Mittwoch, 5. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Medizin
16. November 2015

Bengamide: Potenzielle Krebsmittel verfügbar

Ein terrestrisches Myxobakterium haben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums jetzt als aussichtsreiche Quelle für die ursprünglich aus marinen Schwämmen isolierten Bengamid-Wirkstoffe identifiziert. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, bieten die nun neu zugänglichen Bengamid-Derivate ein großes Potenzial als Krebstherapeutika und vielleicht als Wirkstoff gegen Fettleibigkeit.

Anzeige:
Kyprolis

Abb: Das Bakterium Mycococcus virescens ist eine neu entdeckte Quelle für Bengamid-Wirkstoffe, gegen die es selbst resistent ist. © Wiley-VCH

Das Bakterium Mycococcus virescens ist eine neu entdeckte Quelle für Bengamid-Wirkstoffe, gegen die es selbst resistent ist


Bodenbakterien gelten als reiche Fundgrube an potenziellen cytotoxischen Substanzen, und manchmal bieten sie auch Unerwartetes: Die seit den 1980er Jahren bekannten Bengamide, eine antiproliferative Wirkstoffklasse aus einem marinen Schwamm, werden auch von terrestrischen Myxobakterien produziert. Unter der Federführung von Rolf Müller und Mark Brönstrup am Helmholtz-Zentrum in Saarbrücken und Braunschweig sowie bei Sanofi in Frankfurt und Paris wurde jetzt nicht nur die Biosynthese der Bengamide im Myxobakterium gründlich erforscht, sondern es wurden auch synthetische und halbsynthetische Derivate des Bengamids auf ihre pharmakokinetischen Eigenschaften hin abgeklopft.

Der Schlüssel liegt in der Fermentation: "Durch den fermentativen Zugang zu dieser 'marinen' Substanzklasse im Gramm-Maßstab haben wir Studien zur Bengamid-Biosynthese, heterologen Expression und Selbstresistenz des Produzenten durchgeführt sowie die Eigenschaften als Leitstrukturen über Semi- und Totalsynthese optimiert", erläutern die Autoren. Die Bengamide sind Inhibitoren der humanen Methionin-Aminopeptidasen (MetAPs). Eine einzelne Aminosäure, die in den bakteriellen MetAPs gegenüber den humanen ausgetauscht ist, macht die Bakterien eigenresistent gegen Bengamid, haben die Wissenschaftler bei der Untersuchung des Biosynthesewegs herausgefunden. Weil die natürlichen Bengamid-Derivate des Myxobakteriums relativ schnell mikrosomal abgebaut wurden, vermittelten die Wissenschaftler den Substanzen Stabilität durch gezielte Veränderung am Gerüst. "Ein semisynthetischer Zugang zu solchen Analoga ist über Kombination einer mikrobiell produzierten Polyketidkette mit einem synthetischen Caprolactam denkbar", schreiben die Autoren, und obwohl sie hier eine Totalsynthese wählten, um die Wirksamkeit und Stabilität der Bengamide zu erhöhen, empfehlen die Wissenschaftler, künftig Gentechnik und Synthese zu kombinieren, um optimierte Bengamide konstengünstig zu produzieren.

Eine weitere interessante Indikation ergibt sich, so die Autoren, aus Studien, dass MetAP-Inhibition den Fettabbau ankurbelt und somit Körperfett reduzieren hilft. Mit den neuen gentechnischen Möglichkeiten, die die Autoren in ihrer Arbeit beschreiben, bilden die Bengamide, ursprünglich nur marinen Organismen zugeordnet, nun eine Leitstruktur, die sich biotechnologisch produzieren und modifizieren lässt.
Mehr unter: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201508277

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.


Das könnte Sie auch interessieren
Was Krebspatienten in der kalten Jahreszeit beachten sollten
Was+Krebspatienten+in+der+kalten+Jahreszeit+beachten+sollten
© Rido - stock.adobe.com

Außen kalt, innen überheizt, dazu Glatteis, Schnee und trübes Licht – der Winter ist für Krebspatienten keine leichte Zeit. Aufgrund der geschwächten Immunabwehr und den damit einhergehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Im Monatsthema Dezember gibt das ONKO-Internetportal hilfreiche Tipps, wie Krebspatienten gut und sicher durch die kalten Monate kommen.

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
Bewegung+hilft+bei+der+Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Bengamide: Potenzielle Krebsmittel verfügbar"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.