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Medizin
28. Mai 2015

Blaulichtresektion mit Hexaminolevulinat verbessert Gesamtüberleben bei Blasenkrebspatienten mit radikaler Zystektomie

Die photodynamische Diagnostik (PDD) mit Hexaminolevulinat (HAL; Hexvix®) verlängert signifikant das Gesamtüberleben bei Blasenkrebspatienten, die sich später einer radikalen Zystektomie unterziehen mussten (1). Das ist das Ergebnis einer Studie mit 224 Blasenkrebspatienten, die aktuell im World Journal of Urology veröffentlicht wurde.

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Bei einer Patientengruppe mit einer radikalen Zystektomie im Zeitraum von 2002 bis 2010 wurde retrospektiv analysiert, ob eine HAL-gestützte TUR-BT (transurethrale Resektion eines Blasentumors) während der Krankheitsgeschichte vor dem Eingriff das Gesamtüberleben (OS) beeinflusste. Dazu werteten die Forscher die 3-Jahres-OS-Rate für jene Patienten aus, bei denen zuvor eine HAL-TUR-BT durchgeführt worden war (n=66), und verglichen diese mit jenen, bei denen TUR-BT mit 5-Aminolevulinat (ALA) (n=23) oder nur mit Weißlicht (WL) (n=135) erfolgt waren. "Die Untersuchten repräsentieren ein besonderes Risikokollektiv von Patienten mit Blasenkarzinom: Daher haben wir die Ergebnisse mit Spannung erwartet", erläutert Erstautor PD Dr. Georgios Gakis von der urologischen Universitätsklinik Tübingen. Mit 74% überlebten signifikant mehr Patienten der HAL-Gruppe 3 Jahre lang als in der Gesamtgruppe der ALA- und der WL-Patienten (p=0,037; 3-Jahres-OS für ALA: 60,9%, für WL 56,5%). Gakis resümiert: "Diese Arbeit hat zum ersten Mal systematisch untersucht, welchen Einfluss die PDD-unterstützte TUR-BT auf das Überleben von Blasenkrebspatienten hat, die später radikal zystektomiert werden müssen. Diese Daten zeigen erstmals, dass ein durch die HAL-TUR-BT verbessertes chirurgisches Management invasiver Tumoren eine Auswirkung auf das onkologische Langzeitergebnis haben kann."

Hexvix® ist das einzige Präparat, das in Deutschland für die PDD zugelassen ist. Sein Einsatz kann über das DRG-System abgerechnet werden. Die photodynamische Diagnostik konnte in der Vergangenheit zeigen, dass sie nicht nur die Detektion und Resektion von nicht muskelinvasiven Harnblasenkarzinomen erleichtert, sondern auch das Rezidivrisiko verringert (2-4). Gakis untersuchte nun zusammen mit neun Kollegen 224 Blasenkrebspatienten retrospektiv, die zwischen 2002 und 2010 mit einer radikalen Zystektomie sowie beidseitiger Lymphadenektomie der Beckenregion an der urologischen Universitätsklinik Tübingen behandelt worden waren. Das mediane Follow-Up betrug 29 Monate. Neben dem positiven Ergebnis hinsichtlich des Gesamtüberlebens zeigte die Studie auch gute Daten zum medianen dreijährigen rezidivfreien Überleben: 77,8% der HAL-Untersuchten lebten nach 3 Jahren noch rezidivfrei, aber nur 53,6% in der ALA- und 52,4% in der WL-Gruppe (HAL vs. ALA/WL: p=0,002). Eine multivariante Analyse prüfte zudem, ob es unabhängige Einflussgrößen für ein Krankheitsrezidiv gibt: Das Fehlen einer HAL-TUR-BT konnte dabei als ein entsprechender Einflussfaktor identifiziert werden (p<0,001) - neben den Faktoren "fortgeschrittenes pathologisch bestimmtes Tumorstadium" (p=0,006), "pathologisch bestimmter Lymphknotenbefall" (p<0,001) und "tumorpositive Resektatränder im Weichteilgewebe" (p=0,009).

PDD in Leitlinien empfohlen

Die aktuelle Leitlinie der European Association of Urology (EAU) zum nicht muskelinvasiven Harnblasenkarzinomen betont, dass Biopsie und Resektion mit der fluoreszenzgestützten Methode sensitiver sind als unter konventionellen Methoden, insbesondere zum Nachweis von Carcinoma in situ (CIS) (5). Auch die neue Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) 2015 zu Diagnose und Management von Blasenkrebs empfiehlt, TUR-BT Ergebnisse durch ergänzende Techniken wie die PDD zu verbessern (6). Letztes Jahr hat zudem ein Panel aus 11 europäischen Experten einen Konsensus veröffentlicht: Die Autoren sprechen sich dafür aus, die HAL-gestützte Blaulichtzystoskopie bei Verdacht auf ein NMIBC bereits bei der ersten TUR-BT einzusetzen (7). Zur Vermeidung eines NMIBC-Rückfalls innerhalb von 12 Monaten müssten 6 Patienten eine HAL-gestützte Blaulichtzystoskopie erhalten (number needed to treat von 6). Empfohlen wird zudem der Einsatz der PDD, wenn eine positive Urinzytologie bei negativer Weißlichtzystoskopie vorliegt. Bei Rezidivverdacht soll die Blaulichtzystoskopie eingesetzt werden, wenn sie bei Erstdiagnose nicht stattgefunden hat. Zudem sollte sie erwogen werden, wenn der Patient bereits einmal photodynamisch untersucht wurde, insbesondere bei initialen High-grade-Tumoren, multiplen Tumoren und Verdacht auf CIS (7).

Quelle: Ipsen

Literatur:

(1)    Gakis G, Ngamsri T, Rausch S, et al. Fluorescence-guided bladder tumour resection: impact on survival after radical cystectomy. World J Urol 2015 Jan 17. [Epub ahead of print]
(2)    Stenzl A, Burger M, Fradet Y, et al. Hexaminolevulinate guided fluorescence cystoscopy reduces recurrence in patients with Nonmuscle Invasive bladder cancer. J Urol 2010; 184:1907-13.
(3)    Grossman HB, Stenzl A, Fradet Y, et al. Long-term decrease in bladder cancer recurrence with hexaminolevulinate enabled fluorescence cystoscopy. J Urol 2012; 188:58-62.
(4)    Burger M, Grossman HB, Droller M, et al. Photodynamic diagnosis of non-muscle-invasive bladder cancer with hexaminolevulinate cystoscopy: a meta-analysis of detection and recurrence based on raw data. Eur Urol 2013; 64:846-54.
(5)    Babjuk M, Böhle A, Burger M, et al. Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer (Ta, T1 and CIS). European Association of Urology 2015. http://uroweb.org/guideline/non-muscle-invasive-bladder-cancer/
(6)    NICE guidelines [NG2]. Bladder cancer: diagnosis and management. www.nice.org.uk/guidance/ng2/chapter/1-recommendations
(7)    Witjes JA, Babjuk M, Gontero P, et al. Clinical and cost effectiveness of Hexaminolevulinate-guided Blue-light Cystoscopy: Evidence review and updated expert recommendations. Eur Urol 2014, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25001887.


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