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Medizin

10. Dezember 2020 Brust- und Lungenkrebs: Pro-tumorale Inflammation als neues Ziel der Krebstherapie?

Auf einem Satellitensymposium während des AIO-Herbstkongresses 2020 diskutierte Prof. Dr. med. Hans Tesch, Frankfurt, die erweiterten Therapiemöglichkeiten des HR+/HER2- metastasierten Mammakarzinoms (mMaCa). Und Prof. Dr. med. Martin Reck, Großhansdorf, stellte eine neue additive Behandlungsoption beim NSCLC vor, die in der Erprobung ist. Dabei handelt es sich um die Blockade der chronischen pro-tumoralen Inflammation (PTI).
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Längst hat die Immuntherapie (IO) bei der Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) einen festen Platz eingenommen, erklärt Reck. Die IO kann in dieser Indikation auf vielfältige Weise eingesetzt werden. Sowohl als Monogabe oder als Doppel-IO, wie ebenfalls in einer Kombination mit Chemotherapien. Aber dennoch verbleiben natürlich zahlreiche Fragen. Eine von ihnen ist, wie sich die chronische PTI adressieren lässt. Dabei sei, so Reck, zu unterscheiden zwischen einer das Immunsystem (und damit die IO) unterstützenden Entzündung – und eben der PTI.

"Ein Faktor, der diese unerwünschte Inflammation triggert, ist Interleukin 1β (IL-1β), und ein Inhibitor derselben ist der Antikörper Canakinumab. Da IL-1β präsent ist in verschiedensten Stadien des NSCLC, untersucht gegenwärtig das CANOPY-Studienprogramm diesen Antikörper über alle Tumorstadien hinweg.“ Ferner wird Canakinumab in der Neoadjuvanz und in diversen Therapielinien sowie unterschiedlichen Kombinationen untersucht.

Weitere Zielmutation beim Brustkrebs

Tesch referierte über Alpelisib, einem PI3K alpha spezifischen Inhibitor (PI3KA-I), der beim HR+/HER2- mMaCa erfoglreiche Studien absolviert hat. In der SOLAR-1 Studie wurde Alpelisib + Fulvestrant gegen Placebo + Fulvestrant getestet, und zwar in 2 Kohorten: mit und ohne PI3KA-Mutation.
In der Subgruppe mit dieser Mutation konnte Alpelisib einen signifikanten Vorteil beim primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben (PFS) erzielen. Das mediane PFS betrug 11 Monate gegenüber 5,7 Monate in dem Kollektiv, in welchem Placebo zu Fulvestrant hinzugegeben worden war (p=0,00065). Dies war in den Nicht-mutierten Kohiorte nicht der Fall. Somit war das Proof of Principle erbracht (1).

Bei den Nebenwirkungen gab es unter Alpelisib mehr Hyperglykämien und mehr Hautmanifestationen (Rash). "Die Hyperglykämien sind dadurch erklärbar, dass der Glukosestoffwechsel ebenfalls über diesen Pathway läuft.“ Durch proaktives Management werden diese Nebenwirkungen geringer bis kontrollierbar, erläutert Tesch. Durch diese Studie kam es zu einer Zulassung von Alpelisib durch die EMA.

Da zahlreiche Patienten, die einer Behandlung mit CDK4/6-Inhibitoren (CDK4/6-I) unterzogen werden, gleichzeitig eine PIK3A-Mutation aufweisen, liegt es nahe, diese ebenfalls mit Alpelisib zu behandeln. Daher wurde in der Open-Label Phase 2 Studie BYLieve die Sequenz CDK4/6-I und danach die Applikation von Alpelisib + endokriner Therapie in einem einarmigen Design getestet. Den primären Endpunkt, ein PFS über mindestens 6 Monate, erreichten 50,4% der Patienten (2). "Damit ist auch dies eine positive Studie“, kommentiert Tesch, "die zeigt, dass die Patienten von dieser Sequenz profitieren.“

Reimund Freye

Quelle: Satellitensymposium: Therapiemanagement moderner Ansätze in der Behandlung von Brust- und Lungenkrebs, im Rahmen des 17. AIO Herbstkongresses (virtuell) 2020, 19.11.2020; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) André F et al., ESMO 2020; Abstr. LBA18
(2) Rugo HS et al., ASCO 2020, Virtual Scientific Program; Abstract 1006


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