen diagnostiziert wird und auf Hormonbehandlungen wie Tamoxifen anspricht. Rund 15% der genetischen Varianten prädisponieren Frauen für den selteneren Typ, den Östrogenrezeptor-negativen Brustkrebs. Die übrigen genetischen Varianten spielen bei beiden Arten von Brustkrebs eine Rolle.

Meist Einfluss auf Genexpression

In der Mehrzahl der Fälle beeinflussen die genetischen Varianten die Genexpression. Damit regulieren sie die Menge des erzeugten Proteins und nicht die Art des Proteins selbst. So beeinflussen beispielsweise 9 verschiedene Varianten das gleiche Gen für den Östrogenrezeptor (ESR1). Viele andere Varianten beeinflussen die Bindungsstellen des Östrogenrezeptors und regulieren dadurch wiederum andere Gene. Dies unterstreicht die Bedeutung des ESR1-Gens und seines Proteinprodukts, des Östrogenrezeptors, für die Entstehung von Brustkrebs.
„Jede einzelne genetische Variante erhöht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, nur um einen sehr geringen Betrag. Doch zusammengenommen ermöglichen sie es, genetische Tests zu verfeinern und Frauen künftig ein klareres Bild ihres genetischen Risikos zu geben“, sagt Ute Hamann. „Langfristig können die Ergebnisse außerdem dabei helfen, bessere Strategien zur Risikoreduktion und auch neue Therapieansätze zu entwickeln.“

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Literatur:

Laura Fachal et al.: Fine-mapping of 150 breast cancer risk regions identifies 191 likely target genes. Nature Genetics 2020, DOI: 10.1038/s41588-019-0537-1


Das könnte Sie auch interessieren

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen
© pathdoc / Fotolia.com

„Ich hatte große Träume für mein Leben, jetzt denke ich oft viel, viel kurzfristiger“, sagt die 25-jährige Studentin Mia*, die vor anderthalb Jahren an Krebs erkrankte. Nach der Diagnose musste sie ihr Studium unterbrechen, ihre Familienplanung in Frage stellen und auch mit ihrem Freundeskreis einen neuen Umgang finden. Sie ist eine von rund 15.000 jungen Menschen, die jährlich im Alter von 18 bis 39 Jahren die Diagnose Krebs erhalten.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Brustkrebs: 191 Risiko-Gene identifiziert"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.