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Medizin

29. Dezember 2020 Harnblasenkarzinom, der unterschätzte Krebs

Das Harnblasenkarzinom gehört zum zweithäufigsten urologischen Tumor. Männer sind drei- bis viermal häufiger als Frauen betroffen. Ein neues EU-Projekt soll zu Verbesserungen der individuellen Behandlung vor allem im metastasierten Status führen.
In Österreich erkranken jährlich etwa 1.600 Menschen neu an Harnblasenkrebs, wobei ca. drei Viertel aller Neuerkrankungen auf Männer entfällt. Damit ist der Harnblasenkrebs der vierthäufigste Tumor des Mannes und der zwölfthäufigste der Frau. Bei der Behandlung im metastasierten Status wird meist auf Chemotherapie oder Immuntherapie gesetzt. Ein Innsbrucker Forschungsteam unter der Leitung von Zoran Culig und Renate Pichler von der Abteilung für Experimentelle Urologie untersucht gemeinsam mit Teams von der Universität Luxembourg und dem deutschen Unternehmen Mosaiques Möglichkeiten, die Behandlung dieser Krebsart zu personalisieren.

Risikofaktoren

Als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Harnblasenkrebs ist an erster Stelle das Rauchen zu nennen und somit für etwa die Hälfte aller Karzinomfälle verantwortlich: Es gilt der Harnblasenkrebs nach Lungenkrebs als die zweithäufigste Krebserkrankung bei RaucherInnen. Neben einer berufsbedingten Exposition mit bestimmten Chemikalien in der Öl-, Leder- und Farbindustrie kann das Blasenkarzinom auch als Sekundärtumor als Spätfolge nach Bestrahlungen mit einer Latenzzeit von 10-30 Jahren entstehen. In ca. 75% aller Erstdiagnosen handelt es sich um nicht invasive Tumoren, die organerhaltend therapiert werden können. Allerdings metastasieren 50% aller lokal begrenzten invasiven Tumoren im Laufe der Zeit trotz radikaler Operation. Im metastasierten Zustand ist die Prognose sehr schlecht mit einem medianen Überleben von drei bis sechs Monaten ohne weitere Therapie. Eine platinhaltige Chemotherapie bzw. eine Immuntherapie sind der derzeitige Therapiegoldstandard in diesem Status. Hier setzt nun das von der Europäischen Union und der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte, internationale Forschungsprojekt ReDIRECt (=moleculaR-based, Data-driven drug REpurposing for bladder Cancer) an.

Personalisierte Behandlung

„Wir untersuchen, welche Krebs-Gene im Gewebe von Patientinnen und Patienten überexprimiert sind. Diese Onkogene sind mögliche Ziele für die Therapien mit Medikamenten, die derzeit entwickelt bzw. spezifisch eingesetzt werden können“, erklärt die Innsbrucker Urologin Renate Pichler das Vorhaben. In Frage kommende Medikamente werden in Zellkulturen getestet und in weiterer Folge sollen auch in vivo Studien durchgeführt werden.

Neuer Schwerpunkt

„Dieses Projekt wird zur Stärkung des Schwerpunktes Urothelonkologie - mit 90% die häufigste Harnblasenkrebserkrankung - an der Universitätsklinik für Urologie beitragen“, erklärt Zoran Culig. Es gibt besondere klinische Signifikanz des Projektes, das über drei Jahre sowohl von der EU als auch der FFG gefördert wird: Für die Behandlung des metastasierten bzw. lokal fortgeschrittenen invasiven Blasenkarzinoms stehen etwa eine Chemotherapie oder eine Immunotherapie zur Verfügung. Die WissenschafterInnen aus Österreich, Luxemburg und Deutschland wollen nun herausfinden, ob auch eine individuelle, personalisierte Behandlung des Urothelkarzinoms möglich ist. „Dadurch erwarten wir uns die Verbesserung der Lebensqualität und besseres Überleben“, so die beiden Innsbrucker ForscherInnen.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


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